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„Hallo Liebling.“ begrüßte Martina Markus in der alten Wohnung. Sie hatten sich die Woche über kaum gesehen. Markus’ Kompanie war mobilisiert worden, und wenn er nicht dort sein musste, traf er sich mit Alessandra und Hassan oder im Stillen mit David und Michael. „Hallo Martina.“ Markus atmete konzentriert. Ihr fiel die seltsame Anrede auf, aber sie konnte jetzt nicht darauf eingehen. „Markus, ich weiß, du hast viel um die Ohren, aber es geht um Sabine.“ Markus lenkte schlagartig die Konzentration von der Atmung auf Martina. „Was ist?“ „Sie trifft sich mit Schmitt.“
„Ach, du Scheiße.“ murmelte er leise, vielleicht dachte er es nur. „Weißt Du, wo ich sie finden kann? David darf das nicht erfahren – zumindest nicht vor dem Wochenende.“ „Ja.“ bestätigte Martina. „Und auch ja, ich hoffe, ich weiß, wie du sie erwischen kannst. Sie sollte noch immer im Krankenhaus am Ostufer arbeiten und dort heute um achtzehn Uhr Schluss haben. Sie geht dann zu Fuß zu ihm.“ Markus nickte. „Was meinst Du, sollte ich sie bis dahin…“ „Nein. Versuch’, sie am Krankenhaus abzufangen.“ „Und solltest du aus der Klinik vielleicht eine Zwangsjacke oder Betäubungsmittel holen?“ Martina lachte. „Nein, wenn du es für die Entführung nicht brauchst. Ich komme hier hoffentlich klar mit ihr.“ „Ihr geht besser in meine Wohnung. Vielleicht werden sie sie hier suchen. Ich bringe sie dahin, okay?“
Es fuhren Armeejeeps am Ostufer herum, so dass Markus und Gert nicht zu sehr auffielen. Die Menschen hüllten sich in ihre Jacken, als sie vorbeigingen. Sie standen ein Stück weg vom Eingang der Klinik. Sollte man sie ruhig für Agenten der Abwehr halten, solange Sabine ihn nicht zu früh erkannte. Sie kam kurz nach sechs aus dem Gebäude und grüßte den Pförtner an der Schranke. Sabine ging zügig und die Männer, die sie passierten, schauten auf ihre Hüften. Als der Wagen hielt, stieg er zügig aus. Er machte den fehlenden Schritt auf Sabine und packte sie am Arm. Sabine starrte ihn einen Moment lang an, bevor sie mit ihrem freien Arm ausholte. Markus war schneller, und die Ohrfeige geriet heftig. Sabines Muskeln entspannten sich in einer kurzen, auslaufenden Welle. Markus nutzte die Gelegenheit und stieß sie ins Auto. Die Passanten waren stehen geblieben und drohten einzuschreiten. Markus schrie Gert zu. „Los!“ Aber das war nicht nötig gewesen. Markus hatte Sabines Arme noch nicht unter Kontrolle, als der Wagen bereits fuhr. Gert bekam einige Schläge von Sabine ab, die ihm aber keine Reaktion abtrotzten. Er wusste nicht, wer die Frau war, aber es würde schon seine Richtigkeit haben. Sabines Heftigkeit verlor unter dem festen Druck, den Markus auf ihre Handgelenke ausübte, an Kraft. „Du hast mich geschlagen.“ sagte sie. Markus sah ihr in die Augen. „Und das würde ich auch das ganze Wochenende weiter tun, wenn ich nicht Eure beschissene Revolution aufhalten müsste.“ „Du arbeitest für die Abwehr.“ Ihre Augen waren geöffnet, aber der Blick war es nicht. Markus Gesicht wandelte sich langsam zu einem Lächeln. „Nein.“ schließlich lachte er. „Nein, nicht direkt, mein Schatz.“
„Soll ich dir helfen, Chef?“ Gert gefiel der Abend soweit. Er mochte es nicht, wenn man Frauen schlug, aber er war sich sicher, dass es nur zu ihrem Besten war. „Nein, danke. Gert pass auf! Um die Ecke ist eine Kneipe, bestell dir was, und sei nicht knauserig. Ich hol dich da ab und bezahl, okay. Aber besauf’ dich bitte nicht, es wird eine lange Nacht.“ Gert nickte eifrig. Sabine ließ sich ohne nennenswerte Gewaltanwendung in Markus’ Wohnung bringen. Martina wartete dort und hatte vorsichtshalber doch ein paar Beruhigungstabletten mitgebracht. Sabine sah die Packung auf dem Tisch und dann zu ihrer Freundin: „Schlampe.“ „Du hältst den Mund, du dummes Stück.“ Martina liebte Sabine sehr, aber sie musste sich zusammenreißen, um ihr keine zu scheuern. „Wenn du wenigstens eine Generalshure wärst, aber du hast nur einen Scheißhauptmann, der Frauen schlägt.“ Sabine zitterte. In Martina gewann die Liebe überhand. Und sie lächelte. „Manche Frauen mögen das.“ Markus musste auch lächeln. Sabine’s Atem kam in Schüben. Auch sie erinnerte sich an den Tag am Strand, an den Hof, den David ihr gemacht hatte, an eine Zeit, wo die Welt so freundlich gewesen zu sein schien. Sie wollte nicht lachen, also weinte sie. Martina nahm sie in den Arm und drückte sie fest an sich. Markus wusste, dass er wohl hätte gehen können, aber der Anblick ließ ihn nicht los. Er stand abseits und dachte wirres Zeug. Er dachte, das Leben ist ungerecht, möge es doch so gerecht sein, dass diese beiden Frauen auf immer glücklich sein könnten. Er wollte sich zum Gehen wenden, als er noch einmal zu ihnen sah. Martina lächelte und Sabine sah ihn mit verengten, nassen Augen an, aber die Lippen waren nicht zusammengepresst und ein Mundwinkel zuckte. „Glaubt jetzt bloß nicht, dass ich zu euch komme und euch knuddel.“ Martinas Lächeln weitete sich. „Du kommst jetzt sofort her und küsst meine Freundin!“ Markus kam näher und blieb vor Sabine stehen. „Es tut mir Leid, Hübsche.“ Er streichelte ihre Wange mit einem Finger und sagte. „Wo mein sanfter Flügel weilt.“ Dann küsste er sie. Sabine zitterte erneut, Schmerz überkam sie. „Ich weiß nicht, was Ihr treibt, aber ich hoffe, Ihr wisst, was Ihr tut.“
„Geht es zurück in die Kaserne, Chef?“ Gert hatte den Motor vom Geländewagen gestartet. „Nein.“ Markus schüttelte den Kopf. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Es geht nach Norden, nach Römö. Wenn du müde wirst, sag Bescheid, dann löse ich dich ab.“ „Chef, du weißt, dass wir keinen Marschbefehl haben?“ „Gert, mein Junge, im Notfall regeln wir das irgendwie. Aber es wäre schon ganz gut, wenn du um die Feldjäger einen Bogen machen könntest. Schaffst du das?“ Gert kniff die Augen zusammen und nickte entschlossen. „Aye, Aye, Sir!“
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