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Markus, Michael Rosenbladt und die Männer wurden ohne Gerät nach Finnland gebracht. Im dortigen Fort Oskar-Charlie übernahmen sie 14 Leopard Panzer, die kurz vorher dorthin verlegt worden waren und sich in einem bedauerlichen Zustand befanden.
Das Regiment, in dem Reser-Weiden und David im vorangegangenen Jahr ihren Dienst geleistet hatte, war auf drei Forts verteilt. In jedem Fort lagen jeweils zwei Kompanien. Aufgrund der geringeren Truppendichte an den Grenzen Finnlands, lagen die Forts in großen Abständen von einander. Der Regimentsstab war in ihrem Fort angesiedelt. Den Oberst Clark hatte Markus aber nur kurz nach seinem Eintreffen gesehen, da er dann für einen längeren Aufenthalt zu der finnischen Division, die mit den Grenztruppen zusammenwirkte, aufgebrochen war. Der Empfang im Fort war kühl distanziert, aber nicht feindselig gewesen. Markus und Michael hatten nicht viel Kontakt mit den anderen Offizieren und saßen im Kasino oft allein. Auf der anderen Seite funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Instandsetzungstrupp vergleichsweise gut, so dass es ihnen möglich war, die Fahrzeuge halbwegs auf Vordermann zu bringen. Markus war froh, dass er Michael dabei hatte. Durch seine Dienstzeit bei den Grenztruppen und seine Arbeit im Stab bewirkte er gerade bei der Kooperation mit den ansässigen Truppen und bei der Beschaffung von Wartungsmaterial und Ersatzteilen kleine Wunder.
Die Basis lag lange jenseits des Aktionsradius der Föderation. In letzter Zeit hatte sich aber der Einfluss der benachbarten, friedlichen Kleinstaaten und Regionen mit mehr oder minder souveränem Status verringert. Die Aufklärungseinheiten der Grenztruppen wurden zusehend in kleinere Scharmützel mit den Truppen des selbsternannten Fürsten Katalev verwickelt. Der Mann beherrschte ein Gebiet von der Größe Holsteins. Seine Stärke zog er aus einem Freundschaftsabkommen mit der Förderation, die diesen Dienst mit großzügigen Waffenlieferungen honorierte. Katalev setzte bei seinen Attacken allerdings kaum schweres Gerät ein, sondern beschränkte sich auf Überfälle von Panzerfaustschützen, die sich dann schnell in die Wälder zurückzogen. Markus rechnete, wie die Offiziere des Regiments, nicht mit ernsten Auseinandersetzungen. Aber er besichtigte mit Michael und den Feldwebeln seiner Einheit vorsichtshalber die Abwehrstellungen. Sie verfügte über eine weite Sicht, waren aber nicht so stark ausgebaut, wie die Stellungen in den Forts der Norddeutschen Tiefebene. Michael sah sich um. „Das ist nicht unbedingt wie beim fünften Regiment, aber zumindest für unsere Böcke ganz geeignet. Wir können hier unsere Reichweite gut ausspielen. Gegen Artillerie haben wir hier kaum Deckungen, aber damit ist wohl auch nicht zu rechnen.“ Der Oberfeldwebel Frederik Fries, der bei Markus stellvertretender Zugführer war, bestätigte die kurze Analyse von Michael. „Ja, und es sieht so aus, als würden unsere breiteren Wannen auch halbwegs in die Stellungen hier passen.“ Er lachte. „Da müssen nur die Fahrer ein bisschen genauer zielen.“ Markus schaute sich auf den Einwand hin die Sache noch einmal an. „Meinst Du, wir sollten die noch mal verbreitern, Frederik?“ „Ach was.“ sagte der Oberfeldwebel. „Die lassen uns selbst im Falle eines Angriffs hier nicht her und werden erstmal mit ihren Spielzeugpanzern in Stellung gehen. Wir sind nur die Reserve. Und wenn wir anfangen hier rumzubuddeln, kriegen die einen ganz dicken Hals.