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Kap4.11 Sportunbekanntschaft Drucken

„Ach, Mädels, Ihr könnt mich heute gar nicht ärgern.“ Markus lehnte sich zurück und schaute gedankenverloren an die Decke. Die Ente, deren Geruch noch im Raum hing und die Sabine indisch, wie sie sagte, zubereitet hatte, wollte seinen Zuspruch nicht finden. Er hatte stochernd etwas Reis mit Currysauce gegessen und lustlos an einem Bein genagt.

Sabine hatte soeben auf die Andeutung eines Schwimmringes um Markus Bauch hingewiesen, aber darüber wollte er nun auch nicht sprechen. Zumal er die Andeutung für wenig gerechtfertigt hielt.
Martina sah aus, als wollte sie mit dem Fuß auf dem Boden tippeln. Sie zog den Mund zusammen und die rechte Braue hoch. „Okay, dann erzähl uns halt, was du Tolles erlebt hast.“
„Ich glaub, ich heirate bald.“ lockte Markus weiteres Interesse. Der Erfolg blieb aus. Also setzte er fort. „Ich habe heute das schönste Mädchen von der Welt gesehen.“ Er sah von Sabine zu Martina und relativierte. „Na ja, eines der Schönsten von der Welt. Und sie ist, glaube ich, ganz wild auf mich.“
„Und?“ kam es von Sabine die langsam angefangen hatte, das Besteck einzusammeln.
„Wie und?“ Markus wollte sich drängen lassen, befand dann aber, dass die Kunstpause zu lang würde. „Nun, ich habe sie schon Montag gesehen. Sie war da im Yogakurs. Da konnte ich mich schlecht einfach daneben setzen und ging also, wie sonst auch, auf eines der Fahrräder, strampelte so vor mich hin und riskierte ab und zu einen Blick. Natürlich ganz unscheinbar und zufällig. Vor allem selten. So werde ich also überrascht davon, dass sie sich auf das Fahrrad direkt neben mir setzt.“
„Waren andere frei?“ erkundigte sich Sabine pflichtschuldig.
„Na, ja, eins vielleicht. Aber kein Mensch macht erst Yoga und geht danach auf’s Rad.“
„Ich mache das schon.“ gab Martina kund.
Markus ignorierte sie. „Ich schaue sie also, unauffällig und unaufdringlich wie ich bin, gelegentlich an. Prachtvoll sah sie aus. Schlanker geht’s ja gar nicht. Nussbraune, liebliche Haut. Ein unnahbarer, arroganter Blick voller Zartgefühl und Tiefe. Ach und einen süßen kleinen Ring im Bauchnabel.“
„Nussbraun heißt, dass sie ’ne Negerin ist?“ Martina sprach das ‚g’ mit einem ‚sch’-Laut.
„Ich denke eher Österreichisch.“
Für diesen kleinen Spaß hätte er sicherlich ein Lächeln verdient gehabt. Stattdessen versuchte Sabine aber nur das Gespräch voran zu treiben: „Du weißt es nicht? Na, Ihr habt euch wohl über Wichtigeres unterhalten.“
„Ja, ja, kommt noch.“ Markus verzog das Gesicht. „Also gut. Das war Montag. Ich bin dann irgendwann gegangen, als ich meine Zeit um hatte. Dann bin ich zu den Geräten und hab sie den Tag nicht mehr gesehen.“
„Man soll solche Sachen ja auch nicht übereilen.“ gab Sabine Markus Kopf nickend Recht.
„So, ist das.“ bedankte sich Markus artig. „Nun heute also ist sie wieder am Yoga machen oder Bauch, Beine, Po oder wie das heißt und ich am Radfahren. Sie kommt aber nicht. Dann geh ich zum Volleyball und sie turnt weiter. Sie kommt auch nicht nach zum Volleyball. Ich war natürlich nervös.“
„Natürlich.“ Sabine schob verständnisvoll die Lippen nach vorn.
„Vom Spielfeld aus kann man die Gymnastikecke nicht sehen, wie Ihr wisst. Und ich gebe langsam die Hoffnung auf und gehe zum Dehnen. Auf dem Weg sehe ich noch mal, ob ich sie finden kann. Aber Pustekuchen. Nach dem Dehnen komme ich also geknickt durch die Halle, mit Blick auf den Fußboden. Rein zufällig, ich wirkte natürlich sehr natürlich, weil ich sie gar nicht mehr erwartet habe, rein zufällig kucke ich also noch mal hoch und sehe ihr direkt in die Augen. Keiner wendet sich sofort ab. Ein ganz lockerer Blick, tief in die Augen. Über eine Sekunde, würde ich sagen. Dann, als wäre es das natürlichste der Welt, nehme ich meinen Blick wieder gerade und gehe weiter.“
„Es ist das Natürlichste von der Welt, irgendwann wieder nach vorn zu kucken.“ erklärte Martina.
„Ja, ja. Das ist es ja. Ich war vollkommen locker und natürlich.“
Sabine war ein weiteres Mal geneigt, Markus auf die Sprünge zu helfen. „Und dann?“
„Wie und dann? Dann habe ich geduscht und bin hierher gekommen. Immerhin weiß ich jetzt, dass montags und mittwochs gute Chancen bestehen, sie da zu treffen. Und eins gibt das andere.“
Die Mädchen sahen sich kurz an. Sabine räumte das Geschirr weiter zusammen. Martina stand auf. „Ich helfe Dir.“