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Kap5.29 Martina schüttelte den Kopf Drucken

„Pst, die Kleine schläft.“ Martina kam aus Hassan’s altem Zimmer gehuscht und legte sich auf das Sofa, den Kopf auf Markus’ Schoß liegend.
Markus hatte nicht viel Zeit und sollte bald Hassan treffen, um mit ihm letzte Dinge für den kommenden Tag zu klären. Er hatte hier bereits zwanzig Minuten gewartet, bis Sabine Ruhe gefunden hatte. Martina hatte ihm verboten, zu ihr hereinzukommen, da sie sich nicht aufregen sollte. Nun lächelte Markus seine Freundin an und spielte, wie er es gerne tat, mit seinen Fingern auf ihrem Gesicht, das Martina in Reaktion darauf ab und an verzog.
„Was ist mit Dir?“ fragte sie schließlich, als Markus auch nach zwei Minuten keine Anstalten machte, das Gespräch zu eröffnen.


„Nichts.“ Er küsste sie, was nicht so ganz einfach war, und er musste seine Rücken sehr krümmen. „Es ist nur, dass du meine Gespielin bist und ich mit dir spiele. Und die Wahrheit ist“, fuhr er fort, „dass ich dich manchmal recht gut leiden kann.“
Er kitzelte die einzelnen Härchen zwischen den Brauen und Martina versuchte, dem auszuweichen. „Lass das.“ Und als er seine Hand wegnahm, lächelte sie ihn an.
Markus legte die Hand nun auf ihren Bauch und fragte. „Wie geht es unserer Kleinen?“
„Ganz gut, denke ich.“ Martina schloss kurz die Augen und erzählte weiter. „Gestern Abend hab ich sie erstmal gebadet und dann recht bald ins Bett gebracht.“ Sie schaute hoch. „Ganz gut, dass ich die Tabletten besorgt hatte. Sie verkrampfte im Schlaf zwar trotzdem einige Male, aber wenn ich sie dann in den Arm genommen oder gestreichelt habe, wurde sie ruhiger. Heute Morgen hab ich ihr dann von unserem holden Plan erzählt.“
„Und, traut sie uns – und David?“
„Schwer zu sagen. Ich glaube ja. Sie braucht vielleicht ein paar Tage, um ihn zu verstehen.“ Wieder öffnete sie die Augen und sah Markus an. „Wenn du so garstig gewesen wärst, würde ich mir damit verdammt viel Zeit lassen.“
Markus hatte im Spiel seine Finger auf den Bauch verlegt. „Herzchen, die Wahrheit ist doch, dass ich dir nie wehtun könnte. Nicht, weil ich so gut bin, sondern weil ich so ein offenes Buch für dich bin.“ Er tippelte um ihren Nabel. „Hat sie was von diesem Schmitt erzählt?“
Martina antwortete nicht sofort. Als sie es tat, sah sie ihm wieder in die Augen. „Nicht wirklich. Nachdem was ich raus gehört habe, hat er nicht viel mit David gemein. Er hat offenbar nur eine Eigenschaft, die ihn für Sabine in dieser Phase attraktiv gemacht hat. Und diese Eigenschaft ist noch stärker ausgeprägt als bei David.“
„Der Wille zur Macht?“ Markus grinste.
„Ja.“ Martina lächelte. „Ich glaube, die beiden waren nicht sehr herzlich zueinander. Sie sahen sich vielmehr gegenseitig als Trophäen an. Sie waren seit dem Frühjahr zusammen. Offenbar haben auch geistig Verwirrte Frühlingsgefühle.“
„Die Liebe blüht so groß im Mai. Im März war es noch Liebelei.“
Martina legte die Stirn in Falten und zog an ihrer Unterlippe. „Den Sommer nahmen sie sich frei. Im Herbst war es dann bald vorbei.“ Sie lächelte erneut. „Ich habe sie trotzdem rund um die Uhr bewacht, dass sie mir nicht doch noch abhaut.“
„Du bist ein Blütenblatt.“ Er küsste ihre Stirn. „Aber, wo er sich aufhält, hat sie nicht zufällig gesagt.“
„Nein. Ich habe sie auch nicht gefragt. Sie sagte aber, er plane, erst spät aufzutauchen und wenn etwas schief läuft, wird er untertauchen. Vielleicht ist es ganz gut so.“
„Oh, da fällt mir ein, dass Eure Wohnungstür aufgebrochen wurde. Ich habe vier Mann hier in der Straße postiert. Sollte es im Viertel morgen unruhig werden, werden sie zu euch in die Wohnung kommen. Nimm sie bitte mit, wenn Ihr losgeht.“
Martina stimmte zu.
„Vielleicht kannst du sie auch für Sabine rein rufen, wenn du doch allein zu Reser-Weiden gehen willst.“
„Nein. Ich werde Sabine mitnehmen.“
Markus fuhr fort. „Sollte morgen irgendetwas schief laufen, bringen Alessandra und ihre Leute euch zu dem Schiff. Ihr werdet dann nach Schweden verschwinden und dort um Asyl bitten.“
„Ja.“ antwortete Martina leise. Sie sprach nicht leise, weil sie überrascht war von den Sicherheitsvorkehrungen oder erschrocken über deren Notwendigkeit. Es lag vielmehr daran, dass Markus’ Hand von ihrem Bauch gerutscht war und erneut einzelne Härchen kitzelte, die sich jedoch nicht zwischen den Brauen befanden. „Lass das!“
„Ja, du hast Recht.“ gestand Markus. „Ich muss auch los. Wenn wir morgen dem Oberstleutnant die Gefangene und dem General das Zepter ausgehändigt haben, können wir vielleicht an der Stelle weitermachen.“

„Ich wünschte, der Drecksplan würde ohne uns auskommen.“ An der Tür nahm er sie noch einmal in den Arm. „Warum machen wir den ganzen Scheiß eigentlich; Können wir nicht in jedem System glücklich sein?“
„Ja, können wir.“ antwortete Martina und küsste ihn. „Wir tun es für die Schwachen – für die Alten und die Kinder.“
Markus schnaubte leise und lächelte dann. „Ja, wir sind Idioten.“ Er wandte sich zu Tür.
„Markus.“
Er blickte zu ihr.
Martina krauste die Brauen. „Ich wollte dich was fragen.“
Er nickte.
„Hättest du was dagegen, mit mir ein Kind zu haben?“
Markus zog die Stirn in Falten. „Nein.“ sagte er. „Nein, hätte ich nicht.“ Er nahm ihre Hand. „Ich dachte, ich hätte es dir schon mal gesagt.“

Martina schüttelte den Kopf.

 

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