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Kap4.02 Akzeptanz Drucken

„Herr Jansen.“ Reser-Weiden steuerte nach der Begrüßung gleich zu seinem Anliegen. „Sie sind quasi mein Mann für alle Fälle.“
Markus versuchte, geistige Beweglichkeit zu demonstrieren. „Handelt es sich wieder um Überläufer und Flugzeuge, Herr Oberst?“
Reser-Weiden schüttelte den Kopf. „Nein. Mit allzu vielen Überläufern und Flugzeugen ist diesmal nicht zu rechnen.“


„Was verschafft denn einem Oberleutnant die Ehre, vom G32 empfangen zu werden?“
„Um ehrlich zu sein, der Auftrag klingt etwas banal, aber er ist mir wichtig. Der Ausrüstungsgrad unserer Truppen verbessert sich langsam, aber man legt noch sehr viel Wert auf leichte Panzer. Das hat seine Hintergründe. Aber mittelfristig stelle ich mir vor, dass die, wenngleich langsamen so doch schweren Panzer des Heimatschutzes auch in der Ebene eingesetzt werden. Dafür sind sie auch ursprünglich entwickelt worden. Zudem gibt es Hinweise auf die Entwicklung Awarischer Panzer, denen unsere leichten, trotz der Aufrüstung der Bordkanone, nicht in jeder Hinsicht gewachsen sein werden.“
„Das klingt für mich vergleichsweise offensiv.“
„Jede Waffe ist zugleich offensiv und defensiv. Ja, in der Ebene lassen sich diese Dinger sehr gut für eine Offensive nutzen; gerade dann, wenn sie mit den neuen Motoren bestückt werden. Hinter der Ebene gibt es Kanäle mit alten, schwachen Brücken, es gibt Wald, Hügel und schließlich auch Berge. Da sinkt die mittlere Kampfentfernung von tausend oder gar fünfzehnhundert Metern auf hundert oder weniger. Da bringen die Leoparden wenig Vorteil. Und, nach unserem Kenntnisstand gibt es zwischen Hannover und Koblenz kaum eine Brücke, die noch in der Lage wäre, Ihre Panzer zu tragen. Ich stelle mir unter anderem vor, dass die Feldstreikkräfte sie in der Ebene schätzen lernen und es weniger schätzen, ohne sie weiter zu ziehen.“
Markus erkannte seine Rolle darin nicht. „Sie wollen mich den Feldstreitkräften unterstellen? Aber ich führe nur einen Zug – das ist wenig.“
Reser-Weiden nickte. „Ja, das ist wenig. Und ich erwarte auch nicht, dass Sie mit ihren vier Panzern Skandinavien vor dem Untergang retten.“ Er lächelte. „In diesem Stadium ist aber ein Zug besser als ein Bataillon oder eine Brigade. Denn es geht darum, Akzeptanz aufzubauen. Sie werden mit zwei Zügen und zusätzlichen Soldaten nach Finnland gehen. Insgesamt werden Sie annähernd Kompaniestärke haben. Den zweiten Zug wird der Leutnant Rosenbladt führen. Sie beide dürfen das Ehemaligenzeichen der Grenztruppen tragen und von daher auf weniger Vorbehalte stoßen.“
„Finnland?“
„Ja. Oberst Clark hat das dortige Regiment der Grenztruppen von mir übernommen. Er ist nicht einfach, aber er hat Ambitionen und will zeigen, dass er zu Größerem berufen ist. Er möchte bald in die Norddeutsche Ebene versetzt werden. Wenn Sie es schaffen, bei ihm einen guten Eindruck zu hinterlassen, werden wir es leichter haben, notwendige Schritte auf den Weg zu bringen.“
„Dann ist das mehr eine diplomatische Mission?“ fragte Markus.
Der Oberst lachte. „Das kann ich Ihnen nicht versprechen, Herr Jansen. Das Bündnis ersetzt operative Kräfte an der finnischen Grenze, um Kräfte für die Ebene frei zu bekommen. Der Verbündete der Awarier in Finnland, ein Mann Names Katalev, nutzt diese Situation aus, um auch offen gegen unsere Grenzstellungen vorzugehen. Das ist bislang nur Geplänkel, aber Sie sollten trotzdem auf der Hut sein.“
„Ich habe von Katalev gehört.“ Markus nickte und sah dann auf. „Schließe ich aus der angesprochenen Verlegung von Truppen in die Ebene, dass man sich nun, sagen wir, auf ein Vorgehen gegenüber der Förderation geeinigt hat?“
Reser-Weiden schob die Unterlippe vor und wackelte leise mit dem Kopf. „Das ist eine Frage, die wir hier nicht direkt behandeln sollten. Wie dem auch sei. Ein Vorgehen ist zu erwarten. Eine endgültige Beschlusslage zum Wann und Wie wird bald erfolgen.“ Er machte eine kurze Pause und entschied sich, Markus noch ein paar weitere Informationen preis zu geben: „Die Position des Präsidenten ist schwach. Er ist nicht dumm, wird sich aber kaum in allen Punkten durchsetzen können. Daher ist mit einem faulen Kompromiss zu rechnen.“ Er lachte erneut. „Mögen die Götter das verhindern.“
Markus nickte. „Wir verlangen viel von den Göttern.“