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„Du musst Hassan sein. Ich bin Sabine.“ Sabine schenkte Hassan ein Lächeln und reichte ihm die Hand. „Ich darf doch Hassan sagen?“ „Aber sehr gern.“ Hassan erwiderte den Händedruck und verbeugte sich leicht. „Darf ich dir Martina vorstellen?“ Martina hatte Hassan sorgsam ins Auge gefasst. Offenbar war die Beurteilung positiv ausgefallen, denn auch sie lächelte und reichte Hassan die Hand. „Hallo.“ „Martina, es freut mich. Hassan.“ „Markus erzählt viel Gutes von Dir. Und seine Freunde sind auch meine Freunde, denn er irrt sich in solchen Dingen selten.“ Markus trug knielange Hosen und hatte den Grill im Sand abgestellt.
Er schwitzte etwas und wollte sich gerne im Meer abkühlen. Nun war er geneigt, auf das Kompliment von Martina zu reagieren, befand dann aber, dass es doch eher Eigenlob war, da sie kaum jemand anderes als sich und Sabine gemeint haben konnte. Er machte es kurz und wandte sich an Hassan. „Na, wenn wir das geklärt hätten, können wir vielleicht ins Wasser gehen.“ Dann blickte er noch kurz zu den Mädchen und schob die Unterlippe vor. „Ihr seht im Bikini gar nicht so schlecht aus.“ Sabine und Martina nickten großherzig. Und Hassan, dem nicht allzu viel am Baden lag, fügte sich nach einem kurzfristigen Hochziehen der schwarzen Brauen, dem er ein Lächeln an die Damen anschloss.
Markus hatte den Grill schließlich aufgebaut und die Mädchen hatten Würste und Maiskolben dazu mitgebracht. Aus der Kühlbox hatten sie noch vier Flaschen Bier gezaubert, die sie gemeinsam tranken, während die Holzkohle durchzog. „Ihr Lieben, habt Ihr das ganze Zeug zum Bus geschleppt und dann hierher? Tapfer seid Ihr.“ Markus betrachtete sie anerkennend. „Nicht ganz“, antwortete Martina. „Aber danke für die Blumen.“ Markus runzelte die Stirn. „Nicht ganz heißt: irgendein Typ hat euch gefahren und die Sachen geschleppt?“ Martina verzog gelangweilt den Mund und Sabine übernahm. „Irgendein Typ würde ich vielleicht nicht sagen, aber ein Gentleman war so frei, uns zu helfen.“ Hassan sah Markus‘ ungnädige Reaktion und sich geneigt, die beiden zu unterstützen. „Niemand kann erwarten, dass so zarte Arme schwere Körbe tragen. Es ist mehr recht als billig, dass sich da ein Herr einfindet, den Damen zu helfen.“ Damit übernahm Hassan das Gespräch mit Sabine und Martina, während sich Markus um das Grillen kümmerte. Er war gar nicht mal anderer Ansicht als Hassan. Er wollte es nur so nicht zeigen. Der Abend wurde lang und auf die Biere folgte Wein. Markus hatte sich keine lange Hose mitgenommen, aber der August war auch zu Beginn der Nacht mit seinen Kurzen halbwegs erträglich. Markus sprach nicht viel an diesem Abend. Er beobachtete Hassan und die Mädchen und dachte bei sich, dass er schon Glück hatte. Hassan gefiel Markus. Die Mädchen gefielen ihm ohnehin. Sabine wandte sich an ihn, während Hassan und Martina über die Föderation sprachen. „Hast du gehört, dass David jetzt S3 im Regiment bei Reser-Weiden geworden ist?“ „Echt? In Finnland?“ Markus hatte davon natürlich nichts gehört. „Ich dachte, er ist ein unverbesserlicher Streber und Finnland sei nicht die Gegend, sich zu profilieren.