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Kapitel 5

She comes out of the sun in a silk dress, running like a watercolour in the rain.
Don´t bother asking for explanations, she´ll just tell you that she came.
Al Steward



Kap5.01 Bescheidene Kochkunst Drucken


Sicher, das war keine hohe Kochkunst: ein paar Tomaten klein geschnitten in die Auflaufform, ein paar Zwiebeln angebraten dazu, als Grundlage Spaghetti, dann ein Glas Sauce Bernaise vom Schlachter, Estragon, Oregano, Salz und Pfeffer und oben drauf Camembert und etwas Industriekäse, wie Markus den charakterlosen Einheitskäse nannte. Ein Ei war noch dabei. Das ganze zwanzig, dreißig Minuten in den Ofen. Ja, er hatte schon besser gekocht, und es fehlte zweifellos etwas Paprika, aber war das ein Grund zu maulen? Martina, ja sicher, der war es kaum recht zu machen. Aber Sabine. Sabine war mit dem Essen unzufrieden, Sabine war mit dem Gespräch unzufrieden, sie war mit der Arbeit an der Uni unzufrieden, sie mochte keine anderen Leute treffen. Und Markus war ihr auch über. Zu Martina war sie gnädig, aber auch diese sagte Markus, dass sie sich in letzter Zeit gelegentlich in den Haaren lagen. Martina war nicht einfach, aber es schien Markus unmöglich, sich mit ihr in den Haaren zu liegen. Martina konnte einen ignorieren, sie konnte ohne Worte, ja ohne Blicke Pfeile abschießen, aber streiten?

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Kap5.02 Auch nicht doof Drucken

„Wie geht es ihr?“ Alessandra konnte sich nicht mit der Frage zurückhalten und umfasste Martinas Knie, kaum dass sie sich gesetzt hatten.
Martina schüttelte den Kopf. „Nicht gut.“ Sie sah zu Alessandra. „Sie ist jetzt die meiste Zeit in der Klinik draußen am Ostufer und schreibt nicht mehr an ihrer Arbeit.“
„Ach, und es sah doch alles so gut aus. Ich kann David wirklich nicht verstehen.“ klagte Alessandra.
„Ich habe den Eindruck, dass die Sache mit Reser-Weiden sie sehr beschäftigt.“ Sie wies mit dem Kopf zu Markus. „Nun ist sie in erster Linie auf ihn sauer. Ich glaube, David hat sie schon abgeschrieben.“
„Warum auf ihn?“ Alessandra hob überrascht die Augenbrauen. „Was hat er damit zu tun?“ Sie blickte zu Markus.
Der zog die Schultern hoch. „Ich weiß es auch nicht.“ Er kniff die Mundwinkel zusammen. „Also, ich habe Reser-Weiden gesagt, dass er David vertrauen kann. Und als die Damen das hörten, kuckten sie mich an, als sei ich der Belzebub.“
Alessandra nickte. „Ja.“ Sie sah ihn mitleidig an. „Die Vermutung ist nicht so ganz von der Hand zu weisen.“
„Frauenlogik.“ Markus verstand nichts. „Und magst du mich vielleicht über die Zusammenhänge aufklären? Von Martina bekomme ich nur zu hören, was für ein Trottel ich bin.“
Martina sah zu ihm. „So habe ich das nicht direkt ausgedrückt. Aber ich weiß auch nicht, warum du so auf dem Schlauch stehst.“ Martina war nicht langsam im Kopf und sie wusste auch nicht, ob sie Sabine in diesem Punkt Recht geben wollte, nur die Ignoranz von Markus verstand sie nicht. „Mein Herz, er kam von Römö, als er verhaftet wurde.“ Sie öffnete die Handflächen, als würde das alles klar machen. Markus hatte seine Position auf dem Schlauch aber nicht verlassen, also ergänzte sie. „Und nur du und David wussten davon.“
„Aha?“ Markus hatte nun auch nicht oft das Gefühl, gar nichts zu verstehen. Er fühlte sich dabei normalerweise auch nicht sehr unwohl, da er sich mit der Zeit eingeredet hatte, dass es in der Regel nicht an ihm lag. Bei Martina war das etwas anderes. So machte er sich Sorgen. „Und was wusste nur David und ich?“

