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„Was meinst Du?“ Michael setzte sich auf einen der großen Poller und steckte sich einen Kirschkaugummi in den Mund. Markus saß im Schneidersitz am Rand des Decks und blickte die knapp zwanzig Meter herunter. „Ich denke, wir sind aus dem Schneider.“ Auch Michael sah zu dem kleinen Landungsboot, das sich beladen mit einem ihrer Panzer durch die nicht eben übermäßig großen Wellen der Ostsee quälte. Wasser schwappe über die Bordwand, die für gewöhnlich mannshoch war. „Ja. Es sah bei den Übungen auf dem Binnensee doch etwas besser aus. Nun scheint es, als müssten die uns nicht extra beschießen. Es wird reichen, wenn sie Steine werfen. Dann geht das Ding schon unter.“ Ein mit etwa dreißig Infanteristen beladenes Boot gleichen Typs zog ohne Probleme seinen Weg in Richtung der nahen Küste. Markus trug die Ärmel seines Hemdes in der drückenden Augustsonne wie Michael aufgekrempelt. Die Männer in dem Boot trugen über dem Hemd Feldjacke, Rucksack, Waffen und Stahlhelm. Markus bemerkte. „Es ist nicht so, dass ich die Jungs da wegen ihres besseren Fortkommens im Wasser sehr beneide.“
Michael sah es ähnlich. „Ihre Lage wäre vermutlich noch weniger beneidenswert, wenn an Land wirklich Leute warten würden, die geneigt wären von der Dienstwaffe ernsthaften gebraucht zu machen.“ „Michael, ich denke, man kann da soweit gehen und eine generelle Regel draus machen: halte dich nach Möglichkeit nicht dort auf, wohin Menschen geneigt sind, ihre Dienstwaffen in ernster Absicht einzusetzen.“ „Zweifellos ein wichtiger Beitrag in der Kategorie: Vorschlagwesen zu Verbesserung der Dienstvorschriften.“ Markus sah zu ihm auf und nickte. Dann klopfte er mit der flachen Hand auf das Deck. „Aber ein schönes Schiff ist das.“ Michael blickte sich um, sah am Ende des gut hundertsiebzig Meter langen, flachen Decks die vier mittleren Transporthubschrauber. Die sechs leichten Kampfhubschrauber schwirrten vor der Küste und schossen Platzpatronen auf die sich verteidigenden Territorialstreitkräfte der Insel Langeland. „Ja.“ Er wandte sich wieder an Markus. „Ein schönes Schiff. Weißt du wofür die Pläne ursprünglich mal gezeichnet wurden?“ „Ja, es sollte ein Lazarettschiff werden, das für internationale Krisenregionen vorgesehen war.“ Michael rieb sich an der Nase. „Nun, sieht es eher so aus, als würde es die Krise erstmal mitbringen wollen.“ „Herbst und Winter sind immer etwas…“, er unterbrach und vollendete den Satz murmelnd, „unpraktisch für so was.“ Dann lachte er kopfschüttelnd. „Ach, du Scheiße.“ Der Ladeschütze des Panzers auf dem Boot, das sich kaum merklich fortbewegt hatte, kotzte über Bord in die See. Die See schien das Geschenk nicht haben zu wollen und schwappte das Erbrochne mit einer Welle dem seekranken Mann wieder entgegen. Ein Matrose stand hinter ihm und hielt ihn fest, während der arme Mann sich erneut übergab und dann auf eine Welle wartete, um sich das Gesicht abzuwischen. Sie unterdrückten weiteres Lachen nur mit einiger Mühe. „Hauptmann Jansen!“ unterbrach eine befehlsgewohnte Stimme. Nachdem Markus aufgesehen hatte und Gold auf den Schulterklappen der Person mit dem Abzeichen der Marineinfanterie erkannt zu haben meinte, rappelte er sich so schnell es ging auf und nahm Grundstellung ein. „Herr General.“ „Sie sind der Hauptmann Jansen, nicht wahr?“ Markus sah wohl ein, dass es nicht der Zeitpunkt für Spitzfindigkeiten war, aber die Frage forderte sie heraus. „Weder Hauptleute noch Jansens sind übermäßig selten, aber ich bin der einzige Hauptmann Jansen, den ich kenne.“ Der General schnaubte verächtlich, sah dann zu Michael. „Herr Oberleutnant, haben Sie nichts zu tun?“ Michael murmelte etwas und verschwand. „Sicher sind Name und Dienstgrad etwas gewöhnlicher als Begenske und Generalmajor.“ Der Kommandeur der Marineinfanterie lächelte. „Aber man sagt diesem Jansen einige Kontakte nach.“ „Herr General?“ „Stellen Sie sich nicht so dumm an. Es geht um zwei Damen, die…“, er stoppte und fuhr fort, „über einen gewissen Charme verfügen.“ Markus nickte ohne Begenske aus den Augen zu verlieren. „Ich denke, der Hauptmann Jansen bin ich.“ „Ich habe lange nichts von den beiden gehört.“ „Die Damen sind mir keine Rechenschaft schuldig.“ Der General lachte. „Sicher nicht.“ So schnell wie das Lachen kam, war es verschwunden und die kommandierenden Züge und Gesten hatten ihren Platz wieder eingenommen. „Wie geht es den beiden?“ „Soweit ich das beurteilen kann, sind sie wohlauf.“ „Sie tragen doch wohl nicht die Absicht bald zu heiraten, oder?“ „Nein. Soweit ich das beurteilen kann, tun sie das nicht.“ „Gut.“ Er lächelte und zwickte dabei ein Auge. „Grüßen Sie mir die beiden, vor allem diese Martina und sagen Sie ihr, dass ich sie bald mal besuchen komme.“ Markus stand still da. Eine Antwort verlangte der General auch nicht. Er wies noch einmal auf das Boot mit dem Panzer und der noch immer um Fortkommen kämpfenden Besatzung und sagte. „Ein Saubande haben Sie da.“ Sein Lachen erstarb schnell als er sich entfernte. Markus murmelte. „Töte dich selbst, Arschloch.“
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