Photo by dp

Kap1.10 letzter Rückblick Abifeier Drucken

Nach kaum drei Stunden Schlaf wachte Markus mit einigem Nachdurst in eine feuchtkalte Decke gewickelt am Strand auf. Er fror. Als er seinem Durst hinreichend Abhilfe verschafft hatte, entschied er, dass ihm ein kurzfristiges Abtauchen in der eisigen Ostsee, die kühle Luft hinterher erträglicher werden ließ.

Die Sonne machte im frühen Sommer gerade Anstalten, sich im Nordosten bemerkbar zu machen. Das Wasser war, anders als die klamme Decke, erfrischend. Einen Augenblick widerstrebte ihm der Geruch von Seetang und Salz, dann freundete er sich damit an. Er ließ auf einer nahen Sandbank die leichte Dünung gegen seinen Bauch schwappen.
Das Plätschern, das nach einer Weile hinter ihm zu hören war und die Ankunft eines potenziellen Störenfriedes meldete, war wenig willkommen. Sein Unmut hielt jedoch nicht an. Kaum zwei-drei Schritt hinter ihm stand Sabine.
„Schau nicht so grimmig, ich weiß, dass ich so ungeschminkt furchtbar aussehe.“
Eine Weile betrachtete er Sabine wortlos und sagte schließlich: „Ganz sicher war Dein Gesicht nie hübscher und ganz bestimmt habe ich noch nie etwas so Schönes wie dich jetzt gesehen.“ Er ging die fehlenden Schritte auf sie zu und streifte mit der Hand eine dunkelblonde Strähne aus ihrem Gesicht, die von ihrer Stirn herunterhing und kleine Wassertropfen auf ihre Wange und Oberlippe fallen ließ.
Ihre Stirn und Brauen kräuselten sich. Als die Hand, der Strähne durch ihre Haare folgend, sanft ihren Rücken hinunterglitt, gab sie ihre Bedenken vorerst auf und schloss die Augen. Dann, ohne Eile, drückte sie ihn sanft fort und suchte seine Augen. „Weißt du?“, sagte sie und setzte fort, nachdem der Blickkontakt ein gewisses Einverständnis signalisiert hatte. „Ich habe mir überlegt, es ist das Sinnvollste, eine Liste anzulegen.“ Sie musste lachen. „Es ist ja nicht völlig ausgeschlossen, auch über den Heimatschutz zum General oder Senator aufzusteigen. Von daher setze ich dich da erstmal drauf. Dann hab ich einen Vergleichsmaßstab.“
„Ein solider Plan.“ Markus nickte schwach.
Sie lächelte, strich ihm in die Augen schauend mit der flachen Hand über seine Brust, dann drehte sie sich um und ging.
Er sah ihr eine Weile nach, wie sie, von der Sandbank kommend, kurze Zeit durch etwas tieferes Wasser ging und sich dann zum Strand hin daraus wieder erhob.