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„Hallo, mein kleiner Hauptmann.“ Sabine hauchte Markus einen Kuss auf die Wange, achtete dabei aber sehr darauf, ihr Make-up nicht in Mitleidenschaft geraten zu lassen. Dann verschwand sie eilfertig ins Bad. „Hallo, mein Schatz.“ rief Markus ihr hinterher. „Hast du heute Abend was vor?“ Markus hatte die Küche erreicht, wo er Martina dabei antraf, ihre Fingernägel zu lackieren.
„Ja, mein Engel, Ihr habt sturmfreie Bude, ich muss gleich los.“ Kam es aus dem Bad, in dem offensichtlich noch letzte Vorbereitungen getroffen wurden. „Oh, verdammt“ Markus sah zu Martina: „und ich war eigentlich nur vorbei gekommen, um zu sagen, dass ich heute Abend nicht kann. Und jetzt lackierst du dir extra die Nägel in der Hoffnung auf einen geselligen Abend mit mir .“ „Träum’ weiter, Junge. Nie würde ich mir für dich irgendeine Mühe machen.“ Martina sah zu Markus: „Würde auch keinen Sinn machen, weil du ja ohnehin immer nur auf meine Titten starrst.“ „Meine Liebe, das tue ich nur, weil ich Deine Fingernägel so erotisch finde und fürchten müsste, die Contenance zu verlieren, wenn ich mich nicht durch den Blick auf Deine prosaischen Möpse ablenken würde.“ „Oh, du verschwindest gleich wieder?“ Sabine schubste Markus sanft aus dem Weg und holte irgendeinen Stift aus dem Kühlschrank: „Das ist aber schade, Martina hatte sich so auf dich gefreut. Wo gehst du denn hin?“ Markus fragte sich kurz, wozu man Stifte im Kühlschrank aufbewahrt, blieb sich die Antwort aber schuldig: „Ich bin bei Hassan und Alessandra zum Essen eingeladen.“ „Ach, wie schön. Dann nimm Martina doch mit.“ Sabine war mit dem Stift wieder in Richtung Flurspiegel verschwunden. Markus schaute Sabine kopfschütteln hinterher: „Würde ich ja, wenn…“ er drehte sich wieder zu Martina. Die pustete gerade auf ihre Finger und sagte, als hätte sie Sabines Kurzbesuch in der Küche gar nicht bemerkt: „Findest du meine Finger tatsächlich so toll?“ „Große Klasse.“ antwortete Markus. „Okay.“ Martina kräuselte die Stirn, als hätte sie eine kleine Unebenheit im ebenen Lack auf den Nägeln entdeckt. „Meinst Du, Alessandra hat genug für vier, oder wollen wir noch was zum Essen mitbringen?“ „Alessandra stammt von ehrbaren Italienern ab. Sie würde dich umbringen, wenn du das tun würdest. Hassan würde es nur deswegen nicht tun, weil er dich ein klein wenig leiden mag. Obwohl ich nicht nachvollziehen kann, warum. Na ja, aber wir können ein bisschen Wein mitbringen. Ich wollte euch sowieso fragen, ob Ihr welchen da habt.“ „Ah, ein feiner Freund bist Du. Du bist also gar nicht her gekommen, um dich bei uns zu entschuldigen, sondern um Wein zu schnorren.“ Markus hielt eine Rechtfertigung für unnötig und schwieg. Sabine kam in die Küche, um den Stift zurück in den Kühlschrank zu legen. Martina war noch nicht ganz fertig: „Na ja, und wahrscheinlich bist du gekommen, um mich auf Knien anzuflehen, mitzukommen. Dann hast du ja alles erreicht.“ Sie wedelte noch einmal mit ihren derweil schon ausreichend getrockneten Fingern und blickte an sich herunter. „Ach, kannst du noch mal sagen, wie du meine formvollendeten Brüste genannt hast?“ „Möpse, meine Liebe.“ Sabine drehte sich mit einem Lächeln zu Martina um. „Ich habe das sehr wohl gehört, bin mir aber nicht ganz sicher, ob das als Kompliment gedacht war. Zumindest glaube ich nicht, dass er mich damit ärgern wollte.“ „Glaube ich auch nicht, angeblich steht er ja auf Übersichtlichkeit.“ „Ach, meine Süße, auch wenn ich dich manchmal um Fülle und Form beneide, glaube ich nicht, dass man bei dir nun notgedrungen die Übersicht verliert.“ „Nein, das vielleicht nicht, aber…“ „Darf ich die Damen vielleicht an dieser Stelle unterbrechen?“ Markus tippelt mit den Fingern auf den Küchentisch: „Und Martina, wenn du gegebenenfalls bereit wärst, den Gegenstand der Erörterung und auch den Rest hübsch ordentlich zu verpacken, dass wir uns hier bald vom Acker machen könnten.“ „Ja, ja, so sind sie“, stöhnte Martina, „erst küsst er einem die Füße und schmeichelt, damit ich mich herab lasse, mit ihm mitzukommen, und jetzt kommandiert er mich rum, als wäre ich sein Dienstmädchen.“
