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| Kap3.01 WG Frühstück |
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„Erhängen sollte man die alle!“
In der WG las man den Anzeiger, eines der weniger liberalen und vermeintlich wirklich unabhängigen Blätter. Die Titelstory handelte, wie fast jede Woche, von den Demonstrationen. Bilder gab es in dieser Zeitung nicht, aber Melanie malte die Szene bildlich aus. Eine Gruppe Polizisten hatte eine Demonstrantin aus der Menge gezerrt und mit Knüppeln, Schlägen und Fußtritten malträtiert. Die arme Frau lag nun in der geschlossenen Abteilung des Klinikums und die Ärzte wollten dem Anzeiger gegenüber keine Aussagen über ihren Zustand machen. Melanies volle Wangen, die zur Blässe neigten, färbten sich während ihrer Schilderung rosa.
„Ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles passiert, ohne dass die Zeitungen davon Wind bekommen“, pflichtete Claas vorsichtig seiner Freundin bei.
Markus liebte diese Sonntage, an denen der Frühstückstisch vor Leben brodelte. Wobei es aus Platzgründen ein Glück war, dass Tobias und Katrin noch im Bett lagen. Tobias war während des Studiums aufgewacht. Nach einer kurzen Affäre mit Ellen war Katrin nun schon Nummer drei. Lars hingegen hing immer noch mit Meike rum.
Lars übernahm. „Die Wahrheit ist doch: die Arbeiter, die jetzt auf die Straße gehen, haben völlig recht, und die Armee bricht die Verfassung, weil sie Angst hat, an zweite Stelle zu rutschen. Sie nutzen den Angriff der Föderation im letzten Jahr, um hier die Fesseln enger zu legen. Zu allem Überfluss ist dieser Hardliner Sowinski nun doch Rüstungsministers geworden und wiederholt Gebetsmühlenartig die Gefahr eines neuen Krieges. “ Lars atmete kurz durch und suchte jemanden, an den er das Wort weitergeben konnte. „Was denkst Du, Markus?“
Markus sah sich zu einer weiterführenden Erläuterung genötigt. „Was das heißen soll? Na ja, die Wahrheit ist: wir wissen es nicht genau. Ja, ich würde mir ja auch wünschen, dass es das ist, dass die Armee nur versucht, ihre Felle lange trocken zu halten. Nur halt: ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob der Friede anhält.“
Tobias kam mit Katrin im Schlepptau. Markus hatte weder das Bedürfnis der weiteren Nahrungsaufnahme, noch diese Diskussion voranzutreiben. Also bot er seinen Platz feil und ging, den allgemeinen Teil der Zeitung heimlich raffend, in sein Zimmer.
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