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Kap5.14 Trüffelschweine Drucken


„Wo warst du um alles in der Welt?“
Jemand schritt durch den Raum und riss die Gardinen auf. Grelles Licht drang ein. Er musste doch wohl nicht wieder in die Kirche. Er sah blinzelnd Martina und fragte sich kurz, wie sie hereingekommen war. Das hatte er sich schon einmal gefragt, aber ihm fehlten die Kraft und der Wille, darüber nachzudenken.
„Ich hab mich betrunken.“
„Das riecht man.“
Das Fenster war bereits offen. Aber Martina schnüffelte nicht nach der frischen Herbstluft durch ihre lange, wohl gestaltene Nase. „Und man riecht noch etwas anderes.“
„So, so. Tut man das.“
„Ich kenne nur eine Frau mit diesem Geruch.“
Er sah auf und wollte einen ernsten und harten Gesichtsausdruck auflegen, aber er musste wegen der Sonne die Augen zukneifen. „Bist du unter die Trüffelschweine gegangen?“


Martina gelang der ernste Gesichtsausdruck deutlich besser. „Elisabeth.“
Markus war das nur recht. „Damsgarten.“
„Damsgard.“ verbesserte Martina ihn. „Offenbar haben wir uns Einiges zu erzählen.“
„Aber vielleicht nicht jetzt, oder?“ Er streckte sich müßig. „Ich bin müde und nackt, und du hast einen zehnjährigen Erfahrungsvorsprung.“
„Drecksau.“
„Haben wir plötzlich nach durchbumster Nacht ein moralisches Gewissen gefunden?“
„Oh, wir sind echauffiert. Hast du dir die Nacht über vorgestellt, wie ich stöhne? Und hast du dann die ältere Dame und dieses liederliche Tittenwunder umso energischer bearbeitet?
„Ich hatte dich recht bald vergessen.“
„Ja, auf Deine Selbstkontrolle ist bei Reizüberflutung sicher kein Verlass.“
„Na, unter Reizüberflutung wirst du ja letzte Nacht nicht gelitten haben. Aber dir kommen Emotionen ja sowieso nur, beim Durchrechnen Deiner Vorteile.“
„Oh, ein kleiner Hobbyphilosoph sagte mir mal, man würde ohnehin bei jeder Handlung versuchen, seinen Vorteil zu maximieren.“
„Ja, aber der Gleiche sagte auch, dass man sich Freunde mit vergleichbaren Wertmaßstäben aussuchen sollte.“
„Du bist wohl doch im Moment ein bisschen zu müde. Aber ich muss mit dir sprechen. Heut Abend?“
„Neutraler Boden?“
„Eine dreckige Arbeiterspelunke oder etwa Deine Wohnung?“
„Eure?“
„Schaffst du es vielleicht, pünktlich zu sein?
„Vermutlich.“
„Na ja, und vielleicht schaffst Du es auch, in den nächsten zehn Stunden mal zu duschen.“ Damit verschwand sie.
Markus sah schnuppernd an sich herunter und murmelte. „Nicht alle ihre Ideen sind blöde.“