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Kap5.07 Der Funktionär Drucken


„Stellen Sie sich nicht so an.“
„Ich tue mein Bestes, Schwester.“
„Sie wissen, dass Verletzungen dieser Art meldepflichtig sind?“
„Der Arzt hat keine Anstalten dahingehend gemacht.“
„Sollte er es in der Eile vergessen haben, ist es meine Pflicht, ihn daran zu erinnern.“
„Sie sind noch nicht lange hier, oder? Ich bin sicher, ich würde mich an Sie erinnern.“ Der Patient sah die Schwester eine zeitlang an. „Sie sind keine hauptberufliche Krankenschwester, nicht wahr? Sie gehören zu den Damen vom Westufer, die halb aus sozialem Engagement und halb mit dem Blick auf eine gute Partie den Dienst im Klinikum angenommen haben.“


„Ich bin seit fast einem halben Jahr hier am Ostufer. Und es ist nicht sehr wahrscheinlich, hier eine gute Partie zu finden, nicht wahr?“ Sie zog den Druckverband am Oberarm fest.
„Möglicherweise haben Sie schon einen gefunden und leben hier nur eine soziale Alibifunktion aus, damit Sie guten Gewissens am Abend in Ihre Generalswohnung gehen können.“
„Das geht Sie wohl nichts an.“
„Sie denken, unsere Aktionen drehen sich um Arbeitszeiten und Löhne. Sie denken, die Soldaten da draußen haben noch längere und härtere Dienstzeiten und riskieren für uns ihr Leben, nicht wahr?“ Er sah ihr bewegungslos in die Augen. „Es geht nicht darum, weniger zu arbeiten. Es geht darum für ein Land zu arbeiten, das diese Arbeit wert ist. Über zwei Drittel der Herren im Generalstab haben Väter, die ebenfalls im Generalstab waren. Sie schicken ihre Kinder auf Schulen und zu Ärzten, die unsere Kinder nicht annehmen.“
„Sehr rührend. Sie wirken nicht wie ein treu sorgender Familienvater.“
Er lachte. „Nein. Meine Anliegen sind Misswirtschaft, Vetternwirtschaft und Generäle, die den Krieg lieben. Vielleicht hätte man mit Männern wie Teichert-Waldesleben oder dem alten Präsidenten einen Konsens finden können. Aber dieser Präsident ist schwach, und Teichert-Waldesleben hat es vorgezogen, seinen Hut zu nehmen, zweifellos auf Wunsch von unserem verehrten Herrn Wirtschafts- und Rüstungsminister, der das Ruder in der Hand hält und eine seiner Marionetten zum Chef des Stabes ernannt hat. Und mit diesem Sowinski ist kein Kompromiss denkbar. Er ist die Reaktion. Und er steht zwischen heute und morgen.“
„Plappern Sie gerade nach, was Ihre Funktionäre sagen, oder sind Sie einer von ihnen? Aber gerade dann sollten Sie sehen, in welch aussichtloser Position Sie sich befinden, und wie bequem und sicher Sowinski und seine Kumpanen gebettet sind.“
„Wir haben schon ein paar kleine Dinge erreicht, Schwester, aber wir haben noch nicht im Entferntesten die Mittel eingesetzt, über die wir verfügen.“