“ Michael lachte. „Ja, ich glaube auch, dass wir das schlecht verkauft kriegen würden. Aber unsere Jungs sollen zumindest mal proben, wie sie hier reinkommen, und die Richtschützen sollen sich Entfernungstabellen erstellen.“ Er wandte sich an Markus. „Was meinst Du?“ Markus nickte. „Ja, das ist ganz gut.“ Er überlegte. Er war der Ranghöchste und Michael war ihm für diesen Einsatz unterstellt. Auf der anderen Seite waren sie beide gleichermaßen Zugführer und er wollte sich nicht aufspielen. „Okay. Fragst du den Major, ob wir hier morgen üben dürfen? Und frag an, ob wir die Fahrzeuge schon aufmunitionieren und vollständig betanken können. Ich möchte im Notfall nicht erst tausend Formulare ausfüllen.“ Michael presste die Lippen aufeinander. „Ersteres lässt sich sicher machen. Mit dem Munitionieren und Auftanken bin ich mir nicht so sicher. Ich denke, die halten das für Verschwendung, uns etwas von ihrem kostbaren Treibstoff zu geben. Aber ich sehe, was ich tun kann.“
Michael konnte nicht viel tun. Der S4, Major Kjaer, der in Abwesenheit des Obersten und des S3, der sich dauerhaft im Fort Oskar-Delta aufhielt, das Kommando hatte, lies Markus mit seinen Leuten erst nach einer Woche und auch nur für wenige Stunden, in den Stellungen üben. Als Verantwortlicher für die Versorgung des Regimentes sträubte er sich dagegen, aus seiner Sicht, unnütze Fahrzeuge mit den limitierten Reserven zu betanken.
Dieser Zustand sollte sich erst weitere zwei Tage später ändern. Kjaer rief die Offiziere des Standorts in der Nacht zusammen. Ein Aufklärungszug der dritten Kompanie sei in Gefechte mit Awarus-Panzern geraten und hätte die Verfolgung aufgenommen. Dabei seien sie offenbar aus dem Funkbereich gelangt, zumindest war die Verbindung abgebrochen. Nach Rücksprache mit dem Kommandeur, der sich nun auf dem Weg zurück ins Fort befand, entschied Kjaer die zweite Kompanie auszuschicken und gemeinsam mit den beiden Zügen der Dritten, den verlorenen Zug zu suchen. Er wandte sich zum Abschluss an Markus: „Sie werden ihre Kompanie auftanken und munitionieren. Dann gehen Sie in die Stellungen. Der S2 wird Ihnen die nötigen Funkcodes zukommen lassen. Ich werde im Notfall den Bunker in der Mitte der Stellungen besetzen und das Gefecht leiten, wenn es dazu kommen sollte. Bis auf weiteres gehen wir davon nicht aus, und es gilt für Sie Feuerverbot.“ Markus hatte Lage und Befehle mitgeschrieben und nickte nun zum Zeichen des Einverständnisses. Betanken und Aufmunitionieren dauerte lange, aber als die zweite Kompanie das Lager verließ, hatte Markus zumindest schon vier Panzer in den Stellungen. Am Morgen war er vollständig einsatzbereit und seine Leute begannen damit, die Einteilung des Geländes, die Abstimmung untereinander und die Entfernungstabellen zu verbessern. Für die meisten seiner Leute, die wie er Reservisten waren, war die Situation neu. Nur Michael und Gert Schacht, der Fahrer von Markus, kannten es, auf einen Angriff zu warten. Ihre Scherze strahlten etwas auf die Männer ab. Die Unruhe stieg aber, als sie hörten, dass die zweite und dritte Kompanie in schwere Gefechte verwickelt war. Der Major war keine große Hilfe. Man sah ihm seine Verwunderung über die Meldungen an, und er konnte nicht die Souveränität an den Tag legen, die den Soldaten gut getan hätte. Das änderte sich erst, als Oberst Clark zurück kam. Er besichtigte die Stellungen, sprach den Männern Mut zu und Anerkennung aus. Clark bezog den Bunker zwischen den Panzern als Regimentsgefechtsstand. Er hielt eine Besprechung mit seinem Stab, dem Chef der Stabs- und Versorgungskompanie und Markus, ab. „Meine Herren, es hat sich bestätigt, dass der zweite