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Tipping Point Drucken

Auch wenn mir der Begriff bei Schreiben des Romans nicht geläufig war, beschreibt das Nordische Präludium eine Zeit nach dem „Umkipp-Punkt“.

Die Finanzkrise und die gegenwärtig darauf folgende nationalen Wirtschaftsegoismen – noch in Form von Währungsmanipulationen, später verstärkt vielleicht von Protektionismus – sind eine Blaupause für eine Krise, die durch Umweltzerstörung und politischer Unruhe verstärkt wird.

 

Es erscheint fraglich, welche Weltregionen stabil genug sind, in einer großen Krise globale Probleme zu lösen.

 

In den USA sind Land, Bundesstaaten, Gemeinden, Privatleute und Unternehmen so dermaßen verschuldet, dass sie mit ihrer Wirtschaftsleistung nicht in der Lage sind, zumindest den Kapitalstock zu erhalten.  Die Industrie ist auf dem Weltmarkt mit wenigen Ausnahmen nicht konkurrenzfähig. Einzig das Militär rechtfertigt noch auf absehbare Zeit den Status als Hegemonialmacht.

 

China muss stark wachsen, um die politische Unsicherheit im Land zu stabilisieren. Es erscheint aber auch in autark geführten Ländern kaum möglich, ewig mit diesen Raten zu wachsen. Das Platzen eine (Immobilien-) Blase, mit der Folge sinkenden Wachstumsraten und steigender Arbeitslosigkeit, kann die ohnehin schon in den Provinzen aufkeimenden Aufstände im Land verstärken und das Land destabilisieren. Zudem führt die Ein-Kind-Politik zu einer Überalterung der chinesischen Gesellschaft.

 

In Japan ist die Überalterung schon in der Gesellschaft angekommen. Zudem ist das Land in etwa doppelt so hoch verschuldet wie es Griechenland ist.

 

Europa schlägt sich löblich, schafft es aber aufgrund von nationalen Egoismen (noch) nicht seine Stärke zu bündeln bzw. die Schwäche zu kompensieren. China und die USA streiten sich um die Führungsrolle der kommenden Jahrzehnte, und Europa diskutiert (wohlwollend).

 

Südamerika schlägt sich auch löblich, ist aber nicht groß genug, um die Welt zu beeinflussen oder sich zumindest im Krisenfall abzukapseln.

 

Afrika wird trotz seines Reichtums an Rohstoffen, Land und Bevölkerung nicht zu Stabilität beitragen, weil der Aufholbedarf an Ausbildung und staatlicher Strukturen zu groß ist.

 

Australien und Kanada stehen an sich ganz gut da, werden sich aber gegen Krisen aus China und den USA nicht wehren können. Russland kombiniert fast alle Probleme der anderen, wenn auch in abgeschwächter Form. Indien ist wie China intern so unterschiedlich stark entwickelt, dass es sich (neben dem Konflikt mit Pakistan) im Falle einer Krise kaum um die Welt kümmern könnte.

 

Natürlich ist eine (unlösbare) große Krise keine ausgemachte Sache. Die Theorie vom Tipping Point geht nur davon aus, dass es einen Punkt gibt, an dem auch das kooperative Zusammenwirken der globalen Parteien nicht mehr ausreicht, um ein abgleiten der Welt (in chaotische Zustände) zu verhindern. Die Frage ist sicherlich nicht, ob die Bevölkerung und ihre Regierungen bereit sind, vor diesem Punkt einzugreifen. Davon ist wohl auszugehen. Die Frage ist eher, ob dieser Punkt rechtzeitig vorher sichtbar wird, so dass ein Gegensteuern noch greift.