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„Sie sind ein Lichtblick in finsteren Tagen.“ Der Flottillenadmiral Damsgard regte sich aus seiner Schlaffheit, mit der er zuvor das Bett im Klinikum gehütet hatte. „Herr Damsgard, was soll an diesen Tagen finster sein? Bald ist Weihnachten, die Sonne scheint und das Haus zwitschert vor Lebensfreude“, gab Sabine, die soeben das Mittagessen ins Zimmer gebracht hatte, zurück.
„Aber was machen Sie denn für Sachen? Wir hatten Sie doch schon vor vier Wochen entlassen. Was wollen Sie denn nun schon wieder hier?“ „Ach, Schwester Sabine, es war nur die Sehnsucht nach Ihnen, die mich wieder ins Krankenhaus verschlagen hat.“ „Mein lieber Herr Admiral, danke für die Blumen, aber so richtig kann ich Ihnen das nicht glauben. Und woher sollten Sie auch wissen, dass ich in dieser Zeit wieder in der Klinik bin?“ „Aber, Sie hatten mir doch selbst gesagt, Sie würden Ihre Übung auf die Vorlesungsfreie Zeit in den letzten Wochen des Jahres legen. Sie unterschätzen mich wohl.“ „Na, ich glaube, dass es gar nichts mit mir zu tun hat, sondern dass Sie einfach mit Ihren Kräften nicht haushalten. Ihre Operation war kein Kinderspiel – und wir hatten Ihnen doch acht Wochen Ruhe verschrieben. Und was tun Sie? Sie gehen Tags darauf schon wieder ins Büro und arbeiten dort bis tief in die Nacht.“ Sabine schüttelte belehrend den Kopf. „Recht geschieht es Ihnen, dass Sie wieder hier sind. Und diesmal werden wir Sie nicht nach Hause entlassen, sondern zwei Monate in ein Sanatorium stecken.“ „Sie sind so hartherzig. Aber Ihnen verzeihe ich alles. Nur – was sollte ich denn tun? Momentan spielt die ganze Welt verrückt. Da kann ich doch nicht zu Hause sitzen.“ Der Flottillenadmiral machte eine gewichtige Miene. „Wenn Sie wüssten, was da momentan im Gange ist. Aber leider darf ich Ihnen gar nichts davon erzählen.“ „Und das ist auch gut so, weil ich mich gar nicht dafür interessiere, und weil Sie sich auch nicht dafür interessieren, bis Sie wieder gesund sind. Sie sollten sich jetzt mal um Ihr Essen kümmern, bevor es kalt wird. Kommen Sie, ich helfe Ihnen, das Kopfteil hochzuklappen.“ Sabine ging zum Kopfende des Bettes und brachte den Admiral in eine aufrechte Sitzposition, indem sie zischend einige Anweisungen gab. „Außerdem, was ist schon passiert? Ein Präsident nimmt seinen Abschied und ein anderer kommt. Für mich ist das einerlei.“ „Ach, Sie sind ein naives Geschöpf, meine Liebe.“ Damsgard begann während des Redens zögerlich mit dem Essen. „Das ist eine große Sache und kam für viele überraschend. Das Flottenkommando tobt.“ „So, so, aber das Flottenkommando hat den Wechsel doch abgesegnet.“ „Ja, sicher, aber nur unter Zähneknirschen.“ „Ist die Marine denn enttäuscht, dass der Neue von der Luftwaffe kommt, oder was gibt es sonst für einen Grund zu toben?“ „Sicher hätte man es in der Marine gerne gesehen, wenn es einer der ihren geworden wäre. Zumindest hat man aber eine engere Absprache erwartet.“ „Aber die Marine hat doch einen Mann im Stab. War Sowinski denn nicht in alles involviert?“ „Doch, doch.“ Er deutete ein Flüstern an. „Es heißt, er sei sogar Drahtzieher. Na ja, Sie haben ja gehört, was die Abwehr drüben bei der Werft veranstaltet hat. Der halbe Betriebsrat sitzt in Untersuchungshaft.“ „Aber die werden doch sicherlich bald rauskommen.“ „Ja, ja. Man will ja keinen Aufstand. Ich wollte auch nur sagen, dass der gute Sowinski vom Rücktritt des Herrn Marschalls vielleicht nicht ganz so überrascht war …“ „Und dass er vielleicht auf mehr hofft?“, drängte Sabine ein wenig. „Nun, man sagt ihm Ambitionen nach, ja. Aber darum ging es mir gar nicht. Teichert-Waldesleben hat die Fäden jetzt noch stärker in der Hand. Nun versucht aber die Admiralität zumindest einige weitere Posten in der Regierung und im Generalstab für die Marine zu bekommen. Gleichzeitig streiten sie sich aber auch untereinander über die Besetzung der neuen Stellen.“ Sabine kannte das Gezerre. Es gab jedoch ein anderes Thema, das sie mehr interessierte. Da der Admiral aber offenbar nicht von allein darauf zu sprechen kommen wollte, hakte sie etwas ruppiger, als es sonst ihre Art war, nach. „Geht es um diesen Reser-Weiden?“ Als sie sprach, warf sie einen vorwurfsvollen Blick auf den Teller des Patienten. „Oh, nein, nein.“ Der Flottillenadmiral aß pflichtbewusst einen Happen, legte die Gabel dann aber wieder beiseite. „Das ist keine große Sache. Der Mann ist ja nur Oberstleutnant. Er wird kurz zur Truppe zurückgehen und sicher bald darauf auf einen neuen Posten hier in Kiel berufen werden. Sicher, Sowinski hat seine Probleme mit ihm, aber Teichert-Waldesleben hält offenbar zu ihm. Und sein Wort gilt jetzt mehr als jedes andere. Einschließlich des Präsidenten, so wird gemunkelt.“ „Aber Teichert-Waldesleben ist doch ein guter Mann. Ich habe nur Positives über ihn gehört.“ „Ja, sicher. Um ehrlich zu sein“, er beugte sich vor, „halte ich ihn auch für besonnener und umsichtiger als Sowinski. Aber Sie wissen ja, wie es ist. Man ist auch seiner Truppengattung gegenüber verpflichtet. Wenngleich die Marine sicherlich mehr zu bieten hat als den Chef der Abwehr…“ Sabine hörte im Folgenden nur noch mit einem Ohr zu. Offiziell waren die Personalentscheidungen noch nicht gefallen, aber Martina hatte bereits einiges erfahren. Teichert-Waldesleben saß am längeren Hebel. Neu war, dass er auch Sowinski kurz nach dem Putsch zumindest an dieser Front ausgebremst hatte.
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