„Martina, bin ich froh, dass er dich überreden konnte mitzukommen. Ich hatte schon befürchtet, den ganzen Abend allein mit den Langeweilern verbringen zu müssen.“ Alessandra umarmte Martina. Markus zuckte mit den Schultern: „Das war nicht schwer, sie zu überreden. Als sie hörte, dass du kochen würdest, hat sie ihr Fertiggericht in den Müll geschmissen und ist mir hinterher gerannt.“ „Alessandra,“ sagte Martina „ Für Dein Essen würde ich Einiges tun. Nur sicherlich würde ich für nichts in der Welt diesem Trottel hinterher rennen.“ Markus begrüßte Hassan. „Tut mir Leid, dass ich die Nervensäge mitgebracht habe, aber sie hat sich aufgedrängt.“ Hassan lachte: „Ich glaub dir kein Wort.“ Er ging zu Martina und umarmte sie: „Schön, dass du kommen konntest. Wo ist Sabine, hatte sie keine Zeit?“ „Nein, es tut ihr leid, aber sie hat eine Verabredung.“ Martina trat Markus unauffällig aber schwungvoll gegen den Fußknöchel. Dieser drückte Alessandra deswegen etwas zu fest. „Nicht so stürmisch, mein Freund.“ Alessandra schob Markus zurück. „Heb dir das für den Fall auf, dass dir mein kleines Essen ein bisschen schmeckt.“ Markus versuchte, den Schmerz zu unterdrücken, und murmelte etwas wie: „Bei Deinen Kochkünsten sind Vorschußlorbeeren nie falsch am Platz.“ Hassan öffnete eine der Flaschen, die Markus aus den Beständen von Sabine und Martina mitgenommen hatte und sie tranken gemeinsam einen Begrüßungsschluck im Wohnzimmer. „Trifft sie David.“ fragte Alessandra an Martina gewandt. „Ja. Er ist in der Stadt, um sich mit Reser-Weiden zu treffen.“ „Was hecken die beiden aus?“ fragte Hassan. Alessandra antwortete. „Reser-Weiden übernimmt Anfang März die Dritte Brigade und David wird eines seiner Bataillone übernehmen.“ „Oh, dann kommen die beiden wieder zusammen?“ „Ja“, bestätigte Alessandra, „war es aber eher Zufall. Beziehungsweise Teichert-Waldesleben wollte es wohl so, munkelt man.“ „Du bist ziemlich gut informiert.“ stellte Martina fest. „Ich bin zwar nur noch Ausbilderin, aber ich bin ja immerhin noch Agentin.“ Alessandra lachte. „Musst du eigentlich noch immer diese monatlichen Berichte über Hassan schreiben, ob er sich gut benommen hat?“ Markus war an Militärischem an diesem Abend nicht interessiert und hatte den Schalk im Nacken. „Ja, sicherlich. Ich sollte ihn ja nur heiraten, weil du nichts Gescheites aus ihm herausbekommen hast. Seitdem ich ihn um den Finger gewickelt habe, sind wir wieder bestens über seine Verschwörungen im Bilde.“ „Ach, er hatte mir mal gesagt, du hättest ihn geheiratet, weil er so ein toller Liebhaber ist.“ „Toller Liebhaber. Ja, ja, das sagen sie alle.“ Alessandra warf einen bedingt schmeichelhaften Blick auf ihren Mann. „Markus, du weißt ja vielleicht, wie das mit Agenten so ist. Wenn er seine gierigen Tentakeln nach mir ausstreckt, mache ich die Augen zu und denke an England!“ Bis auf Hassan fanden das die Anwesenden recht lustig, Selbiger machte eine herrische Handbewegung und sagte: „Weib, wolltest du nicht in die Küche gehen und dafür sorgen, dass das Essen bald auf den Tisch kommt?“ „Ja, Herr und Meister, das wollte ich gerade tun, und danke noch mal, dass du mich in Deinen Harem aufgenommen hast.“ Alessandra küsste ihren Mann, zu Martina gerichtet sagte sie: „Meine Liebe, Markus schwärmt immer von Deinen Kochkünsten, möchtest du mir nicht vielleicht helfen?