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Die Kiefernsärge standen in langen Reihen. Es waren fast vierhundert, und sie waren alle gleich groß. Das Gewicht variierte stark. Manchmal schienen die Träger erschrocken, um die Leichtigkeit ihrer Arbeit. Es war die erste Veranstaltung, die die erste Division abhielt. Es waren noch zwei weitere angesetzt. Dann würden die anderen Divisionen folgen. Markus hatte neunzehn Briefe geschrieben und elf davon persönlich zu den Familien gebracht.
Diese Familien erkannte er nun. Die verbliebenen acht lernte er flüchtig kennen. Vermutlich wurden aber weder er noch seine Begleiterin wirklich wahrgenommen. Ernbargers Kompanie schloss sich an seine an. Er kannte die Frau nur von einem Foto, das Joachim ihm gezeigt hatte. Er ging zu ihr und stellte sich vor. Frau Ernbarger nahm stumm nickend die Beileidsbekundung entgegen. Sie sah zu Martina und senkte dann wieder den Kopf. Markus und Martina gingen zurück und ließen die Zeremonie über sich ergehen. Einige, so schien es Markus, hatte er sehr gut gekannt. Am Ende hatte er sie aber zusammengenommen kaum mehr als vier Monate im Leben gesehen. Intensive Monate, in Kiel, in Finnland und letztlich auf ihrem Weg durch Niedersachsen. Martina machte ein undurchdringliches Gesicht voll Würde und Schweigsamkeit. Markus war froh, dass sie mitgekommen war. Einmal hatte er ihren Arm ergriffen, als sie von einer Familie zur nächste gegangen waren. Ansonsten hatte er nur ihre Nähe gespürt. Sie gingen nach den Salutschüssen an fast vierhundert weißen Steinen vorbei. Einige trugen religiöse Zeichen, alle trugen nur das Wappen der Allianz. Markus steuerte aus der Menge. Aus der Ferne hatten sie Reser-Weiden gesehen. Es waren die Männer und acht Frauen seiner Brigade, die hier lagen. „Er ist noch nicht befördert worden?“ eröffnete Markus das Gespräch, als die Wege verlassener wurden. „Er ist erst vor zwei Stunden hier angekommen und fliegt gleich weiter nach Kopenhagen. Man wollte nicht, dass es so aussieht, als wäre die vierhundert der Preis für seinen neuen Dienstgrad.“ „Hast du ihn gesprochen?“ „Nein. Ich hab es von einem aus der Organisationsleitung erfahren. Er muss von Kopenhagen aus auch gleich wieder zurück zu seiner neuen Division.“ „Er ist halt kein Reservist. Aber David müsste doch bald entlassen werden, oder kommt er in Eure Klinik? Hast du was gehört?“ „Heute kam eine kurze Nachricht von ihm. Sie bringen ihn nach Schweden in ein Sanatorium. Er kommt erst im November.“ Wohl weil er den Weg kannte, hatte Markus die Stelle angesteuert an der er schon einmal gestanden hatte. Damals hatte es nur einen Sarg aus Eiche gegeben. Markus besah sich die Grabsteine, an denen Reser-Weiden seine Äpfel gegessen hatte. Er blieb stehen. „Sein Bruder“, bemerkte Martina, „er starb vor vierundzwanzig Jahren. Er war neunzehn. Reser-Weiden selbst war zwei Jahre zu jung. Das andere ist sein Vater. Er war sechsundzwanzig, starb kurz vor der Geburt seines zweiten Kindes.“ Markus schwieg. „Er sagt, es waren beide Idioten.“ „Was machte sie zu Idioten?“ „Sie sind Soldaten geworden.“ „Manchmal hat man keine Wahl.“ „Ja, manchmal hat man keine Wahl.“ Sie wandte sich ab und ging weiter. Markus folgte. „Er sagt, solange Söhne keine Wahl haben, ist es vielleicht besser, keine Söhne in die Welt zu setzen.“ „Das passt gar nicht zu ihm.“ „Was passt nicht?“ „Es ist gar keine Ironie in der Aussage.“ „Nein.“
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