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Una mattina mi sono svegliato,
O bella ciao, bella ciao, Bella ciao, ciao, ciao,
Una mattina mi sono svegliato, E ho trovato l'invasor

 

Campania, awarische Föderation
General Govelli, hager, kleingewachsen, mit grauem Haar, stand in der zweiten Reihe auf der Tribüne, die eilig aus Holz auf den trockenen Feldern der Campania südlich Roms gezimmert worden war. Man hörte einige Grillen, ein Salamander klebte auf der Sonnenseite an einem der Pfosten.
Vor ihm saß der Consecratius, Leiter der Hauptabteilung Heereswesen im Pontifikat und Marschall der awarischen Föderation. Der beleibte Mann hatte auf einem hohen, mit purpurfarbenen Kissen besetzten Lehnstuhl Platz genommen und eines seiner dicken, kurzen Beine übergeschlagen. Zu seiner Linken saß seine Nichte, eine vielleicht zwanzigjährige, üppige Frau in der Uniform eines Obersten der gepanzerten Verbände. Die anwesenden Offiziere mitsamt der Dame lauschten der Rede des Vorsitzenden der wissenschaftlichen Abteilung und sahen gelegentlich auf die Ebene, die vor ihnen lag.
Als er den Blick in die Landschaft richtete, kniff Govelli seine Augen zum Schutz gegen die Helligkeit zusammen. Die Furchen im Gesicht des grauen Mannes in der zweiten Reihe verstärkten sich beim Blinzeln gegen die Sonne. Sechs der neu entwickelten Kettenfahrzeuge setzten an, einen Hügel, von dem mit Platzpatronen das Feuer auf sie eröffnet wurde, zu nehmen. Der neue Awarus-Panzer sollte den überalterten dreiachsigen Radpanzer ablösen. Ein Exemplar davon stand mit seiner langen 75-mm-Kanone neben der Tribüne. Die Nichte des Marschalls hatte sich und ihren Oheim damit schneidig zur Vorstellung kommandiert.
Der Awarus-Panzer wirkte dagegen wie eine wuchtige, träge Raupe. Ursprünglich waren es acht gewesen. Zwei waren bei vorangegangenen Vorführungen ausgefallen. Die verbliebenen Kolosse schoben sich mühsam an den befestigten Hügel heran und gaben dabei lautstarke Beweise ihrer Kampfkraft aus der Bordkanone ab. Vielleicht hatte man bei den Vorbereitungen zu dieser Vorführung der Akustik mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Sicherheit. Aus der Luke eines Panzers quoll Rauch und die Zuschauer sahen einen Kommandanten mit zerrissener, angebrannter und blutiger Hose ins Freie klettern. Ein Wagen mit Sanitätern rauschte zur Unfallstelle.
„Gut, gut.“ Der Consecratius klatschte mit seinen runden Händen, setzte das übergeschlagene Bein auf den Boden und wandte sich an seine Begleiterin. „Ich denke, wir können davon ausgehen, dass die feindliche Stellung genommen wird.“ Mit einem Lächeln sah er zu seinem Mitarbeiter, der seinen zuletzt schleppenden Vortrag unterbrochen hatte. „Kommen wir zu einem abschließenden Test. Vielleicht wollen Sie, mein lieber Herr General, und Ihre Herren Ingenieure dazu persönlich eine Ihrer Neuentwicklungen besteigen und vorfahren?“

