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Sabine öffnete Markus die Tür: „Hallo Sweetie, du musst heute wieder nur mit einer von uns vorlieb nehmen.“ „Oh, lässt du mich wieder allein?“ Markus hatte einen Arm aus der vom Regen nassen Jacke gezogen und zögerte kurz sie vollends auszuziehen. „Nein, nicht ich. Martina hat eine Verabredung.“ „Oh!“ sagte Markus. „Und diese Verabredung steht auf Jungs?“ Sie hatten die Höhe von Martinas Zimmer erreicht. Diese trug Anzughose, Oberhemd, darüber eine Weste und setzte sich gerade eine Ballonmütze auf.
Sabine stellte sich neben Markus und sah in das Zimmer. „Gefällt es Dir? Ich habe mir auch so was gekauft.“ „Große Klasse“, sagte Markus. Dann nahm er Sabine in der Arm: „Würdest du das vielleicht für mich anziehen. Ich helfe dir auch beim Umziehen.“ Sabine patschte ihm lächelnd übers Gesicht und verschwand in die Küche. „Na alles klar, Hübscher?“, fragte Markus Martina, die ihn bislang noch keines Blickes gewürdigt hatte. Sie sah ihn kurz an und machte Anstalten, an ihm vorbei aus dem Zimmer zu gehen. Markus hielt sie fest und drehte sie mit dem Rücken zum Türpfosten: „He, ich dachte, ich sollte dir noch einen Schnurrbart malen.“ Martina verzog keine Miene, sie löste sich mit einer harschen Handbewegung, griff sich aus der Garderobe einen hellgrauen Trenchcoat und sagte beim Herausgehen: „Sabine, mein Herz, wir sehen uns morgen.“ Sabine kam in den Flur und sah nur noch die zufallende Tür. An Markus gewandt fragte sie: „Warum ärgerst du sie?“ Markus, dessen Blick auch auf die nun geschlossene Tür gerichtet war, wandte sich fragend an Sabine: „Ich hab sie eigentlich gar nicht ärgern wollen.“ Sabine seufzte: „Schätzchen, auch die etwas hübscheren Frauen brauchen ab und zu ein paar nette Worte, gerade von Freunden – und besonders dann, wenn sie etwas Neues ausprobieren.“ Markus lehnte sich gegen den Türpfosten, an den er eben noch Martina gedrückt hatte: „Sie sah bezaubernd aus.“ „Ich weiß.“ Sabine lehnte sich gegenüber an. „Das tut sie häufig und du musst ihr das bestimmt nicht ständig sagen. Ich bin auch sicher, dass sie es zu schätzen weiß, wenn du sie beizeiten ein wenig abkanzelst. Nur, es ist so, dass du zu mir sehr viel öfter freundlich bist als zu ihr.“ Sie sah ihn an und blickte dann weg: „Nun ich glaube, ich weiß warum.“ Markus schaute sie weiter an und begann zu lächeln. Sabine hatte die Lippen leicht geöffnet, aber die Zähne aufeinander gebissen. „Und willst du wissen, was ich denke?“ „Hm“, sagte Markus: „Ich denke, ich weiß, was du denkst. Ich denke zwar, dass du dich irrst, aber ich habe da auch kein Sendungsbewusstsein, dich von etwas anderem zu überzeugen.“ Sabine sah zu ihm hoch und nickte: „Ja, das ist wohl manchmal unser Problem. Wir sagen ab und zu, was wir denken, ab und zu das Gegenteil und am häufigsten irgendetwas dazwischen. Ganz selten möchte jemand von uns aber vielleicht das hören, was wir denken…“ „… und bekommt irgendetwas dazwischen“, ergänzte Markus mit einem Kopfnicken, dann wechselte er den Gesichtsausdruck und fragte: „Was hast du in der Küche gemacht?“ „Das geht dich überhaupt nichts an!“, gab sie fuchtig zurück. „Dauert es noch lange?“, fragte Markus besorgt. „Nein, ist gleich fertig, mein Schatz.“
