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„Es heißt ja eigentlich; Hunger muss man nicht lernen, das kann der Körper von ganz alleine. Aber bei diesem Lehrgang hieß es trotzdem: Nahrungsentzug. Es war kalt. Und wir waren hungrig – kaum noch am Leben“, fügte Markus gewichtig hinzu. „Du redest aber nicht vom Winter 65, oder?“ Martina wirkte etwas ungeduldig. „Du meinst, als Richmond fiel? Na, vielen Dank. Ich dachte, Ihr wolltet wissen, wie die Übung war.“ „Ja, ja. Aber bleib auf dem Teppich. Es ist ja nun nicht unbedingt so, dass du vom Fleisch gefallen wärst.“ „Es ist nun aber auch nicht so, dass man erst extrem abmagert, bevor sich der erste kleine Hunger einstellt.“
„Okay, Ihr hattet Hunger.“ Mit einem Lächeln fügte sie hinzu: „Und es war kalt.“ „Ja, es war kalt. Einer aus der Gruppe hat sich zwei Zehen abgefroren.“ Sabine nahm etwas mehr Anteil als Martina und bemerkte: „Es heißt, fünfzehn Prozent der Teilnehmer würden bleibende Schäden bekommen.“ Markus nickte. „Ja, das heißt es. Passt bei unserer Gruppe auch ganz gut.“ Entschuldigend sagte er zu Martina: „Allerdings gehöre ich wohl nicht zu dieser spannenden Minderheit.“ „Bei dir sind noch alle Zehen dran?“, erkundigte sie sich pflichtschuldig. „Ich hab sie nun jüngst nicht nachgezählt, aber ich bin guter Hoffnung.“ „Wieso heißt es eigentlich Einzelkämpferlehrgang, wenn ihr in Gruppen unterwegs seid?“ „Die letzten achtzig Kilometer geht man alleine.“ „Quasi zwei Marathonläufe.“ „Ich bin nicht gerade gelaufen. Ich bin geneigt zu sagen: ich bin geschlichen.“ „Auch wegen des Hungers“, ermunterte Martina ihn nun. „Ja. Wenngleich sich, bevor wir uns trennten, noch eine gewisse Erleichterung eintrat. Jemand fand eine alte Steckrübe. Sie muss wohl irgendeinem Bauern vom Wagen gefallen sein und lag nun dort seit der letzten Ernte. Sie war dunkel und schrumpelig, aber wir haben sie geschlachtet und mit Wonne gegessen.“ „Du bist ein armer Hutschi.“ „Das ist wahr. Immerhin erhöht das Abzeichen meine Chancen auf eine feste Reservestelle.“ Markus wies auf einen Beutel mit Abzeichen, die den bestandenen Lehrgang bezeugten und nun an sämtliche Jacken und Hemden zu nähen waren. „Du hast dich auf eine Zugführerstelle hier in der Nähe von Kiel beworben, oder?“ „Ja, bei den Panzern.“ „Die Aussichten für einen vom Heimatschutz sind nicht übermäßig gut, wie man hört. Erst werden die Reservisten aus den Feldeinheiten versorgt.“ Markus nickte. „Im Notfall muss ich mich für eines dieser dämlichen Infanterieregimenter bewerben. Besonders wenn das mit Kiruna klappen sollte. Das wäre zwar gut, würde aber meine Übungsbilanz etwas trüben.“ „Wie laufen denn die Vorbereitungen für Deinen Test.“ „Ja, ich fang bald an.“ Sabine stemmte die Hände in die Hüften. „Du denkst auch: ist ja egal, ob ich mich anstrenge oder nicht.“ „Na ja, entweder enttäusche ich Sörensen oder meinen Sachbearbeiter in der Personaldienststelle.“ „Mein Lieber“, Sabine hob den rechten Zeigefinger, „du hast die Möglichkeit, Sörensen zu sagen, dass dir die Armee wichtiger ist. Oder du bestehst dieses verdammte Auswahlverfahren. Verstanden?“ „Okay.“ sagte Markus geschlagen. Dann grinste er, vom Thema ablenkend: „Und was ist hier so passiert?“ Sabine betrachtete das Thema auch als erledigt. „Es steht jetzt fest, dass Sowinski für den Posten des Wirtschafts- und Rüstungsministers kandidiert. Er ist dabei, Stimmen zu sammeln, aber die Wetten stehen gegen ihn.“ „Keine Belohnung für seine Beteiligung am Putsch gegen von Rechtensberger?“ Sabine schüttelte den Kopf. „Undank ist der Welten Lohn.“ „Und sonst?“ „Es heißt, die Föderation würde ihre Truppen an der Grenze umgruppieren.“ „Manchmal ist es doch gut, nicht bei den Feldeinheiten zu sein.“ Plötzlich sah er zu Martina. „Sagt mal, wo ich so über meinen Nahrungsentzug geklagt habe. Habt Ihr Süßen denn immer genug zu beißen gehabt? Ich mein: das Essen macht sich ja nicht von alleine.“ Sabine lachte. „Wir haben uns auf alte Tugenden besonnen.“ „Alte Tugenden? Spiegeleier?“ „Lass dich überraschen.“ „Ihr habt gekocht?“ Er zog die Stirn hoch. „Für mich?“ Martina lehnte sich lächelnd vor. „Für wen, wenn nicht für unseren kleinen Einzelkämpfer?“ „Euch hab ich gar nicht verdient.“ Martina nickte.
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