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Kap4.21 Stehaufmännchen Drucken

Die Mädchen waren in der Tat besorgt gewesen. Sie kamen beiden an die Tür, begrüßten ihn und geleiteten ihn in einen Sessel. Sabine und Martina saßen ihm zur Seite je auf einer Lehne und sahen ihn liebevoll an. Markus hatte seine Geschichte vorbereitet. Er suchte, um sie überzeugend vortragen zu können, die Stimmung, die er nach der Schlacht gehabt hatte. Aber es widerstrebte ihm, diese Gefühle in ihm wieder aufkommen zu lassen. Er konnte leiden, aber die Überzeugung, die auch ein Schutz war, dass das Leiden und Trauern für niemanden einen Vorteil brachte, war zu stark in ihm geworden. Er war ein Stehaufmännchen. Er musste lachen, als er sich das eingestand.


Sabine und Martina hatten ihn zunächst erschrocken angesehen und seine Hände gehalten. Dann aber sahen sie einander an.
Sabine sagte zu ihrer Freundin. „Ich glaub, er hat sich nicht verändert.“
Martina schüttelte den Kopf. „Nein, er ist genau wie vorher.“
Sabine nickte. „Er ist noch immer eine Pappnase.“ Daraufhin gaben sie sich Fünf, standen auf und setzten sich Markus gegenüber in das Sofa.
Markus runzelte die Stirn. „Habt Ihr zufällig gerade Pappnase zu mir gesagt?“
Sabine umarmte Martina, die sich mit gleicher Geste revanchierte. „Mein Herz“, sagte Sabine, „wir habe uns wirklich Sorgen gemacht. Aber, offensichtlich verdienst du unsere Fürsorge nicht. du bist wirklich ein herzloser Nihilist. Nun gut, das hat vielleicht seine Vorteile, aber wir müssen uns ärgern, dass wir das Essen schon vorbereitet haben. Das wird sicher für lange Zeit das letzte Mal sein, dass wir für dich kochen.“
„Und das erste Mal.“ murmelte Markus dazwischen. Das war nicht ganz die Wahrheit. In Notsituationen wie dieser, empfand es Markus aber als legitim zu übertreiben. Jedoch hatte er einmal zusammen mit Martina festgestellt, dass Sabine mit der Zeit offenbar Gefallen am Kochen gefunden hatte. Sie brachten diese neue Lust auch in einen äußeren Bezug. Schließlich stellten sie fest, dass kochende Männer ihre Unabhängigkeit beweisen wollten und nicht unbedingt in Hochzeitsstimmung wären, wohingegen kochende Frauen das Gegenteil signalisierten.
Sabine ignorierte sein Gemurmel. „Nun denn, dann versuche es wenigstens wieder gut zu machen, indem du uns von David und Reser-Weiden erzählst.“
Markus drehte die Zeigefinger umeinander. „Was genau soll ich jetzt wieder gut machen? Dass ich da einigermaßen heil raus gekommen bin?
„Antworte lieber, wenn dir an unserem Wohlwollen gelegen ist.“ gab Sabine knapp zurück.
„Ihr seid wirklich göttergleiche Hexen. Und ich bin ein Idiot, dass ich immer wieder in Eure vorbereiteten Fallen laufe. Also okay. Was habt ihr schon gehört?“
Sabine antwortete nicht, und Martina sprang ein. „Dieses und jenes, aber in erster Linie militärisches Zeugs. Von David und Hans-Joachim haben wir nichts gehört – außer dass sie leben.“
Markus registrierte das ‚Hans-Joachim’, ihm schien, als wäre er der Einzige, der den General siezte. „Um es kurz zu machen: beiden geht es gut. David ist zwar im Lazarett, aber außer Schönheit und Verstand hat nichts wirklich eingebüßt.“ Markus sah zu Sabine. „Er sieht wirklich scheiße aus. Ich würde mir das ja noch mal überlegen.“ Dann fand er zum Thema zurück. „Nun ja, wie gesagt. Sie sind beide wohlauf und haben sicher aus dem Gefecht keinen inneren Schaden genommen. Es ist nur, dass beide nachher ein bisschen merkwürdig waren. Hassan und ich sind aber übereingekommen, dass es wohl eher etwas mit den weiteren Plänen zu tun hat. Reser-Weiden, manche nennen ihn auch Jo, hat gesagt, dass er David auf seine nächste Stelle, er wird wohl Kommandeur der zweiten Division, nicht mitnehmen wird. Und David tat so, als läge er im Sterben. Zumindest sagte er unnötigerweise zum Schluss: Und sag Sabine, dass ich sie liebe.“ Markus schüttelte den Kopf. „Also hat man so was schon gehört? Kann der Mann sich nicht wie ein würdiger Stabsoffizier benehmen?“
„Hat er das gesagt?“ Sabine strahlte Markus an.
Markus hob die Schulter. „Hat er schon, ja. Überrascht dich das?“
„Du weißt gar nichts von Frauen.“ flüsterte Martina ihm mit einem Lächeln herüber.
„Ja, ja.“ wiegelte Markus ab. „Mein Problem ist mehr, dass mich hier niemand ernst nimmt und dass Ihr nichts vom Kochen versteht. Was gibt es denn?“