***

Generalstab Kiel, Nordische Allianz
„Der Vorschlag verfolgt in erster Linie defensive Ziele. Oberste Prämisse ist der Schutz des Kernlandes.“ Major Reser-Weiden zeigte in seinem Vortrag gegenüber den anwesenden Mitgliedern des Generalstabes der nordischen Allianz keine Unsicherheit.
Admiral Sowinski, Chef der militärischen Abwehr und der Geheimdienste, öffnete beiläufig den Mund und schloss ihn wieder. Seine schlanke, gebogene Nase hatte etwas Raubvogelähnliches. Die dunkle Jacke der Marine, die wie ein Federkleid an ihm lag, verstärkte den Eindruck. Er blickte auf die Karte, die vor Ihnen auf dem riesigen, polierten Eichentisch des Besprechungsraums lag. Sie zeigte Europa. Norwegen und Schweden wirkten in der Mercatorprojektion groß und wehrhaft. Jütland, der kleine Landzipfel von Skagerrak bis Hamburg, die Speerspitze des skandinavischen Bündnisses, die Reser-Weiden soeben als Kernland tituliert hatte, wirkte dagegen zerbrechlich und schwach. Kaum südlich der Elbe begann das Territorium der awarischen Föderation, das sich bis hinunter nach Sizilien und Teilen Nordafrikas erstreckte – von den Südfriesischen Inseln über den Balkan bis in den Nahe Osten, von der Straße von Gibraltar bis hinter das Erzgebirge.
Sowinski studierte den vortragenden Offizier: Er war Anfang dreißig, groß gewachsen, hatte eine kräftige Statur, dunkelblonde Haare. Der Admiral erkannte einen erfahrenen Truppenführer, der sich zweifellos im Feld bewährt, aber wenig Zeit in Stäben verbracht hatte.
Reser-Weiden fuhr mit einem zierlichen, silbernen Zeigestock dicht an der Elbe von Cuxhaven nach Lüneburg entlang. „Die Ausgangslage ist bekannt. Wir stehen vierzig bis fünfzig Kilometer südlich der Elbe in der Verteidigung. Das begrenzte Territorium sichert uns eine vergleichsweise hohe Truppenkonzentration. Unsere Dynamik ist jedoch eingeschränkt. Umgruppierungen oder gar tiefe, raumgreifende Absetzbewegungen mit zeitversetzten Gegenstößen sind nicht möglich. Der hohen Beweglichkeit unserer mechanisierten und motorisierten Verbände wird diese Stellung nicht gerecht. Im Falle eines Angriffes der Föderation sind wir auf das Reagieren beschränkt. Es würden sich kaum Gelegenheit bieten, eigene Schwerpunkte zu bilden.“
Marschall von Rechtensberger, Präsident der Deutschdänischen Allianz, nickte ein wenig ungeduldig. „Ja, das ist seit gut zwanzig Jahren bekannt.“
„Gut, ich erhöhe das Tempo.“ Reser-Weiden räusperte sich, und mit einem vorausgehenden Lächeln hielt er dann sein Versprechen. „Unsere gegenwärtigen Pläne, diese wenig zufrieden stellende Situation aufzulösen, sehen einen Stoß auf ganzer Breite in die norddeutsche Tiefebene vor. Ziel ist es, eine stabile Linie mit Grenzbefestigungen am Mittellandkanal vor den Ausläufern der deutschen Mittelgebirge zu errichten - zweihundert Kilometer jenseits unserer heutigen Position. Je nach Coleur“, er nickte in Richtung des Admirals, „sind parallel Operationen der Marine und der Marineinfanterie in der Normandie und der Straße von Gibraltar vorgesehen, mit der Maßgabe, die rückwärtigen Räume der awarischen Föderation zu destabilisieren und schließlich mit Hilfe innerer und äußerer Feinde der Awarier die gesamte Föderation zu Fall zu bringen.“
