Photo by dp

Kap2.01 Mensa Drucken

Claas kam spät. Offenbar machten die in den Agrarwissenschaften nicht so pünktlich Schluss. Markus hatte sich sein Essen schon geholt und einen Tisch weitab der Essensausgabe gesucht. Im Gegensatz zu den Mannschaftskantinen der Armee,  – mit dem Offizierskasino wollte Markus den Vergleich gar nicht anstellen – hatte die Mensa einen entscheidenden Nachteil. Geschirr und Besteck wurden nicht von eifrigen Rekruten oder weniger eifrigen Gefreiten abgewaschen, die sich etwas zu Schulden hatten kommen lassen, sondern von riesigen Spülmaschinen. Auf diesem Gebiet hinkte die Technologie der Allianz den verblichenen Generationen allerdings noch nach.

Der von den Geräten produzierte, spülmittelversetzte Wasserdampf durchströmte munter den Bereich der Essensausgabe und dominierte im ungleichen Kampf mit der dargebotenen Nahrung das Geruchsbild. Ebenso schwer wog der Kontrast zwischen der feuchten, warmen Schwüle drinnen und der kalten, trockenen Winterluft draußen. Dem lärmenden Treiben der Studenten konnte sich Markus durch die Platzwahl nicht entziehen, aber das nahe gelegene Fenster war nur halb beschlagen und bot einen Ausblick auf das ruhige Treiben des schneebedeckten Campus.
Markus sann über das Gespräch mit Professor Sörensen nach. Sicher, er hielt sich für einen begnadeten Physiker, aber er dachte bislang, es sei sein Geheimnis gewesen. Wenn er offen zu sich war, hatte er häufig genug überhaupt keinen Plan. Er machte sich allerdings auch wenig Sorgen. Markus ging davon aus: das Wissen und Verständnis würde schon kommen, wenn er es brauchen würde. Aber Sörensen schien aus unerfindlichen Gründen geschlossen zu haben, dass Markus doch ein bisschen was verstand.

 

 

Er stopfte sich den Grünkohl in den Mund. Wenn das ausreichen würde, um für den Kurs in Kiruna ausgewählt zu werden, sollte es ihm recht sein. Auf der anderen Seite dürfte er den Professor jetzt nicht enttäuschen. Er mochte ihn. Und das hieß, dass er sich nun eine Weile hinsetzen musste, um im Auswahlverfahren zu bestehen. Die Prüfung zur Teilnahme an dem Kurs sollte Anfang des Sommersemesters stattfinden  – er ließ die Gabel hängen. Auf dem kommenden Lehrgang in den Semesterferien würde er wohl kaum Zeit finden, sich vorzubereiten.

 

„Hey, haben sie da Schlafmittel rein getan oder weshalb kuckst du wie halbtot?“ Claas war gekommen und setzte sich ihm fröhlich gegenüber.
Markus schaute auf. „Was ist denn mit dir los. Hast du Aufputschmittel genommen oder hat dich ein Mädchen geküsst?“
Claas grinste, wackelte ein bisschen mit dem Kopf und schnitt gelassen in seine Kochwurst.
Markus riss die Augen auf. „Wie viele Hektar hat sie?“