Photo by dp

Kapitel 1

 

Glattes Eis
Ein Paradeis
Für den, der gut zu tanzen weiß.
F. Nietzsche



Kap1.01 Studentenparty Drucken

 

„Na, das ist was anderes hier, als die letzten drei Jahre, oder?“ Claas hielt sich an seiner Flasche Bier fest und starrte in den Saal. Es handelte sich um den größten, ebenerdigen Seminarraum, den die agrarwissenschaftliche Fakultät zu bieten hatte. Er war in der Mitte leer geräumt und, bis auf einige farbige Lampen und Blitzlichter am Rand, abgedunkelt. Rhythmische, von Bässen dominierte Musik füllte den Raum. Es war warm, und es roch nach Schweiß. Auf den Stühlen und Bänken türmten sich Winterjacken. Einige hatten auch ihre Pullover ausgezogen und tanzten in nassen T-Shirts in der Mitte des Raums.
Markus war von der Party, zu der Claas die WG-Bewohner mitgenommen hatte, durchaus angetan und nickte, sich seinerseits am Bier festhaltend.

Weiterlesen...
 
Kap1.02 Behandlungszimmer Drucken

 

Sabine betrat das Behandlungszimmer. Der Patient, der zur Eingangsuntersuchung gekommen war, stand mit dem Rücken zur Tür und blickte aus dem Fenster in den schneebedeckten Hof. Als er sich umdrehte und die schlanke Person mit den braunen Augen und dem mittelblonden Haar sah, zeigte er nicht unbedingt die gleiche Reaktion wie andere vor ihm, wenn sie Sabine das erste Mal sahen. Er nickte ihr zu und sagte: „Guten Tag, Schwester.“

Weiterlesen...
 
Kap1.03 Abifeier Drucken

 

Inka hatte ihr Lied beendet und wechselte auf der Akustikgitarre spielerisch die Melodie, während die Umstehenden vereinzelnd Beifall spendeten. Offenbar war es Mitternacht. Markus erkannte in der neuen Melodie das Schleswig-Holstein-Lied. Einige summten mit, wenige sangen auch. Nach zwei Stunden, in denen sie den musikalischen Rahmen zur Abiturfeier gebildet hatte, sah man Schweißperlen auf ihrer Stirn. In ihre Musik mischte sich nun ein zweites Instrument, eine zweite Gitarre. Sie wurde vom alten Schulverstärker unterstützt. Der zweite Musiker hörte auf den Namen Lev, sein Künstlername war Sid. Aber nur wenige brachten ihn mit Kunst in Verbindung. Sein Spiel beschränkte sich auf wenige Handgriffe, die anfänglich noch in guter Näherung zum Takt von Inka aufgerufen wurden. Mit einer facettenreichen Kombination verabschiedete sich Inka. Der ihr zustehende Applaus ging in Levs Geschrubbe unter.
Seine Freundin Nancy, eigentlich Mira, die bis dato ihren rechten Arm um die Hüften geschwungen hatte, blickte nun ins Publikum und führte das Mikrofon an den Mund.

Weiterlesen...
 
Kap1.04 Februarsonne Drucken

 

„Erzähl mir von ihm.“ Martina unterbrach das Schweigen ohne das Gesicht aus der Februarsonne zu nehmen. Sie lagen auf der Dachterrasse ihrer gemeinsamen Wohnung und hatten sich in Decken gewickelt einem ersten Sonnenbad im Jahr hingegeben.
„Von wem, von deinem beinahe Knutschfreund?“ Sabine wachte aus ihren Gedanken auf.
Martina zog die Augenbrauen hoch.

Weiterlesen...
 
Kap1.06 Rom Drucken

Es war noch immer heiß und noch immer trocken. Es fuhren nur ganz vereinzelnd Motorroller durch die engen Gassen, so dass Lavendel, Thymian und Oregano, die an den Häuserwänden und auf den Balkonen wuchsen, das Geruchsbild dominierten. Vor einigen Türen standen metallene Mülleimer, die wohl am nächsten Morgen geleert werden sollten. Gelegentlich drang der Geruch von gebratenem Fisch, häufiger aber das Schreien von Kindern, die in den Höfen spielten, auf die Straße.

Weiterlesen...
 
Kap1.08 Im Cafe Drucken

„Ihr seid erst im dritten Semester und habt noch fast zwei Jahre – und trotzdem seid Ihr sicher, eine Stelle für den Master zu bekommen?“ Markus schüttelte den Kopf.
„Das wird schon klappen.“ Sabine zog die Achseln hoch. Martina, die mit ihnen in dem Cafe saß, schien die Frage vollkommen unnötig zu finden. Sie sah aus, als wollte sie sagen: natürlich bekommen wir die Stelle, wenn wir sie haben wollen.

Weiterlesen...
 
Kap1.05 Rückblick Abifeier Drucken

Die Unterhaltung am Feuer war sterbenslangweilig, und sie hatte sich an diesen Zustand gewöhnt. Die Musik wechselte. Markus kam und setzte sich neben Hendrik.
„Das ist nun mal unser kultureller Orientierungspunkt. Wir haben zwar heute Frieden mit der Föderation. Aber im Prinzip ist es wie damals im Kalten Krieg“, plapperte jemand.
Sabine sah Markus grinsen, und sie hatte selbst lächeln müssen.

Weiterlesen...
 
Kap1.07 Kramer und Borgaard Drucken

„Fahren wir gemeinsam zurück, Herr Kramer?“
Der Abgeordnete Kramer sah vom Packen seiner Unterlage auf und schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe noch einen Termin hier.“ Er verschloss seine Aktentasche und stand auf. Dabei tippte er mit der Handfläche auf die große Karte des Besprechungsraumes und lächelte seinen Kollegen an. „Wie hat Ihnen denn die versammelte Generalität gefallen, Herr Borgaard?“

Weiterlesen...
 
Kap1.09 Klassenprinzessin Drucken

„Und, hattet Ihr keine Klassenprinzessin, hinter der alle her waren?“ Claas blickte zu Lars. Sie standen in der Küche und beobachteten Markus, der dabei war, Tomaten zu schneiden.
Der Angesprochene puhlte mit einem Zahnstocher in seinem Mund herum: „Doch, doch. Das schon. Aber vielleicht nicht so die Art Männertyp, wie ihr denkt. Hamburg ist da etwas oberflächlicher.

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 4