„Hast du mal drüber nachgedacht…“ „Sicher.“ Markus lag mit dem Rücken auf dem Sofa und trank Wein. „Ich habe bestimmt schon mal drüber nachgedacht.“ Sabine saß im Sessel gegenüber und trank ebenso Wein: „Und erinnerst du Dich…“ „…daran, was du vorhin gesagt hast? Ja.“ „Möchtest du den Gedanken weiterführen?“ „Du hast vorhin gesagt, in anderen Worten, dass wir ganz manchmal nicht annehmen sollten, dass wir wissen, was der andere meint und von daher wolltest du mich auffordern, dich nicht zu unterbrechen.“ „So weit so gut“, sagte Sabine geduldig auffordernd. „Davor wolltest du mich fragen, ob ich schon mal darüber nachgedacht habe, dass das mit uns nur funktioniert, weil unsere Dreier-Konstellation so wie sie ist, stabil ist.“ „Richtig.“ „Dann hattest du vor, darauf hinzuweisen, dass auch die Konstellation Sabine-Martina, bevor Markus von der Armee kam, stabil war.“ „Und weiter?“ „Dann hattest du sagen wollen, dass eine Konstellation, in der einer mit jemand anderem schläft, nicht stabil sein würde – zumindest, wenn man zwei der möglichen drei Permutationen betrachten würde.“ „Und wenn du jetzt kein höflicher junger Mann, sondern ein knallharter Typ wärst, wie würdest du so einen Hinweis nennen?“ „Nun ja, in einem solchen Fall, würde ich so einen Hinweis wohl Warnung nennen.“ „Fiele Dir, wenn du dich jetzt mal ganz doll in einen knallharten Typen hineinversetzen würdest, noch ein anderes Wort ein?“ „Du meinst so ein böses Wort wie Drohung?“ „Mhm.“ Sabine nickte in Anerkennung für solch ein knallhartes Wort. „Und was fällt dir zum Themenkreis Freunde und Drohungen ein?“ „Freunde sollten sich nicht drohen.“ „Gut, und glaubst Du, dass wir befreundet sind?“ „Ja, sicher, mein Engel.“ Markus schaute hoch. „Oh, ich stand auf’m Schlauch. Ich weiß, worauf du hinaus willst.“ „Dann schieß los.“ „Also gut, in meinen Vermutungen über das was du anfänglich sagen wolltest, kam ich sehr zielstrebig zu einem Punkt, den ich als Warnung, du aber als Drohung bezeichnen würdest. Da Freunde sich nicht drohen, du aber meine Freundin bist, muss ich schließen, dass meine Ableitung zwar zielstrebig, aber fehlerhaft war.“ Sabine stand auf: „Setzt dich mal hin!“ Er tat wie ihm geheißen, sie dirigierte ihn ans Ende des Sofas und legte sich dann selbst hin, ihren Kopf auf seinem Schoß. Markus wusste nicht recht, wohin mit seinen Armen. Schließlich legte er den linken auf die Lehne und den rechten auf ihren Bauch. Sabine registrierte den Ablageort des rechten skeptisch, aber ohne Widerspruch. „Na, Hübsche, was hab ich falsch gemacht?“ „Nun, ich hätte sagen wollen, dass neben der Dreier-Konstellation durchaus auch alle drei Zweier-Konstellation möglicherweise eine gewisse Stabilität ausweisen könnten, gegebenenfalls sogar ohne eine kurzfristige Beeinträchtigung der Dreierbeziehung. Mittelfristig würde sie daran allerdings zerbrechen.“ Markus hatte seinen Kopf im Nacken, betrachtete die Linie, an der sich Wand und Decke trafen, dabei hatte er ganz mechanisch begonnen, Sabines Bauch zu streicheln. Er stimmte zu: „Das ist in der Tat keine Drohung, sondern eine Mahnung an uns alle. Wobei.