Er versicherte sich in einer Sekunde, die er seinen Blick durch die Anwesenden schweifen ließ, dass er nun zu seinem eigentlichen Thema kommen konnte. „Diese Pläne sind Risiko behaftet. Die Aufgaben an Heer, Marine und Luftwaffe könnten, wie verschiedene Studien nahe legen, die Kräfte überfordern. Aufgrund unserer zahlenmäßigen Unterlegenheit wären wir nicht im Stande, unsere Truppen tief zu staffeln. Wir könnten gezwungen werden, unsere Reserven aufzulösen, und wären dann nicht in der Lage, auf einen Gegenschlag adäquat zu reagieren.“ Reser-Weiden zeigte Geländeregionen auf, die der starken Infanterie des Gegners entgegenkam und deutete einen Einbruch der Awarischen Streitkräfte bis an die Elbe an, der vorgezogene Verbände der Allianz am Mittellandkanal von ihren rückwärtigen Verbindung trennte. „Von daher schlage ich vor, lediglich die Sicherungszone von heute vierzig auf hundert Kilometer zu erweitern.“ Er zog mit seinem silbernen Stift erneut über die Karte. Trotz der feinen Spitze des Zeigestocks war der Unterschied wegen des großen Maßstabes kaum auszumachen.
Sowinski nutzte die Sprechpause für eine Frage, die den Charakter einer Feststellung hatte. „Marineeinsätze sind nicht vorgesehen?“
„Richtig. Primäres Ziel der Operation ist es, Bewegungsspielraum für die Heeresverbände zu bekommen. Landeoperationen am Atlantik könnten nur sehr langfristig zu einer Entlastung an unserer Grenze führen. Nach unseren Analysen ist die Föderation in der Lage, in einer Angriffswelle bis zu vierzig Kilometer Raum gutzumachen. Dann muss der Angriff zur Nachführung der Logistik und frischer Truppen für einige Tage stoppen. Das wäre für uns hinreichend Zeit für Umgruppierungen, Störung der gegnerischen Versorgung und der Einschließung vorgerückter Awarischer Verbände. Mit dem Rücken zur Elbe, wie wir es heute haben, wäre das nicht möglich.
Und auch eine feste Stellung nahe der Mittelgebirge würde unsere Position schwächen. Unser Heer ist hoch beweglich, aber klein. Verlängern wir die Front zu sehr, könnten wir eine geschlossene Überwachung der Grenzen nicht mehr sicherstellen. Das primäre Ziel im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung ist es, die Masse des Gegners von Nachschub und Nachrichten abzuschneiden. Unsere Gegenstöße würden weniger den Kampfverbänden als den Versorgungslinien, Befehlsständen und Fernmeldeverbindungen gelten. Und diese können nur auf der offenen Ebene in Niedersachsen präzise aufgeklärt und dann zerstört werden.“
„Es geht also nicht darum, eine feste Linie zu verteidigen, sondern den Kampf auf ein breites, variables Band zu verlagern“, konstatierte der Chef des Stabes, Generalleutnant Teichert-Waldesleben.
„Sehr richtig. In einem breiten, tiefen und offenen Raum könnten wir mit Beweglichkeit unsere zahlenmäßige Unterlegenheit wettmachen. Es gilt die Waage zwischen ausreichendem Raum für Bewegungen und ausreichend hoher Truppenkonzentration zu halten.“
Marschall von Rechtensberger nickte. „Vielen Dank, Herr Reser-Weiden.“ Er sah hinüber zu seinem Adjutanten. „Rubenau, leisten Sie doch dem Herrn Major so lange Gesellschaft.“
Admiral Sowinski sah von der Karte auf und ließ seine dunklen Augen durch die Gruppe der Mitglieder des Vereinigten Generalstabs streifen. Als er den herauskomplimentierten Offizier mit seinem Blick erreicht hatte, wandte er sich leise aber hörbar an den Präsidenten. „Es geht also nicht darum, eine Bedrohung für unser Land aus der Welt zu schaffen, sondern sich mit ihr zu arrangieren.“

