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Strategie und Technik
Mehr Leistung für den Heimatschutz
Husum, im Oktober. Die Forderungen der Territorialstreitkräfte nach stärkerer Motorleistung für ihre Kettenfahrzeuge sind seit langem bekannt. Immer wieder kursieren in den betroffenen Einheiten Gerüchte über eine bevorstehende Aufrüstung ihrer Panzer. Strategie und Technik wollte es genau wissen und besuchte die Motorenwerke DA I in Husum. Unser Redakteur, Hauptmann Mannsdorf, sprach mit dem verantwortlichen Entwicklungsingenieur, Philip Behrens.
S.u.T.: Herr Behrens, können Sie unseren Lesern erklären, welche Aufgaben Sie hier im Husumer Werk wahrnehmen?
Behrens: Ich bin seit nunmehr vierzehn Jahren bei DA I und seit gut acht Jahren Projektleiter in der Entwicklung. Gegenwärtig arbeite ich an der Entwicklung des DA-S 50.


S.u.T.: DA steht für Diesel-Aggregat. Wofür stehen nun das ‚S’ und die 50?
Behrens: ‚S’ steht schlicht für schwer, und die 50 bezeichnet die Leistung in Kilowatt pro Zylinder. Wie Sie wissen, bauen wir hier schwere Diesel-Motoren, die als V2-Module, also Zweizylinder in V-Anordnung, vom Band gehen.
S.u.T.: Diese Module werden dann, je nach Bedarf, zu Vier-, Sechs-, Acht- oder auch Zwölfzylinder-Motoren kombiniert?
Behrens: Ganz genau. Gerade bei kleineren Schiffen, wie Hafenbarkassen oder Kümos, kommen auch die Zweizylinder zum Einsatz. Der Hauptabnehmer ist aber das Heer. Unsere bisherige Baureihe, die DA-S 30, wird vor allem in Kettenfahrzeugen verwendet – vom Vierzylinder mit 120 KW bis zum Zwölfzylinder mit 360 KW.
S.u.T.: 360 KW, das ist doch ein extrem starker Motor. Wie kommt es, dass sie nun den DA-S 50 entwickeln?
Behrens: Natürlich das ist für die meisten Fahrzeuge ausreichend. Unsere Richtgröße ist die Leistung pro Tonne Gewicht. Die Vorgaben vom Heer besagen, dass diese Größe für Feldeinheiten 12 oder größer sein soll. Das heißt als, der Vierzylinder wird in Fahrzeuge bis 10 Tonnen eingesetzt. Der Achtzylinder entsprechend für die Panzer bis 20 Tonnen. Nur wenige Typen im Feldheer benutzen den Zehnzylinder.
S.u.T.: Wozu dann also der neue Motor mit 50 KW pro Zylinder?
Behrens: Das Problem liegt bei den Heimatschutzverbänden. Die verwenden heute zum Beispiel als schweren Kampfpanzer noch den alten Leopard 2 mit einem Gewicht, je nach Ausführung, bis zu 60 Tonnen. Mit Zwölfzylindern des DA-S 30 kommt er damit nur auf 6 KW pro Tonne. Das ist extrem wenig.
S.u.T.: Ja, auf der Straße und bei ebenem Gelände mag das noch hinreichen, aber wenn das Gelände etwas härter wird, kommt er in Schwierigkeiten. Wir haben darüber berichtet. Aber wie man hörte wurde doch auch versucht, sechzehn Zylinder in diese Panzer einzubauen.
Behrens: Das ist richtig. Gleichzeitig haben wir auch versucht, die Leistung des alten Motors zu vergrößern, etwa indem wir den Hub verlängerten. Es tauchten dabei jedoch größere Schwierigkeiten auf. Aufgrund des begrenzten Platzes wurde es für das Getriebe eng. Das Material ermüdete zu schnell. Ersatzteile waren nicht mehr mit den anderen Typen kompatibel.
S.u.T.: Und schließlich haben Sie sich für einen Neubau entschieden?
Behrens: Die Entwicklungen liefen parallel. Wir konnten hier in unserer Gruppe letztendlich nachweisen, dass wir eine höhere Zuverlässigkeit, Ersatzteilkompatibilität und mehr Leistung erzielen konnten. Darüber hinaus halten wir mit dem DA-S 50 die gleichen Einbaumaßen, wie mit den DA-S 30, so dass nun im Prinzip jedes Fahrzeug, das auf der alten Bauserie aufsetzt, mit den neuen Motoren bestückt werden kann.
S.u.T.: Das heißt, auch die Panzer der Feldeinheiten können nun, ohne größeren Aufwand mit dem neuen Aggregat ausgerüstet werden und somit noch an Beweglichkeit zulegen?
Behrens: Nun ja, so schnell schießen die Preußen nicht. Natürlich müssen auch Getriebe und Fahrwerk angepasst werden. Im Moment laufen Testreihen mit allen Modellen. Zunächst wird es dann eine Freigabe für zum Beispiel 40 gegeben.
S.u.T.: Das heißt, 40 KW pro Zylinder?
Behrens: Genau. Wir müssen dann die Motorleistung entsprechend drosseln, bis auch Getriebe und Fahrwerk entsprechend nachgerüstet worden sind.
S.u.T.: Und bei den Leoparden, welche Freigabe haben die erhalten?
Behrens: Wir selbst stellen nur die Motoren her und stehen bei den Tests nur in der zweiten Reihe. Es wird aber nach einigen, weniger schwerwiegenden Veränderungen am Getriebe auf 50 hinauslaufen.
S.u.T.: Strategie und Technik wird in einem späteren Beitrag über diese Tests berichten. Können Sie uns dann zum Schluss noch verraten, wann die Serienfertigung anlaufen wird?
Behrens: Die Produktion wird noch dieses Jahr beginnen. Wobei wir anfänglich 10 zu 1, das heißt auf zehn DA-S 30 nur ein DA-S 50, geplant haben. In zwei Jahren liegt die Zielgröße bei 1 zu 1. Das gilt dann auch für die Werke in Viborg und Köge.
S.u.T.: Herr Behrens, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.