“ Er blickte sie nun an und lachte: „Um der Feinheit die Ehre zu geben, in erster Linie eine Mahnung an mich, da Ihr beide gemeinsam machen könnt, was Ihr wollt.“ Sabine lachte: „Ja, ich weiß, wenn wir beide uns des Nachts in den wildesten Spielen ergeben würden, hättest du vielleicht nichts dagegen.“ „Hätte ich vielleicht nicht, nein. Ich würde nur alle anwesenden Gegenstände um ihr Privileg beneiden.“ Sabine lachte: „Meinst Du, das wäre so toll?“ Markus überlegte eine halbe Sekunde, ballte dann kurz und unbewusst die Fäuste und sagte: „Da möchte ich lieber nicht drüber nachdenken.“ „Du bist ein Engel.“ Sabine lächelte: „Möchtest du mit mir schlafen?“ Markus reagierte nicht für fünf Pfennig auf ihren ernsten Gesichtsausdruck: „Weißt Du? Ich bin sicher, du weißt. Also, ich bin kein totaler Idiot. Von daher, also meine Erwägungen zu diesem Thema: Nehmen wir an, und das ist rein spekulativ: du oder auch Martina wären, sagen wir mal, ohne euch das zu unterstellen oder herbeizureden, läufig. Läufig und hinreichend angetrunken, um es zu präzisieren. Nehmen wir fürderhin an, ich wäre schwer angetrunken oder, um den Gefahrenkreis auszuweiten, ich wäre ebenfalls hinreichend angetrunken und hätte drei Monate Wehrdienst ohne Ausgang, aber mit vielen Wachen und den dort vorliegenden Tittenheften hinter mir. Weiterhin gilt es anzunehmen, dass ich allein mit einer von euch bin, und diese schweres Geschütz auffährt und Dinge tut, die sich unter Freunden nicht ziemen, auch unter Freunden nicht, wie wir es sind, wobei dabei durchaus Dinge passieren, die vielleicht nicht vollkommen ziemlich sind. Dann, ja dann, könnte es zu Vorkommnissen kommen, die später von beiden Seiten bedauert werden würden.“ „Und schlussendlich auch von der dritten Seite“, ergänzte Sabine. „Ja, da es kaum eine Chance gibt, das lang- oder auch nur kurzfristig zu verschweigen, würde es sich auch auf Nummer Drei auswirken.“ Sabine nickte, dann hielt sie damit inne: „Und du glaubst wirklich, dass du mir jetzt, so ohne Vollrausch und langfristige Kasernierung, widerstehen könntest?“ „Du meinst, wenn du jetzt so alles auspacken würdest, was dir zu Eigen ist?“ „Ja.“ Sabine stimmte zu: „Und du hast keine Ahnung, was sich dahinter alles verbirgt.“ „Recht viel, nehme ich an.“ „Sagen wir es so. Ich bin keine blutige Anfängerin.“ Markus kräuselte die Stirn: „Das bedeutet dann vermutlich viel. Gut, die Antwort ist: Nein, vermutlich nicht. Ich korrigiere meine Analyse also in folgendem Punkt: Die Abwehr der Gefahr liegt einzig bei Euch. Mein Zustand ist dabei egal.“ Sabine hatte ihre dichten, dunkelblonden Augenbrauen gekräuselt. Sie entließ die dafür notwendigen Muskeln und sagte: „Küss mich!“ Markus küsste Sabine für etwa drei bis vier Sekunden auf den Mund. Als er von ihr abließ, fragte er: „War das für das Eingeständnis, dass ich auf den Gang der Dinge keinerlei Einfluss habe?“ „Nein.“ Sabine warf ihm einen Luftkuss zu. „Das war dafür, dass du Martina und mich immer gleichberechtigt genannt hast, obwohl sie nicht da ist.“ Sie fügte hinzu: „Das wird sie freuen.