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„Und, findest du ihn immer noch so schlimm, oder hast du dich ein bisschen beruhigt?“ Sabine hatte Markus hereingelassen, sie waren ins Wohnzimmer gekommen. Sie trug einen leichten weißen Sommerblazer und einen dazu passenden langen Leinenrock. „Wen?“, fragte Markus, als wüsste er nicht, worum es geht. „Das unerträgliche Arschloch von einem Hauptmann i.G.?“
Martina saß mit dem Blick zu ihnen in ihrem angestammten Sessel und lächelte müde. Auch sie trug eine Kombination. Und Markus dachte, dass es eher dienstlich als weiblich wirkte. „Ja.“ Sabine nickte. „Den meine ich.“ „Nenn ihn doch einfach Stinkstiefel, dann weiß ich, wer gemeint ist“, schlug er vor. „Sag, was ich mir überlegt habe. Wenn der noch so jung ist und schon Kompaniechef, hat der eigentlich studiert?“ „Ja, sicher. Er hat ein Fernstudium in Wirtschaftslehre gemacht“, antwortete Sabine freundlich und schob noch hinterher: „Mit Auszeichnung, nebenbei gesagt.“ „Na prima.“ Markus fand sich bestätigt. „Und in der Schule war er sicher x-mal Landesmeister in den verschiedensten Sportarten und nebenbei noch in der Theatergruppe.“ Markus schüttelte den Kopf und wiederholte. „So ein Arschloch.“ „Theatergruppe weiß ich nicht“, lachte Sabine, „Aber ich kann dir seine Titel ungefähr aufsagen. Soll ich?“ Markus wollte sich Wein einschenken, musste aber erst noch fragen. „Hat er dich bei Eurem Date seine ganzen Erfolge auswendig lernen lassen? Kann er denn gut küssen? Sabine nickte: „Geht so.“ Sie lachte. „Geht so“, wiederholte Markus. „So ein Versager!“ Sabine lachte nicht ganz ohne Grund. Martina lachte nicht. David kam von der Terrasse herein. Offenbar hatte er geraucht. Er steckte gerade die Packung zurück in die Brusttasche seines Hemdes. Er lachte nicht, grinste aber freundlich. „Hallo Markus.“ „Hallo David. Schön, dich wieder zu sehen.“ Markus nickte ihm zu und wandte sich dann Sabine zu. „Oh, sei unbesorgt“, antwortete David für sie – auf seine ungestellte Frage. „Ich geh gleich wieder und finde es auch nicht ganz so schlimm, ein Versager zu sein.“ Er lehnte sich auf die Rückenlehne von Martinas Sessel. Martina war wenig angetan, jemanden so dicht hinter sich zu haben. David fuhr fort: „Genau genommen bin ich deinetwegen da. Ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, mit mir einen Trinken zu gehen. Und heute würde sich anbieten, da die Damen diesen Abend beschäftigt sind.“ Markus sah sich die erwähnten Damen an. „Mhm, beschäftigt? Dafür seht Ihr aber ziemlich gewöhnlich aus.“ „Wir sehen nie gewöhnlich aus“, stellte Martina fest, „Und außerdem gibt es Menschen, die ein gewisses nüchtern-elegantes Auftreten zu schätzen wissen.“ „Nüchtern-elegant, hm?“ David grinste. „Du stehst nicht so auf Damen in Kombination?“ Er murmelte. „Damenindisch im Anzug.“ Martina zog die Schultern hoch. „Schwarz kann immer ausgleichen.“ „Ja.“ bestätigte David. „Die Schwäche des Bauern auf d5 wird durch aktives schwarzes Figurenspiel mehr als wettgemacht.“ Markus nahm das unwillig zur Kenntnis. „Ja, klar komme ich gern mit. Vielleicht bekomme ich ja etwas Selbstbewusstsein zurück, wenn ich dich unter den Tisch saufe.“ „Prima.“ David lachte und machte sich in Richtung Ausgang auf. „Und wenn wir Lust haben, können wir später ja noch ein paar Pioniere vermöbeln.“ „Ja.“ Markus schloss sich an und blickte die Hände öffnend noch einmal zu den Mädchen. „Mach ich sonst auch immer auf einen Mittwochabend, wenn Ihr keine Zeit für mich habt.“
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