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Kramer dämpfte noch einmal die Erwartungen. „Der Mann, den wir sprechen werden, ist, wie gesagt, nicht der Kopf. Aber er hat gute Beziehungen, und er ist ein helles Bürschchen. Er wird uns verstehen.“ Kramer klopfte, und die Wohnungstür ging erst nach einer ganzen Weile auf. Borgaard erkannte den Grund für die Verzögerung.
Der Verbindungsmann ging auf Krücken. Dem Mann der Abwehr fiel spontan der Name des Mannes ein, er hatte das Dossier über Thies gelesen. Thies war der Idealkunde für eine revolutionäre Bewegung und stand gleich nach der Auflösung des Betriebsratsgipfels unter Beobachtung. Aber offensichtlich waren die Organisation und die Verschleierungsvorkehrung der Demonstranten besser als von G2 angenommen, denn man hatte ihm bislang keine Verstrickung nachweisen können. „Johnatan, das ist der Abgeordnete Mathias Borgaard, der mit mir im Verteidigungsausschuss sitzt.“ Er wandte sich an seinen Parlamentskollegen. „Das ist Johnatan Thies von den KG Werken in Flensburg.“ Borgaard nickte freundlich und gab Thies die Hand. „Ich wusste doch gleich, dass ich Sie kenne. Sie haben bei Flensburg gespielt, nicht wahr? Ich erinnere mich noch gut, wie Sie uns ordentlich eingeheizt haben. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich seit Langem im VFB bin.“ Borgaard lachte. Thies grinste und fragte. „Sie kommen aus Lübeck?“ „Ja, das ist mein Wahlkreis, und ich bin auch dort geboren. Echte Lübecker sind wir Borgaards nicht, aber Hanseaten, wenn man so will. Meine Familie stammt von Gotland und meine Eltern sind vor vierzig Jahren hier hergekommen.“ Die Familienchronik war soweit echt und Borgaard war tatsächlich Mitglied im VFB Lübeck. Aber er war nicht oft bei einem Handballspiel gewesen. Er war Fußballanhänger und da war der VFB auch erfolgreicher. Thies nickte nun auch freundlich. „Ja, ja, das waren immer heiße Tänze in Lübeck. Auswärts hat die Mannschaft ja nicht so viel gerissen, aber zu Hause waren sie eine Macht.“ Er bewegte sich mühsam zum Konferenztisch. Als sie den vorbereiteten Kaffeeersatz auf die Becher verteilt hatten, begann Kramer. „Johnatan, wir laufen in einen Krieg – nicht wir gegen das Regime, sondern in einen echten Krieg mit der Awarischen Föderation. Der Mathias und ich sind die Einzigen, denen der Generalstab im Moment vertraut. Wir haben Informationen und möchten dich bitten, sorgfältig zuzuhören und dem Komitee diese Informationen weiterzuleiten.“ ‚Komitee?’ Borgaard kam um die Feststellung nicht herum, dass sie die Demonstranten bislang unterschätzt hatten. Thies umfasste die Tasse, trank einen Schluck und nickte konzentriert.
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