“ „Ihr habt es gut“, sagte Markus mit einem leisen Seufzer. Sabine schüttelte den Kopf. „Weil wir offen miteinander sind und du so verschlossen. Da hast du recht. Da haben wir es ganz gut, aber schließlich ist es deine Schuld.“ „Erinnerst du dich …“ „Ja, ich erinnere mich“, unterbrach nun Sabine Markus. „Dann willst du mir jetzt sagen, was du vermutlich fälschlicherweise denkst?“ „Aber, du weißt es, mein Liebling.“ „Ganz manchmal sollte man auch in solchen Fällen sagen, was man wirklich denkt.“ „Dann nimm gefälligst Deine Hand von meinem Bauch oder lass wenigstens wieder Stoff dazwischen und höre mit diesen fürchterlichen Bewegungen auf.“ Markus‘ Hand war aus Versehen unter ihr Oberteil gerutscht und seine Finger hatten ihren Bauchnabel umkreist. Das hatte in etwa begonnen, als Markus auf Sabines Frage nach seinem Wunsch mit ihr zu schlafen antwortete und diente ihm – und so sah es auch Sabine – als mentale Stütze. Nun war es an Sabine, das Gespräch zu übernehmen, und Markus war geneigt, sich ihrem Wunsch zu fügen. Er fragte nur noch: „Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du einen ziemlich ordentlichen Bauch hast?“ Sabine lachte abfällig: „Wenn das alles war, brauchen wir uns wirklich keine Sorgen zu machen, dass unsere kleine Dreier-Konstellation aufgrund Deiner Initiative zerbricht.“ Markus fuhr langsam mit seiner Hand ihren Bauch in Richtung Becken herab und sagte mit tiefer Stimme: „Na, du süße kleine Maus.“ „Hör auf! Oder ich hau Dich.“ Sabine lachte nicht mehr. Obwohl die Annäherung mehr als lausig war, relativierte sie innerlich ihre soeben erfolgte Einschätzung um einige Promille – in Anbetracht dessen, dass sie lausig gemeint war, um ein bis zwei Prozent. Markus fügte sich und fragte: „Und?“ „Und?“, wiederholte Sabine scharf. „Die Wahrheit ist, dass du mir mehr Komplimente machst und freundlicher zu mir bist, weil du ihr mehr zugetan bist, weil du mich, als die vermeintliche Verliererin aus dieser Beziehung schützen möchtest, weil du vielleicht sogar Mitleid mit mir hast, weil sie perfekter ist als ich, und, und das ist ein wichtiger Punkt, weil du von ihr mehr verlangst als von mir.“ „Gut. Und das ist das, wovon ich denke, dass es falsch ist“, sagte Markus. „Und es ist gut, dass es Martina ist, die sich ab und zu an mich schmiegt und mich küsst. Bei dir würde ich vermutlich den Verstand verlieren.“ „So, und was zeichnet mich denn so aus?“ „Äh.“ Markus stotterte nicht ohne Absicht. „Weißt Du, Süße, das sind so rein äußerliche Erwägungen. Du weißt schon: Bauch, Beine, Po und so was. Auf innere Werte gebe ich ja nicht allzu viel.“ „So, so, ich bin also die Schönste, ja?“ „Elisabeth sagte, wäre ich Paris, müsste ich wohl Martina wählen. Aber was spielt es für eine Rolle, welche Göttin ich am göttlichsten finde. Um mich mache ich mir eigentlich auch keine Sorgen. Frauen, denen ich verfallen könnte, gibt es hinreichend viele. Für euch ist das viel schwieriger. Wer sollte es denn mit euch aufnehmen können?“ „Ja, ja. So gefällst du Dir, hm?“ Sabine lächelte mit Augen- und Mundwinkeln. „Du kannst jetzt meinetwegen Deine Hand wieder auf meinen Bauch legen. So schlimm fand ich das nicht.“
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