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Kap4.05 Berichte und Aussichten Drucken

„Und, wann wirst du Hauptmann, mein Liebling?“ Martina hatte die Beine übereinander geschlagen und sah Markus an. Dieser hatte seinen Bericht abgeschlossen, und die Mädchen hatten ihn wohlwollend angehört.
„Herzchen, ich bin fünfundzwanzig. Nicht einmal David war mit fünfundzwanzig Hauptmann. Ich denke, es wird noch ein paar Tage dauern.“ Er machte eine Pause und fragte dann. „Oder wisst Ihr mal wieder mehr als ich?“


Martina schüttelte den Kopf. „Nein, wissen wir nicht. Aber, mein Schatz, es gibt schon einen Unterschied. David wurde im Frieden befördert. Sollte es jetzt wirklich zu einem Krieg kommen, würde es mit den Beförderungen schneller gehen.“
„Das sind nicht gerade verlockende Aussichten.“
„Schon richtig. Es scheint jetzt aber eher die Frage, wie es weitergeht.“
„Reser-Weiden plädiert für so etwas wie einen Sechs Tage Krieg und Sowinski will den großen Väterländischen Krieg?“
Martina lächelte. „So in der Art.“
„Er sagte mir, dass mit einem faulen Kompromiss zu rechnen ist.“
Sabine schaltete sich ein. „Sowinski und Teichert-Waldesleben stecken, aus welchen Gründen auch immer, unter einer Decke. Im Prinzip sollten die beiden sich durchsetzen. Aber die Wirtschaft lahmt. Und selbst der Präsident scheint eine eigene Meinung zu entwickeln.“
„Das spricht nicht für schnelle Entscheidungen.“ wusste Markus beizutragen.
Sabine pflichtete dem bei. „Nein. Nicht unbedingt. Und, ich habe den Eindruck, auch wenn es mir nicht gefällt, dass bis dahin noch Einige an die Grenze versetzt werden.“
„Du meinst zum Beispiel mich?“
„Das befürchte ich. Reser-Weiden möchte mittelfristig die Leoparden an der Front haben. Und er würde er dich da gerne noch einmal vorschicken.“
„Ja. Er sagt, sie seien gut in der Ebene zu gebrauchen, aber selbst mit den neuen Motoren kaum jenseits.“ Er lachte. „Und auf Schiffe passen sie zum Glück auch nicht. Aber sag, an wen denkst du sonst noch?“
„Ich denke, Rosenbladt wird zu dir in die Kompanie kommen, bis er selbst eine übernehmen kann.“ Sie lächelte. „Wann lernen wir denn den jungen Kavalier einmal kennen?“
„Bin ich euch nicht jung genug, Ihr hübschen Täubchen?“
Martina kräuselte zwei senkrechte Falten über ihrer Nase. „Du weißt ja selbst am Besten, dass sich Frauen, wenn sie älter werden, nach jungen Kerlen umschauen.“
„Ja.“ bestätigte Markus. „Und eben jener Dame habe ich mal gesagt, dass sie nie alt und grau wird. Und das gilt ganz sicher auch für euch beide.“ Er fuhr fort. „Ich habe den guten Michael bewusst aus Eurem Intrigenumfeld herausgehalten. Er ist viel zu lieb für Euch, und Ihr seid viel zu hübsch für ihn.“
„Ist er so hässlich?“ fragte Sabine nach.
„Nein, er ist nicht hässlich.“ erwiderte Markus. „Ich fürchte nur, er würde sich unsterblich und unglücklich in eine von euch verlieben. Und unglücklich kann ich ihn nicht gebrauchen.“
„Na ja, wenn es die nationale Sicherheit gefährdet, dann verschließe ihn halt weiter.“
„Wird Reser-Weiden denn selbst an die Front wechseln?“
„Er wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr eine Brigade übernehmen.“
„Und diesmal nicht in Finnland?“ fragte Markus.
„Unwahrscheinlich. Im schlimmsten Fall muss er dort einen Operationsplan ausführen, der von Sowinski durchgesetzt wurde.“
„Und dagegen könnte er sich nicht wehren.“ stellte Markus fest. „Sonst noch wer von den lieben Freunden? David sitzt ja schon da und wird dann wohl erstmal nach Kiel kommen, oder?
Martina antwortete. „Es sieht so aus, als würde er wohl nicht kommen.“
Markus sah zu Sabine, die einen Mundwinkel verzog. Er schüttelte den Kopf. „Ich dachte, er wollte sich ein Bataillon hier in der Nähe suchen?“
Martina bestätigte. „Ja, aber es sieht so aus, als würde er zu einem Bataillon in der Ebene wechseln. Man möchte ihn wohl lieber als Kommandeur an der Front haben, als im Heimatschutz hier in Kiel.“
„Liebling, das tut mir leid.“ wandte er sich an Sabine. Dann klappte er seine Unterlippe herunter. „Aber sag mal, ist das jetzt schon aktuell? Er ist doch erst dreißig. Ich dachte, es würde frühestens Ende kommenden Jahres entschieden. Selbst wenn er erst nächstes Jahr Kommandeur werden sollte, erscheint mir das dann doch recht jung.“
Martina nickte bestätigend. „Um so mehr ein Grund für Dich, bald Hauptmann zu werden. Du willst dich doch nicht von dem Typen so abhängen lassen, oder?“