“ Martina nickte: „Ja, ich komme gerne mit und ich verspreche auch, nichts anzufassen.“ Als die beiden den Raum verlassen hatten, sagte Hassan zu Markus: „Sie mag Dich.“ „Martina?“ entfuhr es Markus. „Ja.“ Hassan zuckte mit den Schultern: „Also Alessandra mag dich auch, aber die werde ich kaum hergeben.“ „So, so, die würdest du kaum hergeben. Aber du könntest dir schon vorstellen, Martina herzugeben, ja?“ „Hm.“ Hassan überlegte: „Für zehn bis zwölf Kamele ließe sich da was machen.“ „Zehn bis zwölf, ja? Und sag, da du Sabine ja etwas dürr findest, würden es da vielleicht auch fünf tun?“ Hassan nickte: „Das wäre angemessen. Das Problem ist nur, dass Ihr nicht so recht zueinander passt.“ „Aha, so was hältst du für ein Problem.“ Markus schüttelte den Kopf: „Mal im Ernst, wo du offensichtlich gar nichts von Frauen verstehst, wie hattest du das nochmal mit Alessandra hingekriegt?“ „Hast du ja gehört, ich bin der beste Liebhaber zwischen Orient und Okzident.“ Markus sah seinen Freund mit offenen Augen an: „Also bist du tatsächlich in irgendwelche Verschwörungen verwickelt.“
Markus stöhnte nach sehr reichlichem Essen. „Weißt Du, Martina.“ Hassan hatte sich im Sofa zurückgelehnt und rauchte. „Ich glaube, Markus steht auf Dich.“ Markus Wohlbefinden vergrößerte sich nicht und er sah Hassan mit weiten Augen an, die sich dann finster schlossen. „Ich weiß“ sagte Martina ungerührt. „Er liebt mich. Aber sagt, wo wir vorhin von James Bond gesprochen haben. Kennt Ihr den, wo der Böse alle Männer, die größer als er sind, mit einem Virus umbringen will?“ „Ja, der allererste.“ sagte Alessandra zustimmend. „Nun ist Markus nicht so klein“, fuhr Martina fort, „aber, wenn er alle beseitigen würde, die attraktiver sind als er, würde ich mich vielleicht mit ihm abgegeben, weil er dann der einzige Mann auf der Welt wäre.“ „Großer Spaß, haha.“ Markus nickte. „Aber wenn ich der letzte Mann auf der Welt wäre, warum sollte ich mich ausgerechnet mit dir einlassen? Ich könnte mich ja zum Beispiel auch an Alessandra halten.“ Martina winkte ab: „Nachdem sie mit dem einzigen würdigen Nachfolger von Casanova verheiratet war? Vergiss es. Aber, ich weiß, vermutlich denkst du an diese kleine Schlampe von einer Provinzprinzessin.“ Alessandra hatte Hassan bei dem Vergleich mit Casanova einen liebevollen Blick zugeworfen und sah ihn jetzt fragend an. „Karen Maria.“ gab der zur Antwort. „Markus’ Jugendliebe.“ „Unerfüllt?“ fragte Alessandra nach. „Klar.“ bestätigte Hassan mit einem Lachen. Wieso das jetzt so klar war, fragte Markus sich und Alessandra sah ihn mitleidig an: „Das ist traurig.“ Hassan lachte erneut: „Ja, und sie weiß, wovon sie spricht. Ich musste schon acht bis zehn ihrer ehemaligen Klassenkammeraden, die hier an der Tür gescharrt hatten, töten, weil sie nicht über sie hinweggekommen sind.“ Markus verzog den Mund: „Tolle Freunde hab ich. Eine arrogante Zicke, die sich wer weiß was einbildet. Ein Araber, der mich von einer Peinlichkeit in die nächste stürzt, um sich dann köstlich über seine eigenen Witze zu amüsieren. Nur Alessandra hat Herz. Liebste.“ Sagte er an sie gewandt. „Willst du den verfluchten Kerl nicht vom Hof jagen und mich heiraten?“ „Aber das würde ich, mein Schatz. Das Problem ist nur, dass ich Major bin und wirklich keinen kleinen Hauptmann heiraten kann. Das hat aber bestimmt nichts mit dir zu tun.“ „Kleiner Hauptmann! So hat mich Sabine heute auch genannt. Eins kann ich euch sagen, meine Lieben, wenn ich erst General bin, sehe ich euch mit dem Arsch nicht mehr an.“ Martina stand auf und küsste ihn. „Aber natürlich würdest du uns dann noch kennen, du liebst uns schließlich. Mich würdest du dann vielleicht sogar heiraten dürfen.“
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