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Kap5.19 Wollust ward dem Wurm gegeben Drucken


„Du hast sie gesehen?“ fragte Markus nicht ohne innerliche Aufregung.
„Vor zwei Wochen das letzte Mal.“ antwortete sie.
„Wann und wieso?“ Markus Frage war wenig zusammenhängend. Er richtete sich im Bett etwas auf.
„Wieso?“ Martina seufzte. „Liebling, sie hatte mich gebeten, dass wir uns allein treffen.“ Martina lächelte. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn du dabei gewesen wärst. Und vielleicht wollte sie genau deshalb nicht, dass du dabei bist. Am Ende hättest du sie mit einer Deiner dummen Bemerkungen innerlich zum Lachen gebracht.“
„Meinst Du, mein Arm ist so stark, dass er ihr den Halt geben könnte, den sie nicht will?“ Markus lachte.
„Wie gesagt, verehrte Flachpfeife, du unterschätzt dich manchmal. Dein Arm ist stark und lang und ich glaube, er reicht nicht nur bis zu Sabine. Aber wir sollten das Pulver nicht frühzeitig verschießen, wahrscheinlich brauche ich dich noch, um sie im rechten Moment auf Linie zu bringen.“
„Alle Menschen werden Brüder, wo mein sanfter Flügel weilt.“

Dann kam er auf das Thema zurück. „Wie geht es ihr?“ Sein Mund schloss sich auch in der kurzen Pause nicht ganz. „Herzchen, du musst mir doch sagen, wenn du sie siehst.“
„Du warst an dem Tag, als ich dir davon erzählen wollte, so gut gelaunt.“ Martina sprach langsam. „Es geht ihr nicht gut. Ich glaube, sie hat aufgegeben. Wahrscheinlich hat sie da doch irgendeinen Idioten an der Angel – oder er sie. Ich weiß es nicht.“
Markus schwieg und umfasste Martina fester. Er küsste den Ausgang ihrer Augenhöhlen. Dann sagte er mit einem Anflug von Lachen. „Trotz gegenteiliger Beteuerungen würde ich von dir auch nicht gerade sagen, dass du dich mit den richtigen Leuten rum treibst.“ Er drehte sich, ohne sie aus dem Arm zu nehmen und streichelte ihren Bauch. „Du musst mir versprechen, mich bald zu verlassen und einen von diesem aufstrebenden Arschlöchern aus der Abwehr zu nehmen, ja?“
„Ja, ja, mach ich, Pappnase.“
Er fuhr mit dem Zeigefinger um ihren Bauchnabel und fragte leise. „Was machen wir mit ihr? Hast du ihr was gesagt.“
„Nein.“ Martina dachte nach. Sie hatte schon oft darüber nachgedacht und war immer wieder zu dem gleichen Ergebnis gekommen. „Die beiden sind noch kein Jahr auseinander. Wenn sich bis November nichts tut, müssen wir etwas unternehmen. Im Moment können wir nichts machen.”
Er küsste ihren Mund, und sie erwiderte den Kuss ohne ihn zu intensivieren. „Du hast Recht.“ Er folgte mit seinen Fingern ihren Wangenknochen, eine Form, die ihn immer wieder faszinierte. Wie ungerecht die Natur ist, dachte er. Sanft folgte er danach dem Schwung ihrer Brauen und die Richtung wechselnd der lang gestreckten Nase bis zu ihrem Mund. „Manchmal wünschte ich, von hier zu verschwinden. Es gibt nur zwei Dinge, die mich aufhalten.“ Er lachte. „Das Wohl meiner Freunde und das Verlangen, dich wieder zusehen.“
Martina lächelte. „Wollust ward dem Wurm gegeben.“ Sie kannte ihren Wert für Markus. Besser, als er ihn kannte.