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Kap5.03 Loyalität Drucken


Alessandra trug eine dicke blaue Jacke, eine alte braune Hose und feste, ausgemusterte Stiefel.
Hassan trug über einem Helgoländer eine grobe Weste aus Schaffell. Er hatte sie auf einem der Märkte gesehen und trug sie nicht nur während der Gartenarbeit, so dass seine Frau sich ab und an für ihn schämen musste.
„Du hast doch gewusst, dass du einen klugen Mann heiratest.“ Hassan umfasste seine Frau von hinten und drückte sie an sich.
Alessandra trieb den Spaten in die Erde und ließ ihn dort stecken. „Ich hatte angenommen, dass Dein Aktivpotential mit Deinen Predigten, der Uni, Deiner vielgeliebten Frau und Deinen Gedanken, die du dir über Gott und die Welt machst erschöpft gewesen wäre.“
„Ich war neu in diesem Land und habe beobachtet und kombiniert. Du solltest das verstehen.“
„Du hättest mit mir sprechen können.“
„Meine vielgeliebte Frau hat auch Geheimnisse.“
„Deine vielgeliebte Frau ist Agentin und muss ein paar dienstliche Dinge für sich behalten – ja.“ Sie drehte sich um und kam in seinem Armen zu Stillstand. „Und bist du Agent der Föderation und musst deshalb auch einige Dinge vor mir geheim halten?“
„Ich bin kein Agent der Föderation, aber“, er sah ihr in die Augen, „aber, du weißt, dass es Menschen in der Föderation gibt, denen ich traue, die mir am Herzen liegen.“
„Und gilt Deine Loyalität Deiner Frau oder diesen Menschen, dem Land, das dich aufgenommen hat oder dem, das du verlassen hast.“
„Ich sehe keinen Loyalitätskonflikt.“
„Und möchtest du mir erklären, was du sonst siehst?“

 
Kap5.04 Gut überstandene Szene Drucken


Martina drückte Markus an die Wand und küsste ihn. „Ich will mit dir schlafen!“ Sie hatte ihre Lippen von seinen gelöst und sah ihm Sterne sprühend in die Augen.
Markus hielt vorsichtig ihre Hüfte. Dann packte er die gute Gelegenheit beim Schopfe, küsste diesen Mund, diese Oberlippe noch einmal sehr ausgiebig, hielt dann inne, schob sie ein stückweit auf Distanz, sah ihr in die Augen und sagte: „Kannst du vergessen, Süße.“
„Was meinst Du“ sagte sie wenig beeindruckt „wie oft ich schon ein Nein akzeptiert habe?“
Markus verzog das Gesicht und lachte dann herzerfrischend: „Liebling, das war ja ein ganz starker Spruch!“
Martina lächelte abschätzig und spielte weiter: „Ich wette mit Dir, dass du mich bis zum Ende des Monats auf Knien anflehst, es zu wiederholen.“ Sie presste die Lippen aufeinander und fuhr dann fort: „Und wahrscheinlich werde ich es gestatten.“

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Kap5.05 Weniger gut überstanden Drucken


Natürlich hatte sich Markus an seinem kleinen Triumph über Martina nicht lange weiden können. Sie war mit Wassern gewaschen, von denen Markus keine Vorstellung hatte. Trotzdem: war er solch ein Idiot? Er atmete, während er die Straße hinab ging, durch den Mund ein, und blies die Luft wieder aus. Der Frühling brach Anfang Mai endgültig aus, nur wollte er nicht zu Markus’ Gemüt passen.
Er ging in diese Wohnung, auch wenn er sein Leben gut ohne das Wissen um diese Wohnung hätte fristen können. Sie lag, wie die Hauptwohnung der Mädchen, im obersten Stock. Das Haus aber lag in einer eher mittelmäßigen, eng mit viergeschossigen Häusern bebauten Straße in der Wiek, am nördlichen Rand der Stadt, nahe dem Nord-Ostsee-Kanal und machte wenig her – die Fassade dunkelgrau, der alte Putz hielt noch, die Farbe der Fensterrahmen im Erdgeschoss aber blätterte.

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Kap5.06 Stand der Wette Drucken

Markus verbiss die Zähne, als er zu sich murmelte und ein zweites Mal die Holtenauer Straße hinab zur Wiek ging. So eine Bestie. Wie lange hatte es seit seinem Gedanken, dass er den Sieg ein zweites Mal davon getragen hatte, gedauert? Eine halbe Stunde? Eine Stunde? Hätte er dabei an diesen Moment danach denken können.
Markus war erneut vom Duschen zurückgekommen und hatte angefangen, sich anzuziehen. Sie lag noch im Bett und hatte gesagt: „Kommst du heute Abend wieder?“, „Sicher nicht“ hatte er gesagt. „Ich warte auf Dich.“ hatte sie erwidert.

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Kap5.07 Der Funktionär Drucken


„Stellen Sie sich nicht so an.“
„Ich tue mein Bestes, Schwester.“
„Sie wissen, dass Verletzungen dieser Art meldepflichtig sind?“
„Der Arzt hat keine Anstalten dahingehend gemacht.“
„Sollte er es in der Eile vergessen haben, ist es meine Pflicht, ihn daran zu erinnern.“
„Sie sind noch nicht lange hier, oder? Ich bin sicher, ich würde mich an Sie erinnern.“ Der Patient sah die Schwester eine zeitlang an. „Sie sind keine hauptberufliche Krankenschwester, nicht wahr? Sie gehören zu den Damen vom Westufer, die halb aus sozialem Engagement und halb mit dem Blick auf eine gute Partie den Dienst im Klinikum angenommen haben.“

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Kap5.08 Vergötterung Drucken


