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Markus kam den Flur entlang auf dem Weg in die Küche und blickte, bevor er abbog, kurz nach links in Sabines Zimmer. Das bereute er in gewisser Weise. In gewisser Weise auch nicht. Sie stand mit dem Rücken zu Tür, nur mit einer Jeans bekleidet, vor dem Spiegel und war gerade dabei, sich eine Jacke anzuziehen. Markus wandte sich mit einem Schlucken in Richtung Küche. „Hey“, rief Sabine ihn zurück. „Wie findest Du, sehe ich aus?“ Markus drehte sich wieder zu ihr um und sah sie auf dem nackten Oberkörper eine Lederjacke tragen. Er räusperte sich und antwortete: „Like a true nature’s child.“
Sabine lachte. „Oh, prima. Kannst du vielleicht gucken, ob wir das da haben?“ Markus schluckte noch einmal und nickte dann. Er sah noch kurz in die Küche und grüßte Martina. Dann ging er ins Wohnzimmer, wo ein Aushängeschild heimischer Digitaltechnologie in Gestalt einer Anlage stand. Sie erfreute sich allerdings, soweit Markus das beurteilen konnte, wenig Zusprache. Die Anlage hatte ein Display und eine Festplatte, beides Dinge, die man in gewöhnlichen Haushalten nicht fand und die selbst an einigen Uni-Instituten selten in dieser Qualität vorhanden waren. Die Lieder konnten nach verschiedenen Kriterien geordnet werden und Markus fand „Born to be wild“, lenkte die Hauptleistung auf die Boxen in der Küche und ging selbst dorthin. Sabine spielte auf der Luftgitarre und Martina schüttelte lachend den Kopf. „Was ist los?“, fragte Markus. „Kommt David?“ Martina nickte und verdrehte die Augen. „Er ist wegen einer Besprechung einige Tage hier.“ Markus setzte sich zu Martina. „Und sie will so mit ihm losgehen?“ Sabine umarmte ihn von hinten, und als sie sprach, unterließ sie es auch, ihn im Takt der Musik zu schütteln. „Nein, mein Lieber. Ich zieh mir gleich was Ordentliches an. Das hier ist nur für Dich.“ Sie verzog den Mund. „Auch, wenn du dich mit dem Rücken zu mir gesetzt hast.“ Markus wandte sich zu ihr, blies aus dicken Backen die Luft aus und drehte sich wieder halb ab von ihr. „Das habe ich nur getan, um dich zu schützen. Anderweitig gäbe es die Gefahr, dass ich über dich herfalle, meine Süße.“ „Und“, fragte sie kokett. „Wie tanze ich?“ „Wie Zizi Jean-Maire“, gab Markus knapp zurück. Martina lachte. „Auch wenn niemand weiß, wie die getanzt hat. Zumindest redet sie meist nicht wie Marlene Dietrich.“ Markus nickte. „Manches passt und manches nicht.“ Sabine lächelte ihn an. „Und möchtest du wissen, woran ich denke, wenn ich abends allein im Bett liege?“ Markus schüttelte den Kopf. „Aus Rücksicht auf meine Contenance möchte ich mir nicht mal nicht vorstellen, wie du da liegst, Hübsches.“ „Das hast du lieb gesagt, mein Engel.“ Sie küsste ihm auf die Wange und verschwand dann, als das Lied vorbei war. Martina regelte die Lautstärke etwas runter und Markus nickte ob dieses Fernschalters anerkennend. Nicht dass er so etwas nicht auch hätte bauen können, aber es wunderte ihn, dass jemand all die Teile dafür organisieren konnte. „Wie läuft es mit Deinem Mitbewohner, immer noch gut?“, fragte Martina. „Ja, wirklich ganz gut“, gab Markus zurück. „Ich denke, dass kann was werden.“ „Gut.“ Martina teilte nach den Malen, wo sie die beiden gesehen hatte, die Einschätzung. „Was meinst Du, drängen wir uns gleich Sabine und David auf und stören ihr Techtelmechtel oder bleiben wir hier, hören ein bisschen Musik und besaufen uns?“ „Ach, du weißt, Schnecke, mit dir sauf ich am liebsten.“
