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Kap2.27 Mangold in Blätterteig Drucken

 

Markus hatte am Tag nach dem Gespräch mit Reser-Weiden für die Mädchen gekocht. Martina hatte irgendwo Mangold in Blätterteig gegessen und wollte das unbedingt an diesem Abend wiederholt haben. Mangold war nach Markus‘ Dafürhalten ein eher zweitklassiges Gewächs. Er bevorzugte Blattspinat oder auch Grünkohl. Aber wenn die Dame es so wollte. Dem ungenauen Rezept von Martina fügte er noch Käse und zwei Eier hinzu. Er nutzte reichlich Salz, Pfeffer und Muskat und lobte sich schließlich selbst. Martina war zufrieden gewesen.

 


Nach dem Essen saßen sie auf der Terrasse und rauchten. Es war abends schon kälter geworden, aber nach dem Essen tat die frische Luft – und der Tabak – gut.
„Nun hast du noch gar nichts von Kiruna erzählt. du bist später wiedergekommen als geplant, oder? Wie war es denn?“ Sabine sah Markus an.
„Wartet, Kinder“, warf Martina ein. „Ich hol noch was zu trinken.“
Markus hatte den Eindruck, als wäre das in Anbetracht der noch halbvollen Flasche Rotwein etwas übervorsichtig.
Überraschenderweise kam Martina mit einer Flasche Sekt zurück. „Und?“, fragte sie. „Bist du schon fertig, oder komme ich noch rechtzeitig? Wie war’s?“
„Gewitterwölkchen, wie hätte ich ohne Deine werte Gegenwart anfangen können?“ Markus suchte nach einer passenden Formulierung für seine Erlebnisse und einigte sich dann auf: „Um es kurz zu machen, es war okay – und spannend.“
„Und wieso bist du später wiedergekommen, gab es Probleme oder hast du da eine Liebschaft angefangen?“ Sabine fragte nach, während Martina die Flasche mit einem, so empfand Markus, entzückend konzentrierten und angestrengten Blick öffnete.
„Die Liebschaft hat zu keinerlei Verzögerung geführt. Es kam aber was anderes dazwischen“, gab Markus zurück. Er sah dabei Martina an, die begonnen hatte, Gläser mit Sekt zu füllen. „Haben wir was zu feiern?“, fragte er.
Martina reichte ihm ein Glas. „Ich weiß nicht.“
Sabine nahm ihr Glas und fragte: „Oder fällt Ihnen was ein, Herr Oberleutnant?“
Markus bemühte sich, seinen Gesichtsausdruck unverändert zu lassen, und schaute von einer zur anderen. „Ich war gestern bei meinem Auftraggeber im Stab, und noch nicht einmal der wusste etwas von der Beförderung. Ich hab es heute per Post bekommen. Woher um alles in der Welt wisst Ihr das?“
Sabine sagte: „Wir haben unsere Quellen.“ Sie stießen mit seinem Glas an, das er noch untätig in der Hand hielt. „Auf unseren kleinen Oberleutnant!“ Sie tranken.
Markus schloss sich an.
Sie hatten ihre Gläser abgesetzt und Martina spielte mit ihrer Oberlippe. Sabine beugte sie sich zum ihm rüber und küsste ihn. „Vielleicht wird aus dir ja doch noch was.“
„Ihr werdet es mir dann hoffentlich verraten, wenn es soweit ist.“
Martina verzog den Mund. „Reser-Weiden hat es natürlich schon gestern gewusst. Aber er wollte dir die Urkunde nicht überreichen, weil er es albern gefunden hätte, dich zu befördern.“
Sabine ergänzte: „Aber es war sein Vorschlag gewesen, auch die Verleihung des Ehemaligenabzeichens der Grenztruppen, womit du jetzt zumindest formal ganz gut aussiehst.“
„Ihr scheint den Mann ja gut zu kennen.“ Markus hatte das Gefühl, dass einiges hinter seinem Rücken geschah. Seine schwache Retour war: „Wie gut, will ich gar nicht wissen.“
