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Das Anwesen lag auf einer künstlich mit Rasen begrünten Fläche, die auf dieser sonst so kargen Insel viel Süßwasser verbrauchte. Das Haus war im Gegensatz zum Stabsgebäude zweigeschossig und sehr großzügig gehalten. Ein Butler – Markus hatte noch nie einen gesehen – führte sie ins Arbeitszimmer des Marschalls. Der Marschall entsprach Markus‘ Erwartungen. Er war groß und wirkte alt. Von Rechtensberger trug Uniform und viel Würde. Die Begrüßung war freundlich, aber nicht freundschaftlich. Sie war herzlich aber dabei ebenso förmlich. Markus mochte den Marschall. Der ehemals mächtigste Mann in der Deutschdänischen Allianz erkannte den gezeigten Respekt und erwiderte ihn mit Wohlwollen und ohne Dünkel. Elisabeth von Rechtensberger betrat den Raum. Und die Frau des Marschalls entsprach nicht seinen Erwartungen.
Markus hatte sich vorgenommen, höflich und freundlich zu der älteren Dame zu sein. Er entschied sich jedoch, so wie er sie hereinkommen sah, höflich und kalt gegenüber dieser Dame aufzutreten, die er beileibe nicht als älter bezeichnen konnte. Kälte und Vorsicht gehörte zu seinem Standardrepertoire als Reaktion auf Lichtgestalten. Und diese Frau war eine Lichtgestalt, ausgestattet mit Schönheit und Arroganz. Der Wert, den sie sich zumaß, schien unter der Absetzung und Verbannung nicht gelitten zu haben. Oder er war zuvor bodenlos gewesen. Sie hatte dunkle Haare und ausgeprägte Wangenknochen. Ihre Augen waren streng, Höflichkeiten und Komplimente, ja selbst Humor prallten an ihnen ab. Die stolzen aber harten Bewegungen ihrer Lippen, als Frau von Rechtensberger die jungen Offiziere knapp begrüßte, ließen Markus auf den alten Marschall blicken. Er fragte sich unweigerlich, ob ihr Mund diesem Mann wohl öfter Liebkosungen oder Weisungen zukommen ließ. Der Marschall blickte seine Frau gütig und mit einem Lächeln an und geleitete sie, seinen Adjutanten, Markus und Ernbarger, zu Tisch.
Markus drehte sich der Magen um. Gekochte Dorade, dazu Dillsauce, gereicht mit Herzöginnenkartoffeln und Brokkoli. Gegen diese Art der Kartoffelzubereitung und auch gegen den Brokkoli hatte Markus nichts einzuwenden. Dill war nicht seins Sache, aber okay. Probleme hatte er mit dem Fisch. Fisch an sich war schon fürchterlich. Gekochten Fisch sollte man, nach seiner Einschätzung, verbieten. Er nahm sich vor, das in Angriff zu nehmen, sobald er das goldene Kreuz im Eichenlaub auf der Schulter hatte, so wie es jetzt der Hausherr trug. Markus sprach bei Tisch wenig, wenngleich er darauf bedacht war, eine Unbefangenheit, die er nicht besaß, zu demonstrieren. Dem Wein sprach er zu, auch um das Höflichkeitsstück Fisch hinunterzuspülen. Ernbarger führte das Hauptgespräch und der Marschall ließ mit viel Geduld und einem gelegentlichen Lächeln die Lobpreisungen der Panzerjäger über sich ergehen. Oberst Rubenau wirkte mäßigend auf den jungen Oberleutnant ein und hofierte in einer sanften, fast liebevollen Weise den Marschall. Markus fand es etwas sonderbar. In erster Linie war der Oberst jedoch damit beschäftigt, der Dame des Hauses Komplimente zu machen und darauf zu achten, dass es ihr an nichts mangelte. Die Frau sprach während des Essens gar nicht. Sie machte aus ihrer Langeweile über Ernbargers Geschichten keinen Hehl. Sie aß und trank, trotz der guten Versorgung durch Rubenau, wenig. Schließlich verabschiedete sie sich bei ihrem Mann mit einem Hinweis auf ihr Unwohlsein, noch ehe das Dessert gereicht wurde. Dem Marschall war dieses Verhalten sichtlich unangenehm. Er versprach aber seiner Frau, sie bald aufzusuchen. Dies hatte zur Folge, dass auch Markus und die anderen um den Nachtisch gebracht wurden. Von Rechtensberger verabschiedete sich höflich in der Hoffnung, sich morgen wieder zu sehen.
„So, so, meine Herren, gut, gut.“ Die Stimmung des Obersts hatte unter der Szene nicht gelitten. „Ich habe den Eindruck, der Herr Marschall und die Frau Marschallin mögen Sie.“ Der Butler begleitete sie in Richtung Ausgang. Auf dem Weg dorthin wurden sie von einer jungen Dame aufgehalten, die Markus etwas hochnäsig erschien, obgleich sie nach seiner Einschätzung wohl ebenfalls, wie der Butler, zum Personal des Hauses gehörte. Sie wandte sich an den Oberst. „Madam würde sich freuen, wenn es sich einrichten ließe, dass der Herr Leutnant sie morgen auf einem Bootsausflug begleiten würde.“
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