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Kap4.24 Bis ein schönrer Morgen tagt Drucken

Markus kam die Treppe zur Wohnung der Mädchen herauf und klopfte. Martina öffnete, sah ihn an, sagte kein Wort und ging ins Wohnzimmer. Markus wusste, dass David heute wiederkommen sollte und hatte eigentlich geplant, Martina einzuladen, damit Sabine und David allein sein konnten. Nun schien ihm, dass das keine so gute Idee gewesen war. Er folgte Martina ins Wohnzimmer.
Anderen wäre es vielleicht nicht aufgefallen, aber er sah gleich, dass Sabine mit ihrer Fassung kämpfte.

Mit dem Rücken zu ihm stand David, er blickte ein letztes Mal zu Sabine und drehte sich dann zu Markus.
„Entschuldige, mein Freund.“ David ging Richtung Ausgang, stand einen Moment vor Markus, umarmte ihn, wobei er ihm einige Worte ins Ohr flüsterte. Markus erwiderte die Umarmung aus Rücksicht auf seine Verletzung nicht in gewohnter Stärke. Ihre Augen trafen sich für einen Moment. Markus nickte stumm. Dann war David verschwunden.
Markus stand unbeholfen da. Sabine sah ihn mit leerem Blick an. Sie setzte sich, ihre Zähne zusammengebissen, der Blick starr, der Atem gequält. Martina stand neben ihm und flüsterte: „Ich denke, wir müssen uns in nächster Zeit etwas um sie kümmern.“
Markus nickte und sagte: „Bis ein schönrer Morgen tagt.“, dann löste er sich von Martina und ging zu Sabine, kniete sich vor sie. Er ergriff ihre Oberschenkel und blickte sie an: „Was hat er gesagt?“
Martinas Ausdruck entspannte sich. Sie ging ebenfalls zu Sabine, setzte sich auf die Lehne und umarmte sie. Statt ihrer Freundin antwortete sie: „Dein feiner Freund hat gerade gesagt, dass er sich ein Verhältnis mit einer wie uns nicht mehr leisten kann. Er sei nun G23 und müsse an seine Reputation denken.“
Markus wandte den Blick zu Martina: „Das ist Blödsinn.“ Er sah wieder zu Sabine.
Sabine sagte nichts, stattdessen begann sie zu weinen. Markus kannte Sabine nun seit fast siebzehn Jahren und konnte sich nicht erinnern, sie einmal weinen gesehen zu haben.
Es war nicht die Zeit für Worte, mehr für Sentimentalitäten. Martina umarmte Sabine, Sabine umarmte Martina, Markus fasst Sabine an den Hüften und legte seinen Kopf in ihren Schoß, Sabine umfasste seinen Kopf und griff in seine Haare. Sie zitterte.
Als der Schmerz in seinem Schopf etwas nachließ, richtete sich Markus auf und sagte: „So, ich glaube, nun ist es an mir, den Damen etwas zu kochen.“
Martinas Mund, der während der innigen Szene noch fest zusammen geschlossen war, öffnete sich leicht. Sabines Gesicht zuckte unentschlossen zwischen Weinen und Lächeln. Markus strich mit den Fingern beider Hände ihre Gesichtszüge nach und trocknete somit – nebenbei – ihre Wangen. Dann küsste er ihr im Aufstehen die Stirn und ging.

Markus stand am Fenster in der Küche und rauchte. Er hatte einen Nudelauflauf im Ofen und eine Flasche Rotwein zum Atmen geöffnet. David sollte einen verdammt guten Grund haben, so zu handeln, Markus lachte. Seine Reputation zumindest war keiner.
„Na, dir geht es wieder gut?“ Martina hatte die Küche betreten.
„Hallo, meine Liebe.“ sagte Markus im Versuch, ernst aufzublicken. Er musste aber wieder lachen: „Teuerste, hat euch schon mal jemand gesagt, dass Ihr leidend noch schöner seit?“
„Du bist ein Drecksack.“ Sie kräuselte ihre Stirn, und bei dieser Stirn glich auch das einem Kunstwerk. „Du hättest den Wein ruhig schon reinbringen können.“
Markus schenkte zwei Gläser ein und reichte sie Martina, damit sie eines davon Sabine mitnehmen könnte.
Martina nahm nur eins, den Blick noch bedeckt gehalten, stieß sie das andere an: „Auf die Treue!“
Markus nickte mit einem Lächeln, ließ dabei aber Martinas Augen nicht aus seinem Blick: „Auf das, was wir unseren Freunden schuldig sind!“
Nachdem sie getrunken hatten, gönnte Martina Markus den Ansatz eines Lächelns der rechten Gesichtshälfte, sie nahm die Flasche und das leere Glas, küsste Markus und ging.