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Kap4.08 Geheimnisse Drucken

Der Sommer ließ auch Eingangs des Herbstes nicht locker. Die Stadt mühte sich langsam und erwartete den Abend. Markus war früher als sonst zu der Wohnung gekommen, da niemand aus seiner Übungsgruppe wirklich Willens war, sich länger im Institutslehrraum, dem dieser stechende Ozongeruch der elektronischen Geräte anhaftete, aufzuhalten. Nun saß er zurückgelehnt im Schatten auf der Dachterrasse der Mädchen und bemühte sich, seinen Blick nicht lange auf ihnen ruhen zu lassen. Am Strand, bestätigte er sich, trugen die beiden, wie auch Elisabeth und Marie auf den Boot, ein Minimum an Kleidung. Hier nicht.



„Was sitzt du da im Schatten, mein Lieber. Meinst Du, dass Deine Haut gleich weg brennt, wenn du dich der Septembersonne ein paar Minuten aussetzt. Im Notfall hätten wir Sonnenschutz.“ Sabine sah kurz zu ihm und drehte das Gesicht dann wieder ins Licht.

„Ja, ja, Sonnenschutz. Ich glaub ich lege mich besser aufs Sofa.“

„Lichtscheues Gesindel.“

Martina ließ die Augen geschlossen und verhinderte durch stoische Ruhe, eine ungleichmäßige Bräunung. „Aufs Sofa legen. Pah. Nichts könnte dich davon abbringen, uns hier zu beobachten.“

Markus proklamierte:



„Der Sonnenbrand liegt auf der Haut / Die Fingernägel abgekaut / Die Göttin aalt sich hell im Licht / Mein Lächeln, ja, das sieht sie nicht.“



Sabine lachte. „Schön. Gibt es da noch mehr Strophen?“

Markus schüttelte den Kopf. „Nein, die zweite Strophe ist albern.“

„Na los, schon.“ Sabine lächelte.

Markus verzog das Gesicht.



„Sonnenbrände auf den Häuten / Schnell vertilgte Pommeskost / Wie die Küh’ das Gras auch käuten / Schnitzel sind sie – frisch vom Rost.“



Sabine schmunzelte und verzog dabei die Stirn. „Das war noch nicht alles.“

„Doch das war alles.“ Markus schlug das Bein über.

Martina veränderte ihre Position nicht.



„Sie fällt auf dieses Schwein herein / Ich werd auch morg’, noch einsam sein / Ihr Quicken, Schreien lustvoll hallt / Die Gier und Sehnsucht in mir wallt / Das Schwein treibt mit ihr Sodomie. / Und mir, mir bleibt die Poesie.“



Markus bemühte sich, Sabine zu erklären, sie hätten keine Geheimnisse vor ihr. Martina bequemte sich zu erwähnen, dass sie einmal in Markus Wohnung auf ihn gewartet hätte.

„Wann war das?“

„Am Donnerstag nach der Beerdigung.“

„Als ich in Geesthacht war?“

„Ja.“

„Du wusstest das.“

„Ja.“

„Hast du alle meine Schubladen durchgewühlt?“

„Ja.“

„Hast du sonst wem, meine Geheimnisse angetragen oder, abgesehen von Sabine, Selbiges vor?“

„Nein.“

„Du bist ein Sonnenschein.“

„Ja.“

Sabine hatte das Gespräch wie die Zuschauerin eines Tennisspiels beobachtet. Nun strahlte sie Markus an. „Wer ist das Schwein, mein Schatz?“

Das war kaum mehr Fangfrage zu nennen, aber Markus hatte ein ruhiges Gewissen: „Ganz sicher nicht David, mein Herz.“

„Wie bist du denn darauf gekommen, Liebling?“

„Es kam einfach so, mein Liebreiz.“

Sabine sah ihn an und Markus schwächelte. „Ich war vor ein paar Wochen im Schrevenpark spazieren und habe dort einen fetten Eber eine hübsche, junge Dame abschlecken gesehen.“

„Wann war das?“ fragte Martina, die Stirn runzelnd.

„So, zwei Wochen vor der Beerdigung, Hübsche, auf einen Sonntag.“

„Du hast mir nachspioniert.“

„Nein, meine Süßeste, habe ich nicht. Das ist ein öffentlicher Park und Menschen gehen manchmal spazieren.“

„Das hast du früher nie gemacht.“

„Ich bin erst mit Hassan gegangen und nun gehe ich allein. So einfach ist das.“

Martinas Augen waren düster verengt, dann öffnete sich ihr Blick und sie gönnte ihm, ihr strahlendes Lächeln. „Ich verzeih Dir.“

„Du bist eine Göttin.“

Martina nickte.