„Schön, schön. Ich denke, die Sache ist ganz gut gelaufen.“ Oberstleutnant Rubenau lächelte Reser-Weiden zu und schloss kurzzeitig seine treuherzigen kleinen Schweinsaugen.
Reser-Weiden lachte und stellte sich an eines der großen Fenster im sonst leeren, hellen Flur des obersten Stocks des Generalstabsgebäudes. Sein Blick war nicht der Kieler Förde zugewandt, die das Hintergrundpanorama bildete, sondern richtete sich auf den Adjutanten des Marschalls. „Finden Sie?“
„Nun, nun, die Stimmung war etwas eisig, aber Sie haben Freunde.“ Er tätschelte mit seiner Hand den Unterarm von Reser-Weiden. „Man hat mir auch aufgetragen, Ihnen zu sagen, dass Ihre Sache gut steht.“
„Ich hatte den Eindruck, einige von denen würde mich zur Strafe für einen so dummen Plan gerne nach Finnland in die Pampa versetzen.“
Rubenau zog die runden Schultern hoch. „Sie haben Freunde, Ihr Plan hat durchaus Unterstützer. Dann kann man sich ja auch ein paar Feinde leisten.“ Er nickte gutmütig. „Das da drinnen sind Politiker. Selbst wenn sie inhaltlich mit Ihnen übereinstimmen, halten sie ihre Meinung bis zum rechten Zeitpunkt zurück. Der Präsident steht Ihren Plänen geneigt gegenüber. Einige ahnen das und werden versuchen, für ihre Zustimmung noch etwas einzufordern. Deshalb ist der Herr Marschall vorsichtig.“
„Und der Chef des Stabes?“
„Der Generalleutnant Teichert-Waldesleben ist in der Tat sehr einflussreich. Von ihm hängt vieles ab. Da haben Sie recht, mein lieber Herr Reser-Weiden. Man möchte aber annehmen, dass er ebenfalls Bedenken gegen einen vermeintlich vernichtenden Schlag gegen die Föderation hat.“
„Wenn der Präsident und der Chef des Stabes den defensiven Plänen, wie Sie sagen, geneigt gegenüber stehen, bleibt als Hauptkontrahent nur Sowinski?“
„Ja, ja. Er und einige andere vielleicht. Aber, unterschätzen Sie den Admiral nicht. Er ist der höchste Vertreter der Marine im gemeinsamen Generalstab und leitet seit langer Zeit die militärische Abwehr und die Geheimdienste.“
Reser-Weiden nickte. „Ich hatte bereits die Einschätzung gehört, dass sein Arm eine gewisse Reichweite hat.“
„Sicher, ja, ja. Ganz sicher. Vom Stab aus wird das Land regiert, wie man sagt. Und die Geheimdienste reichen in alle Bereiche herein. Nun aber, der Marschall kann die Herren hier durchaus in die Schranken weisen. Aber Sie werden es erleben.“
„Ich werde es erleben.“ Reser-Weiden zog die Stirn nach oben.
„Ja, ja, sicher. Oh“, er nickte grinsend, „man bat mich, Ihnen ausrichten, wenn alles gut läuft, werden Sie noch in diesem Jahr zum Oberstleutnant befördert und in der Stab versetzt.“
„Ohne vorher einen Verband geführt zu haben?“
Rubenau lachte höfisch. „Sie werden Ihr Bataillon schon noch bekommen, mein lieber Herr Reser-Weiden. Aber ja, vorher werden Sie auf den Posten des G36 berufen. Dann sind Sie vermutlich einer der jüngsten Abteilungsleiter in der Geschichte des Generalstabs. Das werden Sie aber natürlich selber besser feststellen können, da Sie dort dem Ressort für Militärgeschichte vorstehen werden. Nun ja, immerhin, die Militärgeschichte gehört zu der G3-Hauptabteilung für strategische und operative Planungen.“ Er lächelte. „Ich soll Ihnen sagen, dass Sie die nächsten Monate bis zu Ihrer Berufung nutzen sollten, um sich mit den Gepflogenheiten und Verhältnissen im Stab vertraut zu machen. Man sagt Ihnen nach, dass Sie im Feld wohl besser sind als auf dem Parkett. Man sagt aber auch, dass Sie etwas von Menschen verstünden. Das wird Ihnen hier nützlich sein. Suchen Sie nach Leuten aus der zweiten Reihe, denen Sie, soweit es hier möglich ist, vertrauen können. Es wird ein langes und zähes Ringen um die zukünftige Ausrichtung der Allianz geben. Sie müssen vorsichtig sein. Nicht immer wird man Sie offen unterstützen können. Und gewiss nur selten werden die Attacken gegen Sie offen geführt werden.“
„Mir scheint, es ist ein zweischneidiges Schwert, einen Beitrag zur Strategiedebatte des Landes zu leisten.“ Reser-Weiden lachte erneut.
„Mir scheint, es geht nicht nur um Ihre Beiträge zu dieser Debatte. Man setzt Hoffnungen in Sie.“
Reser-Weidens Lachen stoppte und er nickte Rubenau zu.