„Oh, schon wieder ein Heiratsantrag?“
Markus warf Martina die Rose, die er mitgebracht hatte, elegant zu. „Nein, auch diesmal nicht mein Herz, es ist nur eine kleine Entschuldigung, weil ich gleich wieder los muss.“ Er lächelte.
Martinas Brauen kräuselten sich und die Oberlippe verlor ganz leicht den Kontakt mit der Unterlippe. Dann schloss sie den Mund wieder und spitzte ihn. „Okay, ich verstehe, war nur ein Spaß. Deine Späße sind wirklich lausig.“
Sie ging in die Wohnung, Markus schloss die Tür und folgte ihr. Er setzte sich auf seinen Platz und sah Martina an. „Es ist schon etwas entmutigend, dass du mich vom ersten Augenblick an völlig durchschaut hast, und ich es nach sechs Jahren nicht schaffe, dich auch nur für zwei Sekunden zu verwirren.“
„Dafür gibt es einen einfachen Grund, Schätzchen: ich versuche, dich zu verstehen und du versuchst es nicht bei mir. Ich kann dir sogar sagen, warum du es nicht versuchst.“
„Ja, ja.“ Er nickte. „Wenn ich da Sabines Logik folge, komme ich zu der schönen Antwort, dass ich es nicht versuche, weil ich befürchte dann etwas zu finden, was meinem Ideal nicht entspricht.“
„Immerhin, schnallst du manchmal ein bisschen was.“
„And we learnt about her body, but her mind we didn't know.” artikulierte Markus ohne Melodie.
„Dabei kommst du dir am Ende auch noch sehr lässig vor.“ Martina musste gähnen, nicht, weil sie das Gespräch so langweilig oder das Lied schlecht fand, sondern viel mehr, weil es sie gerade überkam, wenngleich das keine gute Entschuldigung war. So versuchte sie es mit einem einfachen. „Entschuldige bitte, mein Herz.“

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Kap5.09 Unentspannte Begegnung Drucken


Markus und Martina schauten sich erschrocken in die Augen, als sie hörten, wie das Schloss der Wohnungstür geöffnet wurde. Markus stand sogleich auf und ging zur Tür. „Hallo, mein Schatz“, sagte er zu Sabine und versuchte, ihre Hüften zu erreichen, um sie zu umarmen.
„Lass mich in Ruhe.“ Sabine ließ ihn stehen und ging ins Wohnzimmer und setzte sich, ohne Martina zu begrüßen, ins Sofa.
„Hallo Liebes.“ sagte Martina, die ihre Freundin fixierte. „Du siehst beschissen aus, mein Herz.“
Markus zog sich einen Stuhl heran. Er wollte sich weder neben Sabine ins Sofa setzen noch neben Martina in den zweiten Sessel. Letzteres, um dem Eindruck einer Frontenbildung zu vermeiden, Ersteres weniger wegen der schroffen Begrüßung als vielmehr, um Sabine keine weitere Einladung zu geben, ihrem Unmut freien Lauf zu lassen. Er schenkte Sabine ein Glas ein.
Sie trank ohne auf die Anderen zu warten. „Ich hätte nicht kommen sollen.“ setzte sie an, nachdem sie das Glas halb geleert hatte. Sie lehnte sich zurück und begann neu. „Und was treibt Ihr beiden so?“
Beide hatten mit dieser Frage gerechnet und reagierten gut, aber ehe einer etwas sagen konnte, hatte Sabine die Antwort selbst gefunden. „Ihr poppt miteinander?“ Sie blickte von einem zum anderen und lachte und schüttelte den Kopf.
„Bist du auf Drogen?“ fragte Martina wenig herzlich.
„Jetzt frag mich bloß, wie ich mich wegen so einer Banalität so habe gehen lassen können.“ formulierte Sabine vergleichsweise zusammenhängend und fehlerfrei. „Nein, bin ich nicht.“ antwortete sie schließlich. „Ich habe nur keine Lust mehr, und am wenigsten auf Euch. Seit wann?“ schob sie nach.
„Hast du Hunger, Süße?“ fragte Markus Sabine.

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Kap5.10 Ostseeübung Drucken


„Was meinst Du?“ Michael setzte sich auf einen der großen Poller und steckte sich einen Kirschkaugummi in den Mund.
Markus saß im Schneidersitz am Rand des Decks und blickte die knapp zwanzig Meter herunter. „Ich denke, wir sind aus dem Schneider.“
Auch Michael sah zu dem kleinen Landungsboot, das sich beladen mit einem ihrer Panzer durch die nicht eben übermäßig großen Wellen der Ostsee quälte. Wasser schwappe über die Bordwand, die für gewöhnlich mannshoch war. „Ja. Es sah bei den Übungen auf dem Binnensee doch etwas besser aus. Nun scheint es, als müssten die uns nicht extra beschießen. Es wird reichen, wenn sie Steine werfen. Dann geht das Ding schon unter.“
Ein mit etwa dreißig Infanteristen beladenes Boot gleichen Typs zog ohne Probleme seinen Weg in Richtung der nahen Küste. Markus trug die Ärmel seines Hemdes in der drückenden Augustsonne wie Michael aufgekrempelt. Die Männer in dem Boot trugen über dem Hemd Feldjacke, Rucksack, Waffen und Stahlhelm. Markus bemerkte. „Es ist nicht so, dass ich die Jungs da wegen ihres besseren Fortkommens im Wasser sehr beneide.“

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