Zug der dritten Kompanie in einen Hinterhalt geraten ist und es nach gegenwärtiger Informationslage keine Überlebenden gibt. Die Truppen von Katalev bedrängen in Regimentsstärke die zweite Kompanie und Teile der Dritten. Es kommen schwere gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz, die wir bis dato nicht kannten und die sich gegen die 75 mm Bordkanonen behaupten können. Wir bezeichnen sie vorerst als Awarus II. Die zweite Kompanie fällt innerhalb der kommenden vier Stunden auf die Stellungen am Fort zurück. Wir werden sie hier auffangen und die nachrückenden Verbände von Katalev zurückwerfen. Es ist, mit zwei Kompanien schwerer Panzer zu rechnen, unterstützt von bekannten Awarus I Fahrzeugen in Bataillonsstärke. „Hauptmann Junker“, der Oberst sprach zum Chef der Stabskompanie, „Sie werden mit ihrem dritten und vierten Zug, die Infanteriestellungen an den Flanken beziehen. Die Sanitäter bereiten den Hauptverbandsplatz auf Gefechtsbetrieb vor. Der Instandsetzungszug geht in Bereitschaft. Die Kradmelder brauche ich hier.“ Dann wandte er sich zum S4, Hauptmann Kjaer, und dem S2, Oberleutnant Ledene. „Kjaer, Sie übernehmen zusätzlich den Transportzug aus der Ersten und stellen die Versorgung sicher. Ledene, Sie beziehen hier mit Ihren Leuten den Funkraum und halten Kontakt mit den anderen Forts und der Division.“ Schließlich kam er zu Markus. „Jansen! Reser-Weiden wusste ganz Gutes über Sie zu berichten und hatte ganz augenscheinlich mit dem Vorschlag, Sie hierher zu schicken, auch wieder mal den richtigen Riecher. Gut, dann zeigen Sie mal, ob Sie Ihr Lob wert sind.“
Die Reste der zweiten und dritten Kompanie sahen kläglich aus, als sie über den Kamm in Sichtweite von Markus’ Kompanie kamen. Von den ursprünglich achtundzwanzig Panzern, die zu den Einheiten gehörten, waren noch sechzehn zu sehen. Die sechs Schützenpanzer setzten sich ohne Anzuhalten ins Fort ab, während sich die verbliebenen leichten Kampfpanzer in zwei Gruppen jeweils gegenseitig Deckung gaben. Auf dem Kamm waren dieser Taktik folgend zunächst fünf Fahrzeuge verblieben. Die anderen fünf hielten fünfhundert Meter diesseits des Höhenzuges. Ein Fahrzeug der Vorderen ging verloren, als sich diese absetzten. Als die beiden Gruppen auf gleicher Höhe waren, sah Markus den ersten Awarus II auf der Kuppe. Er sah ungelenk aus, aber um ein vielfacher mächtiger als die, mit denen er es vor zwei Jahren im Fort Echo zu tun hatte. Die fünf Panzer vor ihm eröffneten das Feuer. Die vier anderen zogen sich weitere fünfhundert Meter zurück und gingen knapp einen Kilometer vor Markus in Stellung. Er sah, dass die Wirkung beim Beschuss des schweren Panzers zu wünschen übrig ließ und sich auf dem Kamm nun weitere Awarische Kampffahrzeuge einstellten. Der neue Panzer war gewaltig, aber ebenso langsam im Anrichten, wie seine Vorgänger. Es wurde auf beiden Seiten geschossen. Die Awarus hatte Schwierigkeiten, die beweglichen Ziele zu treffen. Und die Treffer aus der Sicherungslinie auf die Kolosse zeigten auf diese Distanz keine Wirkung. Markus meldete Feuerbereitschaft an den Oberst. Clark nahm es zur Kenntnis und befahl den verbliebenen Einheiten vor ihnen den direkten Rückzug ins Fort. Die Männer von Katalev bemerkten den forcierten Rückzug und setzten nach, wohl in der Hoffnung, dass sie nach diesen neun leichten Kampfpanzern mit keinem großen Widerstand mehr zu rechnen hätten. Als in der Fläche zehn schwere und vierzehn leichte feindliche Panzer zu sehen waren, hob der Oberst den Vorbehalt auf.
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