***

Campania, awarische Föderation
Die junge Nichte des Consecratius erhob sich nicht ohne Würde. Der alte General mit dem grauen Haar betrachtete aus der zweiten Reihe die fehlerfrei anliegende schwarze Uniformhose an der reichhaltigen Hüfte. Das hübsche Gesicht der Dame wirkte eher abwesend, lasziv als sie noch einmal zu dem Awarus-Panzer vor ihnen sah. Ihr Mund war leicht geöffnet, sonst zeigte sie keine Regung, als sie mit der beringten Hand ein Zeichen zu ihrem Radfahrzeug gab.
Die kleine Gestalt von Govelli wirkte noch gedrungener, als er den Blick, der zunächst der Geste der Obristin gefolgt war, aus Reflex nach unten abwandte. Keiner der Anwesenden, die Dame eingeschlossen, bedeckte die Ohren, die vom Bersten des Schusses fast betäubt wurden. Keiner verzog im scharfen Geruch des verbrannten Pulvers merklich das Gesicht. In diesem Moment galt es, als Offizier der Föderation Erhabenheit zu zeigen.
Auch der Mann im Lehnstuhl regte sich nicht. Schließlich stellte er sein zwischenzeitlich wieder übergeschlagenes Bein erneut neben das andere. Ohne sich umzusehen rief er: „Govelli!“
Tonfall und Inhalt des kurzen Befehls ließen den alten General die noch schwefelige Luft schnell und kurz einsaugen. Ein Husten erlaubte er sich nicht. Die junge Frau an der Brüstung winkte in einer angedeuteten Geste die Rettungssanitäter zurück. Dann lenkte sie ihren Blick über das brennende Wrack des neuen Panzers, der mit ihren Entwicklern zu einer kurz aufglühend dann warmen Masse verschmolzen war. Als ihr Gesichtsfeld endlich auf den alten Mann aus der zweiten Reihe traf, wurde sie sich ihrer Rolle als Nichte des Consecratius bewusst, sparte sich ein Lächeln und ging an ihren Platz zurück.
General Govelli trat vor, wartete, bis sich die Frau Oberst hingesetzt hatte und meldete sich mit einem Kopfnicken. „Pontifex.“
„Mein Lieber Govelli. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Entwicklung des neuen Fahrzeugs noch einige Herausforderungen in sich birgt. Wer käme für diese Herkulesaufgabe besser in Betracht als Sie, General.“ Er sah ohne Wärme im Blick auf. „Sie haben drei Jahre.“ Er grapschte nach der Hand seiner Nachbarin und legte ein mildes Lächeln auf. „Ich würde mich freuen, wenn Sie dann meine vielgeliebte Nichte zu einem Spaziergang nach Hamburg einladen würden.“
Govelli räusperte sich und sprach ohne Anspannung. „Der Unterlauf der Elbe gehört nach meinem Wissen nicht zu den strategischen Zielen, die der hohe pontifikale Rat festgelegt hat.“
Der Consecratius stellte das Lächeln ein und ließ die Hand seiner Nichte los, ohne den Arm zu sich herüberzuziehen. Dann fand er das innere Gleichgewicht wieder und faltete die Hände vor seinem Bauch. „In diesen drei Jahren wird noch viel Wasser die Elbe hinunterlaufen.“ Er schmunzelte. „Und bis dahin wird sicher auch ihr Unterlauf Ziel unserer heiligen Mission sein.“

***

Generalstab Kiel, Nordische Allianz
Major Almeida betrachtete den Mann, dessen Adjutant er war. Der Admiral stand jetzt allein vor dem großen Kartentisch. Der Blick seines langen, von Furchen durchzogenen Gesichts verweilte auf der Elbmündung, um dann, wie auf der Suche nach Beutetieren, in raschen Bewegungen der Atlantikküste bis zur Südspitze Spaniens zu folgen.
„Herr Admiral.“ Almeida räusperte sich. „Ich habe den Eindruck, dass sich die weniger Weitblickenden Mitglieder des Stabes hinter diesem Reser-Weiden verstecken möchten.“
Die dunklen Augen Sowinskis schnellten zu seinem Mitarbeiter. Seine Anspannung löste sich beim Anblick des groß gewachsenen Offiziers mit den Abzeichen der Fernaufklärer. Sein kurzes, hellbraunes Haar versteckte die Narbe und die verbliebenen Knorpel, die einmal sein linkes Ohr gewesen waren, nicht.
„Wir sollten daran gehen, dieses Nest, in das sich meine werten Kollegen legen möchten, einmal auszukundschaften.“ Sowinski nickte seinem Mitarbeiter zu. „Vielleicht ist es notwendig, das Versteck auszuräuchern. Aber wir wollen sehen, ob er kooperiert oder lieber zerhackt wird.“