Photo by dp

Kap4.06 Haus am Kanal Drucken

Hassan und Alessandra hatten ihn mitgenommen. Es war ein trüber aber warmer Spätsommertag. Die Sonne konnte sich nur ganz vereinzelt eine Bahn durch die Wolken brechen. Auf der Holtenauer Hochbrücke musste Alessandra, die den Militärjeep fuhr, bei einigen Böen gegensteuern. Als sie den Kanal überquert hatten und vor einem kleinen Haus hielten, bildeten sich Sorgenfalten auf Markus Stirn.
Sie sahen ihn an. Alessandra fragte: „Und?“


Markus biss sich auf die Unterlippe. „Ihr wollt heiraten?“ Stellte er dann in einer Frage fest.
Hassan sah ihn an und Alessandra nickte.
„Wann?“ fragte er.
„Es ist nicht so, dass Ihr euch dann nicht mehr seht.“ Beschwichtigte Alessandra.
„Also sobald?“ Markus verzog das Gesicht.
Und Alessandra nickte. „Wir werden es so machen können, dass du weiterhin die Wohnung behältst und eine Zeitlang auch die Anrechnung auf die Wehrübungen.“
Sie wollte noch weiter sprechen, aber Markus hörte nicht wirklich zu. „Prima. Das ist auch ganz gut, weil meine alte WG wohl auch gerade kein Zimmer frei hat.“ Markus lachte. „Und Schuld bin ich. Alleine hättet Ihr euch ja nie getraut, den ersten Schritt zu machen.“ Er schnaubte aus. „Na, mit den weiteren Schritten ward Ihr dann aber schnell zur Hand.“
„Markus, wir sind, auch wenn man mir das vielleicht nicht ansieht“, lächelte Alessandra, „doch ein paar Tage älter als Du. Ich werde, wo ich nicht mehr im Außendienst bin, eine Einheit der Fernaufklärer übernehmen und die Ausbildung und die Einsätze koordinieren. Hassan wird, wenn er denn endlich seine Arbeit hier angegeben hat, eine Stelle an der Uni bekommen. Wir sind…“
„…raus aus den wilden Jahren?“ vervollständigte Markus.
Alessandra lachte. „So hätte ich das vielleicht nicht ausgedrückt. Aber, man könnte sage, wo wir die Dreißig eine Weile hinter uns gelassen haben, dass wir uns schon dem Erwachsenenalter nähern.“
„Frühreifes Gesindel.“ Murmelte Markus, dann wandte er sich an Hassan, der die ganze Zeit geschwiegen hatte. „Du bist ein Schwächling und Frauenverfaller.“ Mühsam bahnte sich ein Lächeln seinen Weg. „Ich freue mich für Dich. Sowas -“ er wies auf Alessandra, „hast du bestimmt nicht verdient.“ Er boxte ihn, bevor sie sich umarmten.