David kam, von Martina hereingelassen, ins Wohnzimmer, in das sich die beiden verlegt hatten, und begrüßte Markus, indem er ihn an die Schultern fasste und ein bisschen schüttelte. „Hallo, mein Lieber. Wie ich höre, arbeitest du jetzt für die Abwehr.“ „Ja, ich spiel’ den Fremdenführer für den Flugzeugmann.“ „Ich muss ihn unbedingt kennen lernen. Ihr müsst mich mal zum Essen einladen.“ „Mein Guter, du bist uns immer willkommen. Allerdings kann man nicht gerade behaupten, dass du besonders gut greifbar wärst. Wie läuft es bei den Grenzern?“ „Nun ja, in Finnland ist es kalt, aber ruhig. Ab und zu finden ein paar kleinere Sachen mit diesem Katalev statt. Er ist so ein Steppenfürst.“ „Nicht so gut wie Steppenwolf, hm?“ Das verstand David nicht unbedingt und Markus setzte nach. „Du bist jetzt S3 im Regiment von Reser-Weiden?“ „Ja, mit ihm ist die Pampa etwas erträglicher. du kennst ihn ja.“ Markus schob die Lippen vor und nickte. „Und mal abgesehen von den Mühsalen des täglichen Überlebens sieht es ja sonst für dich noch immer ganz gut aus. Kein großer Einbruch in der Karriereplanung soweit.“ „Passt schon.“ Er verzog einen Mundwinkel, sah dann zu Martina und fragte Markus. „Und was macht Ihr heute Abend?“ „Ach, das übliche, tägliche Überleben. Kaum sind wir zu zweit, fällt sie über mich her und schleckt mich ab. Sie ist ein wildes Biest.“ Sabine betrat, schicklich, aber nach Markus‘ Geschmack bei Weitem nicht so gut gekleidet wie einige Minuten vorher, den Raum. „Hallo David, bist du soweit?“ Er sah sie an und strahlte. „Prinzessin, wann immer Ihr es befiehlt.“ „Gut, dann lass uns los.“ Sie schaute zu Markus und Martina. „Macht kein‘ Scheiß, Ihr Süßen.“ Markus nickte, Martina warf ihr einen Luftkuss zu. David verabschiedete sich bei Markus mit einem leichten Boxen in den Bauch und verneigte sich dann mit einem Lächeln vor Martina. Martina erwiderte das Lächeln, wobei sie ein Auge etwas zukniff.
„Ich bin also ein Biest?“ gab Martina ohne Lächeln an Markus, als die Wohnungstür ins Schloss fiel. „Teuerste, Blütenblatt, Schneeflöckchen, kleiner Schmetterling, Herzenswärme, ein Schuft und Rufmörder, der so etwas behaupten würde. Ich würde nicht zögern, ihn auf die Wiese zu bestellen. Du bist die Treue, du bist die Tugend!“ Und er zitierte. „Oh, bewahr in Deinem Schoße deutsche Tugend, deutsche Treu.“ So leicht war Martina nicht zu umschmeicheln. „Nun, könnte es sein, dass hier im Raum ein Schuft zugegen ist?“ „Sternenglanz, im Vergleich mit Deiner Reinheit ist jeder Mensch ein Schuft. Im Vergleich mit Deinem Lichte, jeder Mensch ein Schattentier.“ „Was sind Schattentiere?“, fragte Martina, die Stirn runzelnd. Markus zuckte mit den Schultern. „Weiß ich auch nicht genau. Soll ich einen Wein aufmachen oder wollen wir erst was kochen?“ „Von Kochen und Wir kann jawohl nicht die Rede sein. Aber ich erwäge, dir beim Kochen mit einem Glas Wein Gesellschaft zu leisten.“ „Hatte ich schon was über Dein großes Herz gesagt?“
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