“ „Ich glaube, Reser-Weiden war das ausschlaggebende Moment. Er wird danach hoffentlich nach Kiel an den Stab kommen.“ Markus nickte. „Dann hat sich vermutlich doch keine Charakterverbesserung eingestellt.“ Er stellte das Nicken ein. „Wirst du ihn heiraten?“ Sabine lächelte. „Hätte ich denn Deinen Segen?“ Markus schaute halb lächelnd. „Ist es so schlimm, dass du mich nach meiner Meinung fragst?“ Sabine schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht.“ „Okay“, sagte Markus, „also doch so schlimm.“ Er rieb sich die Nase. „Du Süße hast doch immer einen Plan. Wie sieht der Zeitplan aus? Bleibt Ihr beiden mir noch ein bisschen erhalten?“ Sabine zögerte. „Du weißt, wie man mit sorgfältigen Plänen umgeht?“ Markus nickte langsam. „Man passt sie an, sobald neue Informationen kommen.“ Sabine stimmte mit einer Geste zu. „Ich bin dieses Jahr vierundzwanzig geworden. Ich werde nicht heiraten oder mit jemandem zusammenwohnen – außer mit Martina natürlich – ehe ich, sagen wir, siebenundzwanzig bin. Bis dahin fließt viel Wasser die Moldau hinunter. Aber nach gegenwärtigem Stand wäre David eine Option.“ Markus nickte, nun etwas schneller, und lachte dann. „Das ist eine lange Bewährungsstrafe, aber ich kann dir nur zustimmen. Selbst dann werdet Ihr euch kaum fünf Jahre kennen.“ „Bewährungsstrafe, ja.“ Sabine lächelte. „Martina nennt das Vorspiel.“ Sie lachte. „Aber sie war schon immer etwas frivoler.“ Markus lachte nicht wirklich mit. „Befindet sich die Gute auch in der Phase des Vorspiels?“ Sabine sah ihn nun mit zusammengezogenen Brauen an. „Ich weiß nicht, ob es dich was angeht.“ Markus schüttelte den Kopf. „Nein, tut es nicht. Aber erzähl es trotzdem.“ Sabine sah neben sich zu Martina, die sich noch im intensiven Austausch mit Hassan befand. Dann sah sie wieder Markus an und zuckte mit den Schultern. „Offen gestanden weiß ich es nicht so genau. Ich müsste sagen, da ich sie gut kenne: nein. Aber sie wirkt manchmal ein bisschen so.“ „Du weißt es nicht?“ Markus sah sie mit offenen Augen an. „Aber du bist sicher, dass es nicht David ist?“ Martina hatte wohl den letzten, zu laut gesprochenen Satz aufgeschnappt und wandte sich an die beiden. „Was redet Ihr? Ich befürchte schon, dass sie sich mit David einigermaßen sicher ist.“ Markus, im Bewusstsein, dass Martina endlich mal etwas falsch verstanden hatte, nickte freundlich und sagte zu Hassan: „Sabine liebt so einen Schnösel von den Grenztruppen.“ „David Ballard?“, fragte Hassan erstaunt. Die drei anderen blickten ihn an. Markus fragte: „Du kennst ihn?“ „O nein, nicht persönlich. Aber wir haben – also wir damals in der Föderation – haben von ihm gehört.“ Hassan sah zu Sabine. „Sabine, ich muss sagen, du bist schöner als Markus in seinen reichen Worten beschreiben konnte, und sicher kann dir kein Mann das Wasser reichen. Wenn es aber jemand wagen dürfte, dann sicherlich ein Mann wir David Ballard.“ Er wandte den Blick zu Martina. „Martina, verzeih das einseitige Kompliment. Ich hoffe für meine Sicherheit und Dein Seelenheil, dass es noch mehr von dieser Sorte gibt.“ Martina lächelte. „Es sind nicht viele, aber ich habe sie im Auge.“ Sie sah kurz zu Markus. „Die meisten sind aber leider Flachpfeifen.“ Sie lachte.
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