„Herzchen“, beschwichtigte ihn Sabine. „Ja, wir kennen ihn ganz gut. Aber, auch wenn er gut aussieht, hat keine von uns beiden etwas mit ihm. Wir tauschen nur beizeiten einige Informationen aus. Die Wahrheit ist: er hat eine Affäre. Aber davon darfst du nichts wissen.“
„Mit einer verheirateten Frau?“, fragte Markus, seine Augen aufgerissen.
Martina verzog den Mund und Sabine antwortete. „Liebling, wie gesagt…“
Markus stoppte sie. „Ja, ich bin verschwiegen wie ein Grab, meine Schöne.“
Sabine nickte und lächelte dann. „Hey, aber unabhängig davon. Ich glaube, er mag Dich. Vielleicht ist es nicht so schlecht, einen Freund im Generalstab zu haben.“
„Vielleicht ja. Er scheint ja auch zumindest ein wichtiger Mensch zu sein. Wie ich hörte, ist es schon seine zweite Position dort“, prahlte Markus mit Kennerwissen.
„Ja. Nur irgendwas scheint sich da wieder zusammenzubrauen. Die Falken scheinen aus diesem Angriff der Föderation den größten Gewinn gezogen zu haben. Und Teichert-Waldesleben hat offenbar einige Probleme.“
„Der Chef des Generalstabs?“
„Ja. Er ist der starke Mann in der Armee und eigentlich ein Förderer von Reser-Weiden. Nun hört man allerdings, dass er die Kandidatur von Sowinski unterstützt.“
„Von Sowinski, dem G2? Der wollte Rüstungsminister werden, oder? Aber, ich dachte der sei durchgefallen.“
„Es wird eine neue Abstimmung geben.“
„Und er wird gewählt werden?“
„Das scheint jetzt so. Noch dazu wird sein bisheriger Stellvertreter ihm auf den Posten des Abwehrchefs folgen.“
„Das ist aber ungewöhnlich. Normalerweise müsste er doch vorher noch ein Truppenkommando übernehmen. Aber was hat das mit Reser-Weiden zu tun?“
Sabine legte den Kopf zur Seite. „Er und Sowinski sind nicht gerade befreundet.“
Markus drehte die Zeigefinger in der Luft umeinander. „Hat er was mit seiner Frau?“ Auf Sabines Blick hob er abwehrend die Hände. „Schon gut.“ Er nickte gewichtig. „Also, okay. Beide sind schwul, aber Reser-Weiden hat Sowinski einen Korb gegeben und sich stattdessen den Chef des Stabes geschnappt. Nun hat aber Sowinski den Teichert-Waldesleben rumgekriegt, und …“ Er blickte zu Martina.
„Lass es sein.“
„Was genau? Eine Anspielung auf Dein Knaben-Kostüm?“
„Ja.“
„Das ist schon ein halbes Jahr her. Es wäre absurd, wenn ich…“
„Du bist absurd.“
Markus‘ Reaktion zeigte Einsichtigkeit.
„Schön.“ Sabine übersprang den letzten Wortwechsel. „Also, auch wenn Reser-Weiden im schlimmsten Fall jetzt etwas an Gewicht verliert, hat dir seine Freundschaft immerhin schon eine Beförderung eingebracht.“
Markus nippte an seinem Sekt. „Und wie sehr habe ich diese Freundschaft euch zu verdanken?“
Sabine lächelte. „Die Sache ist ein bisschen komplizierter, aber am Ende würde ich sagen: sehr wenig.“
Markus sah drein, als traute er dem Braten nicht.
Martina sprang ihrer Freundin bei. „Nehmen wir an, wir hätten mächtig Einfluss auf Reser-Weiden. Meinst Du, wir würden dich an die Front schicken?“
Markus erhob sich von seinem Stuhl, kniete sich vor Martina nieder, ergriff ihre Hand, küsste sie und sagte: “Ich hoffe nicht, Prinzessin!“
Martina zog die schwarzen Brauen nach oben. „Nun, vermutlich nicht solange du noch ein bisschen amüsant für uns bist und dich hier hinreichend nützlich machst.“
„Ein bisschen amüsant und nützlich! Kann man mehr von sich und seinem Leben erwarten?“ Markus setzte sich wieder.
„Okay, Freundchen. Und nun erzähl uns alles von Deiner Liebschaft.“

 

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